Vor einigen Jahren zog neben mir eine neue Nachbarin ein.
Anita hieß sie und sie war Single.
Eine Frau in meinem Alter, blonder Bubikopf, anziehendes und etwas schelmisches Lächeln, nicht dick aber gut proportioniert, also insgesamt eine sympatische und angenehme Erscheinung.

In einem Gespräch merkte ich, dass sie sich gut zu artikulieren wußte und überhaupt, auch sonst nicht auf den Mund und Kopf gefallen war.

Je öfter wir uns unterhielten um so mehr stellten wir fest, dass wir uns verstanden und auf der gleiche Wellenlänge waren.
Obwohl sie in manchem zur Oberflächlichkeit neigte, war sie aber nicht unkritisch oder gar blauäugig.

Ihre Selbstsicherheit und Selbstvertrauen, brachte ich damit in Verbindung. dass sie Möbelverkäuferin in einem großen Möbelhaus war.
Was ich nicht mit ihr teilen konnte, war ihr hang zur Volksmusik, aber ich mußte sie ja nicht hören, außer wenn ich sie besuchte. Aber hier fanden wir auch einen Kompromiß, anstatt Volksmusik hörten Wir Musical oder Operettenauszüge.

Mit ihr zog ihr 85 jähriger Vater ein, - der bedingt plegebedürftig war,- aber nicht so, dass sie ihrer Arbeit nicht mehr hätte nachgehen können.
Aber doch soviel, dass er ihre Freizeit zum größten Teil in Anspruch nahm. Mühle spielte er gerne und gut. Also geistig war er noch auf der Höhe.
Zusammen spielten wir auch Black Jack, obwohl seine Tochter öfter helfen mußte, machte es doch Spass.
Wenn Anita und ich miteinander Schach spielten, schaute er ganz interessiert zu, - er konnte es zwar nicht, merkte aber doch wenn seine Tochter in Bedrängnis war, - und meinte mal:" Mach doch genau das, was Irmchen macht."
War ja gut gemeint, aber beim Schach geht das nicht lange gut.

Ich hatte einen langjährigen , guten Bekannten, der auch Single war, weil ein Jahr zuvor seine Frau gestorben war.
Er war kein Adonis, aber ein netter Kerl, humorvoll, intelligent und gutem Charakter.
Seit seine Frau tot war, hat er stark abgebaut, weil er es nicht gewohnt war plötzlich alleine zu leben, alleine gelebt hatte er noch nie.

Theortisch hätte ich mir vorstellen können, dass Anita und Paul, -so hieß er,- ganz gut zusammen passen würden, und ich organasierte ein unverbindliches Zusammentreffen bei mir in der Wohnung.

Nach dem ich beide miteinander bekannt gemacht hatte,tranken wir Kaffee zu selbstgebackenem Kuchen. Sprachen über Dies und Jenes und merkte, dass es bei Paul gefunkt hatte.
Immer mehr verwickelte er sie ins Gespräch, dass ich mir schon fast überflüssig vor kam.
Anita schien es auch ganz gut zu gefallen, denn soviel Aufmerksamkeit ist ihr lange nicht mehr zuteil geworden.

Schnell stellten beide fest, dass sie einiges gemeinsam hatten. Unter anderem besaßen sie beide eine Katze.
Damit stand das Thema für den größten Teil des Abends schon fest.
Ich hätte nie vermutet, dass es über Katzen soviel zu reden gibt und hörte ganz interessiert, und gespannt zu.
Warf hier und da eine Frage ein, die dann auch Fachmännisch beantwortet wurde.
Da ich aber das Gefühl hatte zu stören, beschränkte ich mich mehr aufs Zuhören.
So verging der Abend. Noch etwas Smal Talk zum Schluß. Mein Bekannter verabschiedete sich artig mit einem Wangenküßchen links und rechts und einem tiefen Blick in ihre Augen.
Zögerlich fragte er sie, ob sie daran interessiert wäre, sich nochmal mit ihm zu treffen.
Sie schaute mich etwas ratlos an und ich zuckte nur mit den Achseln, diese Entscheidung sollte sie alleine treffen.

Dann sagte sie zu ihm, vielleicht, sie würde es sich noch überlegen und sie könnten ja über mich in Verbindung bleiben.
Er bot er seine Telefonnummer an, aber sie lehnte es ab.

Nochmal ein tiefer und ernster Blick, und Paul machte sich auf den Heimweg.

Na, fragte ich sie: " Was hältst du von ihm?"
" Och ja, er ist ein ganz netter Kerl, aber mehr auch nicht."
Ich sagte ihr, welchen Eindruck ich hatte, aber sie winkte nur ab, und meinte, es sei nicht ihr Typ.

Als mein Bekannter zu Hause angekommen war, rief er mich an und fragte ob Anita noch da sei.
Nein sagte ich ihm und fragte, was er denn von ihr möchte?

