Meine Reh-Summe vom Karneval
Als Bauchtanzbär mit Ali-Baba, Pipi Langstrumpf, King Kong und Klein Erna auf Tour
Eigentlich mag ich es nicht, diese aufgesetzte Fröhlichkeit, dieses Tata-Tata-Tata, das mir
anzeigt, wann ich gefälligst zu lachen habe. Schon die eingeblendeten Lacher mancher Soaps im TV bringen mich augenblicklich zum Umschalten. Da lachen unsichtbare Menschen mitten in einem Satz wie „Ich habe die Fahrräder in die Garage gestellt, weil es regnet.“
Irgendwie fehlt mir ein Gen oder ich bin einfach nicht klug genug, den Witz in diesem Satz zu umzingeln.
Karneval wird jedoch zum MUSS, wenn er im Altenheim bei Tantchen oder in Köln, bei Freunden stattfindet. Köln finde ich juut, weil da wirklich jeder Penz die Lieder mitsingen kann und alle tolle Kostüme tragen, die man hier bei uns gar nicht kaufen könnte. Die Kamelle sind dort noch echt und von dem Dünnbier in den Reagenzgläsern wird man auch nicht gleich feierunfähig.
Karneval bei Tantchen im Altenheim ist jedes Jahr anders. Paperback Writer meinte, man könne einem Bären den Bauchtanz beibringen, so kam mir diese Idee …überhaupt ist alles seine Schuld! ;-))
Im von Kostümen verwöhnten Köln war der Bauchtanzbär schon ein Hingucker, im Essener Altenheim war er eine Sensation. Um mich herum nur grinsende Menschen, freundliche Aufforderungen zum Tanz, anfeuernde Händeklatscher, auch auf meinem Hintern. Bei Lebensjahren über 80 und einem dicken Fell über meinem Hintern darf man(n) das ohne Schelte zu erwarten.
Da zu solchen Feiern jeder in den großen Saal kommt oder gebracht wird, ist neben schunkeln die Polonaise der beliebteste Tanz, da auch die Leute im Rollstuhl einfach mitgeschoben werden. Manche kamen nicht mal dazu, ihr Bierglas vorher abzustellen, es schwappte hier und da und so wurde vom Bauchtanzbären eine neue Figur beim orientalischen Tanz kreiert - der Ausfallschritt bis zum Spagat.
Das erste Fettnäpfchen tat sich für mich auf, als ein als Pastor verkleideter junger Mann mir nacheiferte und einen gewagten Ausfallschritt in die Mitte des Kreises machte, der mir als Bühne zugedacht war. Feierlaune, Übermut und meine große Klappe nötigten mich, den jungen Mann zu ermahnen „Jungchen, wenn de son geilen Tanzstil an den Tag legen willst, solltest Du Dir nicht son bierernstes Kostüm überwerfen!“ Dabei umgarnte ich den immer noch vor mir halb kniend, halb hängenden Jüngling nach bester Bauchtanzart. Nach weiteren zwanzig Sekunden erbarmte ich mich und zog ihn hoch, dabei geriet er unfreiwillig in eine Pose, die ihn mit Wange und Nase an meine Brust presste, denn er tat sich recht schwer. Mit hochroten Wangen stellte er sich als neuer, katholischer Pastor vor…uuuups! Humpelnd schlich er zu einem Stuhl, denn neue Tanzschritte müssen erst einmal von den eigenen Bändern und Gelenken toleriert werden. Wann immer sich unsere Blicke trafen, errötete er. Die Beichte von ihm hätte ich gern gehört…
Es waren diesmal viele Angehörige gekommen und die Pflegekräfte teilten ordentlich Bier und Wein aus. Auch ein Bär muss mal Pipi und da die Damentoilette mit zwei Rollstuhlfahrern besetzt war, die nun mal etwas länger brauchen, hüpfte ich in die Herrentoilette, das sieht hier niemand so eng. Aus einer der Kabinen klangen seltsame Geräusche „Uuuuuuaaaarg, ggggääääähhh, buaaaahhh..“ Nanu, da spuckte doch tatsächlich jemand das gute Bier ins Klo. Bei den seltsamen Lauten wurde mir auch endlich klar, was man mit „gebrochenem Deutsch“ reden meint...
Meine Zeit, das war eine Tortour, bis ich die Spreute freigelegt hatte und endlich der Toilette Tribut zollen konnte. War vielleicht gut durchdacht, dass viele Leute die Kostüme so knapp wählten. Eine schwache Blase als Bauchtanzbär würde unweigerlich zu noch mehr Ausfallschritten führen. Kaum war ich wieder im Saal, spielte der Mann am Klavier das Lied von der Zuckerpuppe aus der Bauchtanztruppe und ich musste wieder auf meine „Bühne“, die anderen mit Polonaise um mich rum. Jemand kam mit einem Badehandtuch und wollte aus dem Pastor einen Scheich machen, denn die Vorstellung hatte wohl gefallen. Die Kopfbedeckung nahm er leicht widerstrebend an, doch zu neuen Tanzeinlagen war er nicht bereit. Sein guter Draht zu den himmlischen Mächten sorgte für ein angeschwollenes Fußgelenk, was als Entschuldigung völlig ausreichte.
Beim Abschied habe ich ihm die Hand gedrückt und gesagt, dass ich mich schon aufs nächste Jahr freue. Sein Gestammel könnte man auch als gebrochenes Deutsch werten, ob wohl keinerlei Flüssigkeit aus seinem Mund quoll. Böse wie ich bin, habe ich als altes Weib genossen, einen jungen Mann so aus der Fassung zu bringen…dafür werde ich wohl in der Hölle schmoren!
