Bevor gegen 11:00 Uhr am Montagmorgen der Präsident George W. Bush mit seinem Beraterstab, bestehend aus seinem Vize Dick Cheney, den Chefs der CIA, der NSA, des Heimatschutzministeriums und dem Oberbefehlshaber der Armee im Oval Office zur Lagebesprechung zusammentrifft, lässt sich der Präsident vorab von seiner Praktikantin, Miss Dolores über die Ereignisse des Wochenendes informieren. Eine Angewohnheit, die er von seinem Vorgänger Bill Clinton gerne übernommen hatte.
"Guten Morgen Mister President, wie geht es ihnen heute?"
"Guten Morgen Dolores, danke der Nachfrage. Scheußliches Wetter hatten wir auf Kennebunkport (Feriensitz des Präsidenten). Mein Golfspiel war miserabel, bei der anschließenden Jagd habe ich anstelle den Hirsch zu erlegen unserem Vize Cheney fast seinen 'Dick' abgeschossen, und die First Lady hatte das Haus mal wieder mit der Frauengruppe bibeltreuer Fundamentalisten voll, die mir zu allem Überfluss die Vorräte meiner Lieblingslimonade weg getrunken haben."
Würde der alte Schluckspecht noch immer Alkoholisches runterkippen, ging es ihm heute bestimmt besser, dessen war er sich sicher. Das alkoholfreie Leben war einem Deal anlässlich seines 40. Geburtstags mit seiner Frau Laura geschuldet, sonst hätte sie ihn nicht mehr ran gelassen und er hätte nur noch nach Öl bohren dürfen. Allerdings versiegte ihre Quelle sehr bald, er konvertierte zum methodistischen Glauben und wurde der 43. Präsident der Vereinigten Staaten, was uns Europäer wiederum vom Glauben abfallen ließ.
"Das tut mir leid, Sir. Ich hoffe ich kann sie mit den News vom Wochenende etwas aufheitern. Wie üblich, Sport zuerst?"
"Sport zuerst Dolores, wie immer."
Da Präsident Bush es sich zur Angewohnheit gemacht hatte, bereits gegen 21 Uhr alleine zu Bett zu gehen, die 'First Lady' hat sich dort schon seit Jahren nicht mehr blicken lassen, waren ihm die Ergebnisse der diversen Sportligen wie NFL, NBL, NHL vom Wochenende noch nicht bekannt. Einzig seiner Lieblingsmannschaft, dem Baseballclub der Texas Rangers, stattete er ab und zu noch einen Besuch ab. Diesen Club hatte er mal für 600.000 Dollar gekauft und später für stolze 15 Millionen Dollar wieder verkauft. Das waren die Deals, die ihn begeisterten, mehr als das blöde Geschäft mit seiner Laura von damals. Das Vorlesen der einzelnen Tabellenplatzierungen ermüdete unseren George jedoch schnell, und bevor er komatös wurde, wechselte Dolores eilig das Thema.
"Sollen wir fortfahren mit den wesentlichen Ereignissen, Sir?"
"Ja , natürlich Dolores. Was haben wir denn da?"
"Schmutziges und Skandale, Mr. President."
Hatte man eben noch geglaubt ihn zur Wiederbelebung freigeben zu müssen, wurde unser George auf einmal wieder hellwach. Es war ja keinesfalls so, dass unser Wiedergeborener es nicht ernst mit seinem Glauben nahm. Vielmehr schöpfte er aus den Verfehlungen Anderer neue Kraft, die er im Kampf gegen den Terrorismus doch so dringend brauchte. Wer außer ihm war denn imstande die restliche Welt ein für allemal vom Bösen zu befreien, und das Böse hatte ein Gesicht, auch wenn er es im Spiegel nicht zu erkennen vermochte.
Dolores erzählte ihm von den Skandalen der Demokraten vom Wochenende (die deutlich längere Liste mit Republikaner hatte sie vorsorglich in den Reißwolf geschoben), berichtete über aussereheliche Verfehlungen, Homosexuelles, und den angesagtesten Rauschgiftparties in Beverly Hills. Nur das schmutzige Treiben Geistlicher war tabu. Das hätte den weiteren Verlauf des Vormittags in Frage gestellt.
"Dolores, kommen sie doch bitte einmal zu mir herüber."
Die Praktikantin des Präsidenten ging um den Tisch, wo sich George mittlerweile von seinem Stuhl erhoben hatte.
"Würden sie mir jetzt einmal ganz unverbindlich in den Schritt fassen?"
"Aber Mr. President...".
"Dolores, wer bin ich?"
"Der mächtigste Mann der westlichen Welt, Mr. President."