Ich wollte ihr gerne sagen, wie gut sie mir gefallen hat und es wäre schön, wenn sie sich wieder treffen würden.

Ich versprach ihm, ihr das aus zu richten und dann würden wir weiter sehen.

Am nächsten Tag sprach ich mit ihr über das Telefonat, und sie meinte, im Grunde genommen ja, wir könnten ja gemeinsam etwas unternehmen.

Mein Bekannter ist Rentner und an keine Zeit gebunden, so wie ich auch.
Ab nun trafen wir uns immer einmal in der Woche, wenn Anita frei hatte.

Die Begrüßungen meines Bekannten wurden immer intensiver, so dass Anita ihn etwas auf Abstand hielt.
Wenn er versuchte ihre Hand zu nehmen, schob sie sie sanft zur Seite und entzog sich durch eine kleine Bewegung.

Sein verbales Werben nahm auch immer mehr zu.
Liebe Anita hier, liebe Anita da, und überhaupt, Anita überall.
Immer mehr ließ er durchblicken, dass sie die Frau sei die er auch bereit sei zu heiraten. - das strebte sie auch an, aber es war eben nicht ihr Typ.-

Er ließ nicht nach sie zu umwerben, wollte sie umarmen, worauf sie ihm dann, halb mit humor, halb ernst zu sagen pflegte, nimmst du wohl die Finger weg.

Er ließ keine Gelegenheit aus um ihr zu sagen, was er doch für ein toller Bursche sei und wie stolz sie darauf sein könnte ihn zu haben.
( Er machte das nicht anzüglich oder gar matchohaft, sondern irgend wie lieb und manchmal sogar rührend.)
Er beließ es auch nicht nur bei Worten, sondern ließ auch taten sprechen. ( Einer seiner vielen Sprüche: " Sie hat die Idee, und ich das Portmonee.")
Er trug sie auf Händen und verehrte sie, versuchte ihr die Wünsche von den Augen ab zu lesen.
Anita nahm das auch alles wahr und es war ihr auch nicht unangenehm. aber sie wollte keine Nähe.

Irgend wann kam dann die Zeit, wo Anita ihm mitteilte, das er ein wirklich lieber und netter Kerl sei, dass sie auch froh sei, dass wir gemeinsam etwas unternehmen, aber es sei nur Freundschaft.
(Die beiden haben auch mehrmals alleine etwas unternommen.)

Von Freundschaft wollte Paul nichts wissen und umwarb sie immer weiter, ohne dabei aufdringlich zu werden, nahm auch artig seine Finger wieder weg, wenn sie es ihm sagte und saugte begierig alles auf, was ein Hinweis hätte sein können dafür, das es eventuell doch mehr ist als eine Freundschaft.
Außer dem gab ihm ihre Nähe schon soviel, dass ihn das schon glücklich machte.

Anita ging außerdem regelmäßid zum Tanzen, natürlich um jemanden kennen zu lernen.
Das hat sie ihm auch gesagt, aber das konnte ihn nicht erschüttern, ganz im Gegenteil, wenn sie niemanden kennen lernte, sah er sich in ihrer Gunst aufgewertet und vergaß auch nicht darauf hin zu weisen, dass sie sich dass alles sparen könnte, denn sie hätte doch ihn.

Ich habe versucht, mich in seine Situation zu versetzen und muß sagen, ich hätte längst das Handtuch geworfen.

Das ging so weiter über drei Jahre, ohne das Paul weiter gekommen wäre.

Anitas Vater wurde schwer Krank und ist an der Krankheit auch bald gestorben.
Sie selbst hat es immer noch nicht geschafft jemanden zu finden und Paul war ihr weiter treu.

Nun begab es sich, dass eine Darmspiegelung für Anita bevorstand. Dazu mußte sie Abführmittel und Kontrastmittel trinken und das auch über Nacht.
Sie hatte viel unangenehmes darüber gehört und hatte Angst über nacht alleine zu sein.
Paul erkannte seine Chance und bot sich bereitwillig an, bei ihr zu übernachten, um auf sie auf zu passen.
( Das wäre das erste mal gewesen.)

In ihrer not, nahm Anita das Angebot an.
Außer, dass sie oft zur Toilette mußte ist nichts passiert, aber Paul war happy, dass er bei ihr übernachtet hatte.
Morgens fuhren wir gemeinsam zum Orologen und alles lief reibungslos.
Paul durfte wieder nach Hause fahren.

Seit drei Monaten hat Anita jetzt einen Freund.
Wir treffen uns nicht mehr so oft und Paul hofft, dass es schief geht mit dem neuen Freund.
( Er könnte sogar Glück haben, denn so ganz Glücklich, erscheint sie mir nicht zu sein.)
Paul aber hofft auch weiter, auf die nächste Darmspiegelung und hat dafür Vladimir Klitschko, Verona Poht und Gabi Köster engagiert, die ja kräftig Werbung dafür machen.
L.G.

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