Menschen sind mitunter die widerwärtigsten Lebewesen auf diesem Planeten. Ich erinnere mich an Massenselbstinszenierungen als der Tsunami über Tailand kam. Überall drängten sich Menschen in die Lampen der Medien und übertrafen sich im Wettbewerb des Spendensammelns. Nichts grundsätzlich Schlechtes, aber mich überkam, je länger das andauerte ein schauriges Gefühl, wenn ich sah, wie Übergabeschecks medienwirksam, auch in der Lokalpresse mit strahlendem Lächeln übergeben wurden. Als ob kein schreckliches Ereignis zu bewältigen wäre, vielmehr wurden regelrechte Zahlenhitparaden gefeiert. Was kam dann wirlklich auch sinnvoll zur Verwendung?
Gleiches mit Lichterketten, Beileidsbekundungen und anderen Öffentlichwirksamen Aktionen näch schrecklichen Vorfällen. Fängt einer oder eine damit an, breitet sich dieselbe Massnahme wie ein Reflex.
über das ganze Land aus. Überall scheinen Leute zu sitzen, die nur darauf warten, einmal im Licht der Öffentlichkeit zu stehen und sei es nur auf dem Trittbrett einer Schreckensmeldung.
20 Fernsehkanäle lassen sich die Sensation nicht entgehen und puschen die Quoten durch Lifeschaltungen vor Ort. Die Berichterstatter liefern sich einen Wettkampf um Gerüchte und Mutmassungen und es ist oberste Pflicht der Reporter, weinende und verzweifelte Menschen zu finden, die Ihr Leid in die Mikrofone schluchzen. Daheim vor der Glotze sitzt der dankbare Nachrichtenkonsument, das Grauen bei Cola und Bier, wohlig im Nacken spürend. Menschen müssen reden, Sie müssen sich mitteilen und sie müssen Ängste verarbeiten. Das verstehe ich. Nicht jeder kann still der Opfer einer Katastrophe gedenken und wie die Grossmutter vor 50 Jahren in seine Gebete einschliessen. Die Zeiten sind anders und die Informationsflut ist grandios. Müssen aber Schreckensmeldungen wie Weltmeisterschaften vermarktet werden und muss überall ein Mensch aufstehen um einen weiteren Event daraus zu generieren?