Meine Nase.
Trotzdem sehne ich mich nach Frühling.
Seit gestern bin ich bei meiner Schwester zu Besuch.
Raus aus Köln, ab in die Eifel. ( Flucht vor den heimischen Narren )
Und als ich heute spazieren ging, war’s zeitweise ein wenig sonnig und ich bekam
Sehnsucht nach der Wärme des Frühlings und den damit verbundenen Gefühlen.
Das erste, was ich dann im Frühjahr immer spüre, ist eine gewisse Angst in der Nase.
Eigentlich sollte man die in meinen Jahren zwei Stockwerke tiefer kriegen.
Andererseits heißt es doch aber auch wieder so schön,
- wie die Nase des Mannes, so sein Johannes -.
Oder umgekehrt?
Und da beide, bei einem Spaziergänger wie mir, zu einem gewissen Geller Effekt
neigen und leicht verbogen sind, bleibt es gewöhnlich bei einem kleinen Seufzer
und dem elegischen Verserl:
- Kehrten doch die Zeiten wieder, wo gelenkig waren alle Glieder…-
Zwar versucht es solch ein Mann um die Fünfzig wohl noch manchmal mit sogenannten
Bio-Hilfsmittelchen, wenn er denn nicht auf Chemie steht.
Als da sind das russische Sexual-Schrot Kaviar, Spargel oder Sellerie.
Doch meistens enden all diese Bemühungen mit einem harmlosen Ausflug in die
Vergangenheit.
Damals, als ich noch ein fleißiger Stehgeiger war , sagte mir ein alter Freund einmal:
- Die Zeit der Kirschen ist dann vorüber, wenn die Liebe sich nicht mehr in der
Vertikalen stattfinden kann –
Das trifft bei mir ins Schwarze, oder blonde, oder brünette.
Aber auch die Minne in der Horizontalen ist bei einem September-Mann meist schon
in Frage gestellt – und manchmal zur reinen Transportangelegenheit geworden.
Weil das bisschen Leidenschaft halt öfters den Heimweg nicht mehr übersteht.
Allerdings, auf den Wellen meiner kleinen Popularität, wird mir hin und wieder
schon mal ein kleines, noch grünes bis dürres Stück Treibholz direkt vor die Schlafzimmertüre geschwemmt.
Da lässt sich dann mit etwas Geschick ein kleines Feuerchen anzünden.
Und vielleicht bleibt dabei ein wenig Glut unter der Asche zurück.
Bequemer für einen älteren Stehgeiger sind jedoch noch immer die Konserven
der Erinnerung. Und ich hatte in meiner Jugend schon ganz schön was eingedost.
Gerne denke ich dann im Frühjahr an diese Zeit zurück.
Auch an die Standard-Parole unserer Tango-Clique:
Nur immer `rin in die Mädels, solange sie noch doof sind-. …( T´schuldigung. )
Oder an die Momente, als sich die müde getanzten Schönheiten auf dem Heimweg
zwischen Neugierde und Dunkelheit noch ein bisschen Schimpf und Schande
unters Röckli jubeln ließen.
Und dabei schüchtern mit den Worten protestierten:
- Machen sie nur so weiter, mein Herr, die Mutti wird schön schimpfen.-
Ach ja,…ja, schön war es schon.
Und darum blickt einer wie ich auch nicht zurück im Zorn, sondern lächelt lieber
ersatzweise milde und ein wenig dämlich und tröstet sich mit der wunderschönen
Aussicht:
-Wenn man älter wird, ein wenig kälter wird, bleibt allein Bad Gastein.-
Und doch, ich sehne mich nach dem Frühling.
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