Tantchen fand das unartig. Sie meinte, ich solle mal Resümee daraus ziehen…klar, tu ich glatt!
anzeigt, wann ich gefälligst zu lachen habe. Schon die eingeblendeten Lacher mancher Soaps im TV bringen mich augenblicklich zum Umschalten. Da lachen unsichtbare Menschen mitten in einem Satz wie „Ich habe die Fahrräder in die Garage gestellt, weil es regnet.“
Irgendwie fehlt mir ein Gen oder ich bin einfach nicht klug genug, den Witz in diesem Satz zu umzingeln.
Karneval wird jedoch zum MUSS, wenn er im Altenheim bei Tantchen oder in Köln, bei Freunden stattfindet. Köln finde ich juut, weil da wirklich jeder Penz die Lieder mitsingen kann und alle tolle Kostüme tragen, die man hier bei uns gar nicht kaufen könnte. Die Kamelle sind dort noch echt und von dem Dünnbier in den Reagenzgläsern wird man auch nicht gleich feierunfähig.
Karneval bei Tantchen im Altenheim ist jedes Jahr anders. Paperback Writer meinte, man könne einem Bären den Bauchtanz beibringen, so kam mir diese Idee …überhaupt ist alles seine Schuld! ;-))
Im von Kostümen verwöhnten Köln war der Bauchtanzbär schon ein Hingucker, im Essener Altenheim war er eine Sensation. Um mich herum nur grinsende Menschen, freundliche Aufforderungen zum Tanz, anfeuernde Händeklatscher, auch auf meinem Hintern. Bei Lebensjahren über 80 und einem dicken Fell über meinem Hintern darf man(n) das ohne Schelte zu erwarten.
Da zu solchen Feiern jeder in den großen Saal kommt oder gebracht wird, ist neben schunkeln die Polonaise der beliebteste Tanz, da auch die Leute im Rollstuhl einfach mitgeschoben werden. Manche kamen nicht mal dazu, ihr Bierglas vorher abzustellen, es schwappte hier und da und so wurde vom Bauchtanzbären eine neue Figur beim orientalischen Tanz kreiert - der Ausfallschritt bis zum Spagat.
Das erste Fettnäpfchen tat sich für mich auf, als ein als Pastor verkleideter junger Mann mir nacheiferte und einen gewagten Ausfallschritt in die Mitte des Kreises machte, der mir als Bühne zugedacht war. Feierlaune, Übermut und meine große Klappe nötigten mich, den jungen Mann zu ermahnen „Jungchen, wenn de son geilen Tanzstil an den Tag legen willst, solltest Du Dir nicht son bierernstes Kostüm überwerfen!“ Dabei umgarnte ich den immer noch vor mir halb kniend, halb hängenden Jüngling nach bester Bauchtanzart. Nach weiteren zwanzig Sekunden erbarmte ich mich und zog ihn hoch, dabei geriet er unfreiwillig in eine Pose, die ihn mit Wange und Nase an meine Brust presste, denn er tat sich recht schwer. Mit hochroten Wangen stellte er sich als neuer, katholischer Pastor vor…uuuups! Humpelnd schlich er zu einem Stuhl, denn neue Tanzschritte müssen erst einmal von den eigenen Bändern und Gelenken toleriert werden. Wann immer sich unsere Blicke trafen, errötete er. Die Beichte von ihm hätte ich gern gehört…
Es waren diesmal viele Angehörige gekommen und die Pflegekräfte teilten ordentlich Bier und Wein aus. Auch ein Bär muss mal Pipi und da die Damentoilette mit zwei Rollstuhlfahrern besetzt war, die nun mal etwas länger brauchen, hüpfte ich in die Herrentoilette, das sieht hier niemand so eng. Aus einer der Kabinen klangen seltsame Geräusche „Uuuuuuaaaarg, ggggääääähhh, buaaaahhh..“ Nanu, da spuckte doch tatsächlich jemand das gute Bier ins Klo. Bei den seltsamen Lauten wurde mir auch endlich klar, was man mit „gebrochenem Deutsch“ reden meint...
Meine Zeit, das war eine Tortour, bis ich die Spreute freigelegt hatte und endlich der Toilette Tribut zollen konnte. War vielleicht gut durchdacht, dass viele Leute die Kostüme so knapp wählten. Eine schwache Blase als Bauchtanzbär würde unweigerlich zu noch mehr Ausfallschritten führen. Kaum war ich wieder im Saal, spielte der Mann am Klavier das Lied von der Zuckerpuppe aus der Bauchtanztruppe und ich musste wieder auf meine „Bühne“, die anderen mit Polonaise um mich rum. Jemand kam mit einem Badehandtuch und wollte aus dem Pastor einen Scheich machen, denn die Vorstellung hatte wohl gefallen. Die Kopfbedeckung nahm er leicht widerstrebend an, doch zu neuen Tanzeinlagen war er nicht bereit. Sein guter Draht zu den himmlischen Mächten sorgte für ein angeschwollenes Fußgelenk, was als Entschuldigung völlig ausreichte.
Beim Abschied habe ich ihm die Hand gedrückt und gesagt, dass ich mich schon aufs nächste Jahr freue. Sein Gestammel könnte man auch als gebrochenes Deutsch werten, ob wohl keinerlei Flüssigkeit aus seinem Mund quoll. Böse wie ich bin, habe ich als altes Weib genossen, einen jungen Mann so aus der Fassung zu bringen…dafür werde ich wohl in der Hölle schmoren!
Tantchen fand das unartig. Sie meinte, ich solle mal Resümee daraus ziehen…klar, tu ich glatt!
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