Martini hat für Erfurt eine ganz besondere Bedeutung, da man zum einen dem Erfurter Stadtpatron, dem heiligen Martin von Tours und andererseits dem großen Reformator Martin Luther gedenkt, der einst in Erfurt gelebt hat. Dabei gedenkt man dem Todestag von Martin von Tours, der sich am 11. November 397 ereignete und des Geburtstages von Martin Luther, der am 10. November 1483 geboren und mit seinem Vornamen nach dem Heiligen benannt wurde.

Deshalb begehen die beiden großen Kirchen seit 1972 Martini gemeinsam als ökumenisches Fest. Bei beginnender Dunkelheit ziehen Tausende Erfurter mit ihren Kindern zum Domplatz. Ihre leuchtenden Laternen bilden vor den hochaufragenden Türmen des Doms und der Severikirche eine stimmungsvolle Kulisse.
Fester Bestandteil dieses Anlasses ist inzwischen der Martinimarkt, der insbesondere die Vorschulkinder anspricht, die bereits zur Eröffnung mit ihren Laternen kommen.

Brauchtum zum Martinstag
Der Martinstag ist als Tag der Lichterumzüge bekannt. Und auch das Martin seinen Mantel geteilt hat. Dies wird oft bei einem Umzug symbolisiert. Aber das Martin früher als Zinstermin für Ablieferungen von Naturalien galt, ist wohl kaum mehr in Erinnerung!

Noch heute ist der Martinstag mit vielen Bräuchen verbunden. So gibt es das Martinshörnchen, das in seiner Form den Broten ähnelt, die zur Zeit Martins gegessen wurden. Eine andere Tradition ist die Martinsgans: Als die Bewohner der französischen Stadt Tours Martin zu ihrem Bischof machen wollten - so heißt es in der Legende - soll der sich aus Bescheidenheit versteckt haben. Aufgespürt hat man ihn schließlich in einem Gänsestall. Das aufgeregte Schnattern des Federviehs hatte ihn verraten.
Im Volksbrauch galt der Martinstag zudem als Tag des Winteranfangs. Am Martinstag waren Korn- und Weinernte beendet, und es begann das Schweineschlachten. Oft wechselten die Knechte und Mägde ihre Dienststellen, und die bäuerlichen Abgaben, wie der Zehnte, waren fällig.

So wurde die Martinsgans dem Lehrer oder dem Pfarrer als Deputat überreicht, später als Geschenk den Verwandten übersandt und auch mit Martin Luther in Verbindung gebracht. Viele essen sie ihm zu Ehren, nur des Namens wegen.

Seit dem 6. Jahrhundert begann am Martinstag das bis Weihnachten dauernde Adventsfasten. Darum fanden am Vorabend noch einmal große Schmausereien statt.
Häufigster Festbraten war die Martinsgans.

In Erfurt wird schon seit vielen Jahren am Martinstag das "Schnurrn" (auch: Schnorren) praktiziert. Dazu ziehen die Kinder mit ihren Laternen von Haus zu Haus und singen Martinslieder. Früher erhielten sie dafür Äpfel, Plätzchen und Bonbons. Heute sind auch diese Dinge (leider) meist durch Geld ersetzt. Blieb früher kaum eine Tür zu, klingeln die Kleinen heute an vielen Türen vergeblich."

Weitere, diesem Tag gewidmete Bräuche:
Den Märteswein trinken die Winzer, oft im Rahmen eines festlichen Banketts, um für das künftige Jahr eine gute Ernte zu erhalten.
Das Märtesmahl ist in vielen Gegenden mit dem Märteswein die erste Herbst-Mahlzeit, die die Gemeindeältesten zusammenführt.
Die Märtesminne knüpft an eine Legende an: danach soll der fromme Mann dem schwedischen König Olaf erschienen sein und streng von ihm verlangt haben, er solle nicht mehr die alten Götter Thor und Wistan durch Trinkopfer ehren, sondern den Märtenstrunk an Stelle der Odinsminne einführen.

Ganslsonntag heißt der Martinstag, wenn dieser auf einen Sonntag fällt oder der Sonntag nach Martini. Da gibt es Musik, die jungen Burschen müssen ihre Mädchen zum Tanz führen und ihnen Gänsebraten bewirten. Wer sich darum zu drücken versucht, gilt als Geizkragen oder als schlechter Liebhaber und hat sich auf jeden Fall die Gunst seines Mädchens vertan.