Lange Zeit - schon ein paar Jahre - war das mein Plan: Wenn ich nicht mehr arbeiten muß, fahre ich mit dem Rad nach Ungarn.
Mitte Mai ging es nun los; mit Rad und Anhänger, in dem mein Zelt, Schlafsack, Decke und viel Kleinkrams untergebracht war. Zuerst quer durch Bayern: vom Allgäu nach München, dann an der Isar entlang bis Deggendorf an der Donau. Ab Isarradweg merkte ich: an einem Fluß lang zu fahren ist wunderschön: da geht es nicht bergauf. Weiter von Deggendorf bis Passau, dann den wunderschönen Radweg Passau - Wien. Von Wien ein Stückchen Richtung Bratislava, doch zuvor bog ich ab zum Neusiedler See. Und dann nur noch gen Süden Richtung Balaton!!!!
Ca. 20 km vor meinem ersten Ziel, das war Balatonederic am Balaton, bin ich leider gestürzt und landete mit Rippenbrüchen und Gehirnerschütterung in einem ungarischen Krankenhaus. Da blieb ich eine Woche, bis ich mit Sanka nachhause transportiert wurde.
Das hört sich nicht ganz toll an, aber trotz allem:
Die Tour gemacht zu haben, hat mir nicht leid getan, im Gegenteil: Ich würde mich sofort wieder dazu entscheiden! So viel Schönes habe ich gesehen und erlebt!
So viele Morgen, losgefahren voll Freude, die Sonne scheint, tausende Vögel singen in den Donau-Auen, über mir und um mich ein Baldachin der Bäume und Büsche - ich fühlte mich wie in einem grünen Dom beim Konzert! Und was für ein Konzert - nicht zu überbieten! Wieviele Tiere sind mir über den Weg gelaufen oder habe ich gesehen: Eidechsen, viele Hasen, eine Maus, 2 mal eine Schlange, Eichkätzchen (auch ein junges, noch ganz kleines), Rehe, Schafe, Ziegen, Frösche, ein Pfauenpaar (am Campingplatz), tausende Enten und Gänse (vor allem am linken Ufer des Neusiedler Sees. Den Kuckuck habe ich ganz oft gehört.
Und welch interessante Menschen habe ich getroffen: einen Kanadier, der bis China radeln will; Neuseeländer, die in Paris starteten und bis Istanbul fahren wollen, eine junge Engländerin, die Griechenland als Ziel hatte; und viele Deutsche, die so wie ich erst mal bis Wien wollten, mit denen ich geratscht und Wein getrunken hatte... und die mir zu meinem Ziel viel Glück wünschten und meinen Mut lobten, allein so eine Tour zu wagen.
Irgendwann war meine Antwort (und ab da immer) auf die Frage: "Fürchten Sie sich denn nicht": "Nein, ich fürchte mich vor nichts und niemand!"
Diese Antwort löste stets Lachen aus! Ich lachte immer mit!
Viele Städte habe ich gesehen und darin viele schöne Bauwerke bewundert: Kirchen, Rathäuser, Burgen, Schlösser, Theater (auch ein historisches, in dem ein Plumpsclo, nur mit Vorhang von den Stuhlreihen abgetrennt, noch vorhanden war) Museen, Brunnen, und, und, und.
Und so viele unterschiedliche Landschaften habe ich kennengelernt. Ich habe auch öfters mal einen Tag Radlpause eingelegt und bin stattdessen gewandert, oder auch mal nachmittags noch, nach Ankunft und meinem Zeltaufbau. In Inzell a.d.Donau z.B. auf den "Steiner Felsen" mit wunderschönem Ausblick von hoch oben auf die Donau bei der "Schlögener Schlinge". In Grein a.d.Donau wanderte ich durch die Stillensteinklamm (mit rauschendem Bach, Felsen, steilen Wänden, kleinen Wasserfällen, Wald); da gab es dazu ein Märchen von der armen Müllerstochter zu lesen, deretwegen ein Zwerg den Riesenfelsen sprengte, über den sie nicht hinwegkam, um dort für ihre kranke Mutter Kräuter zu sammeln. Natürlich wurde die Müllerstochter belohnt mit Gold und Edelsteinen...
In Dürnstein, der Perle der Wachau, stieg ich hoch hinauf zu der Ruine, die früher die Burg Dürnstein war, in der Richard Löwenherz, der König von England, nach dem III. Kreuzzug in Gefangenschaft gehalten wurde.
Am Neusiedler See bestaunte ich den riesigen Römischen Steinbruch. Aus diesem Steinbruch wurden die Steine z.B. für den Stephansdom in Wien gebrochen, auch für das Parlament und das Rathaus. Und nun findet jedes Jahr eine Opernaufführung in diesem Natur-Areal statt (dieses Jahr "La Traviata" von Verdi). Ich stellte mir die Akustik in diesem, von Felsen umgrenzten Rund vor. Das muß fantastisch sein!
Während der Fahrt durch Ungarn, durch die riesigen, bis zum Horizont reichenden Korn- und Sonnenblumenfelder, unter dem weiten blauen Himmel Ungarns, fühlte ich mich frei und ungebunden wie ein Vogel im Wind! Und total glücklich!

Weshalb ich kurz vor dem Ziel gestürzt bin, weiß ich bis heute nicht. Ich glaube, mein Anhänger ist während der Fahrt umgekippt, weil er mit einem Rad auf den überhöhten Straßenrand geriet.
Aber ich bin dankbar, dass ich nun wieder ganz gesund bin, werde diese Reise nie vergessen und sie als wunderschönes Erlebnis in Erinnerung behalten!
Bestimmt werde ich solche Abenteuer-Urlaube noch öfter unternehmen.