"Dann zeigen sie mir, wie mächtig ich in ihrer Hand erst werden kann, Dolores. Greif zu."
In dem Moment, als Dolores herzhaft zupacken wollte, vernahm sie ein Geräusch.
"Sir?"
"Was ist denn Dolores?"
"Ich glaube, es hat geklingelt."
"Es gibt keine Klingel im Oval Office, Dolores. Wir haben eine Security im Weissen Haus."
"Ich bin mir aber sicher es hat geklingelt, Sir."
Nachdem der Präsident keine anstalten machte seine Hand unter ihrem Rock wieder hervorzuholen, wurde Dolores energisch.
"Herbert, ich muss zur Tür. Draußen steht jemand." Marianne ging schnellen Schrittes aus dem Esszimmer und öffnete die Haustür, wo Ihre Tochter Sabine mit der kleinen Lisa stand.
"Was macht ihr beide denn jetzt schon hier," fragte sie völlig erstaunt. "Es ist doch nicht schon 11 Uhr, oder?"
Die Tochter wunderte sich, warum ihre Mutter am Montagmorgen in ihrem alten marinefarbenen Business Kostüm die Tür öffnete, welches sie seinerzeit in ihrer Position als zweite Sekretärin eines mittelständischen Untrnehmens getragen hatte. Während beide Frauen sich am Hauseingang noch verwundert anstarrten, rannte die kleine Lisa freudestrahlend zu ihrem Opa, wobei sie aus lauter Übermut den Ständer mit der amerikanischen Flagge umrannte, der hinter dem ovalen Esstisch stand.
Später erzählten sie ihrer Tochter irgendetwas von einem alten Schulfreund, der in den Siebzigern in die USA ausgewandert war, und der sie völlig überraschend besuchen wollte und dem sie einen gebührenden Empfang bereiten wollten.
Nachdem Sabine am Nachmittag das Haus ihrer Eltern verlassen hatte, dachte sie auf der Rückfahrt lange darüber nach, welche Merkwürdigkeiten sich bei ihr im Alter einmal zeigen würde, verdrängte den Gedanken aber alsbald wieder.
Als Marianne am Abend ins Schlafzimmer ging, fand sie ihren Herbert im Bett liegend, die Augen starr gegen die Decke gerichtet.
"Tut mir leid Herbert, dass das heute nichts wurde. Ich konnte ja nicht ahnen, dass unsere Kinder schon so früh kommen würden."
Nachdem Herbert aus dem aktiven Berufsleben als Schulleiter ausgeschieden war, fiel ihm das Pensionärsdasein von Tag zu Tag schwerer. Das hatte auch Auswirkungen auf seine körperliche Leistungsfähigkeit, wenn es darum ging seiner Marianne Gutes tun zu wollen. Obwohl es keinerlei organischen Befund gab und es auch mit den kleinen blauen Pillchen bei dreifacher Dosierung nicht klappen wollte, kam Mariane eines Tages die Idee, ihm wieder das Gefühl von Macht und Größe zu vermitteln, das er doch in seinem Beruf tagtäglich genossen hatte. So sind ihr die kleinen Rollenspiele eingefallen und das Ergebnis kam nicht nur ihrem Herbert zugute.
"Herbert?"
"Ja Marianne. Was gibt es?"
"Sollen wir nächsten Montag mal den Putin versuchen oder lieber den Sarkozy?" Herbert schweigt weiter.
"Oder vielleicht gefällt es Dir, mir den Berlusconi zu machen?"
Dieser Gedanke zauberte ihm ein Lächeln um die Mundwinkel, das sich, mit einer gehörigen Portion Phantasie angereichert, zu einem deutlichen Strahlen ausbreitete.
"Ja Marianne. Ich mache Dir den Berlusconi. Den italienischen Zuchthengst."
Während Herbert mit diesem Gedanken sanft ins Reich der Träume hinüberglitt, ging Marianne nochmals die Farben der Stoffe durch, die sich noch im Keller befanden. Zum Glück bestand die italienische Flagge aus nur drei Farben, wobei es reichte, die Bahnen einfach aneinander zu nähen. Wenn sie daran dachte, wieviel Mühe ihr die Arbeit am amerikanischen Sternenbanner gemacht hatte, kam Erleichterung in ihr hoch. Bei so viel Aufwand musste Herbert den Bush wahrscheinlich irgendwann noch einmal machen.
Aber erst einmal war Don Potente aus Rom an der Reihe, und den hatte sie nach dem heutigen Ausfall der Vorstellung auch bitter nötig. Das wird ein Knaller, dachte sie, und schlief neben ihrem Herbert zufrieden ein.
