"Junge flexible Reiter fürs Training gesucht! Kontakt unter ... "

Die Anzeige fiel mir sofort ins Auge, aber wann hätte ich auch je etwas übersehen, was mit Pferden zu tun hatte.

Am Tele meldete sich die Galloprennbahn .. wow !! Morgens um fünf antanzen zum Füttern und misten, danach reiten, wer zu spät kommt reitet nicht, können Sie den leichten Sitz und trauen sich ein Vollblut zu?

Ich traute mir ALLES zu und meldete mich fürs WE an. Aber .. heute war ja erst Dienstag ....

Meine Schwester, mit der ich damals noch ein Zimmer teilte, sah mich mahnend an: " Wage dich nicht und stell´ den Wecker auf 4 Uhr!!!"

10 vor 4 stand ich senkrecht im Bett .. ohne Wecker. Wer kann bei der Aussicht auf ein Rennpferd schon schlafen. Dass ich erst seit einem guten halben Jahr Reitunterricht hatte und zwar relativ sattelfest , aber trotz alledem noch recht unerfahren war kam mir überhaupt nicht in den Sinn. Wie sich herausstellte dem Trainer auch nicht!

Punkt 5 Uhr hatte ich den Futtereimer in der Hand und kurz danach die Mistgabel. DAS und sein Pferd selbst putzen und satteln gehört einfach dazu!

Ausser mir waren noch zwei Jünglinge in meinem Alter und ein Mädchen da .. zwei Freiwillige wie ich und der Stalljockey.

Das erste Mal in Rennbügeln war ein SEHR seltsames Gefühl .. sie sind viiiiel kürzer als normal, man hat den Eindruck, die Knie kleben gleich am Kinn und nach dem Warmreiten im Trab spürte ich deutlich meine bis dato nicht beanspruchten Oberschenkel. Und raus auf die Bahn, die Order hiess: eine Runde ruhiger Canter. Die nächsten Minuten beschreibe ich euch in Kurzfassung: mein Pferd gallopierte an, riss den Kopf nach unten, mir die Zügel aus der Hand, nahm den Hintern nach oben und setze mich unsanft in den Sand. Schande ....

Der Trainer verzog keine Miene, sagte kein Wort und sammelte mein Pferd ein. Die anderen kamen inzwischen zurück ... Feixen auf allen Gesichtern, nun grinste auch der Trainer. Jetzt war mir alles klar ... der *Neuling wurde getestet!!

"Na, noch eine Runde?" und auf mein Nicken hin:" dann aber diesmal mit dem Pferd gemeinsam."

Klar doch, jetzt wusste ich ja Bescheid, was kam.

So nach und nach lernte ich auch die anderen Pferde und ihre Eigenheiten kennen:

- da war die schwarze Benita, die Grösste von allen mit Augen, die für ein ganzes Rudel Rehe gereicht hätten. Sie war sanft und scheu, nur wenn man leise mit ihr sprach wurde sie zutraulich. Oft standen wir in der Box, ihr Kopf auf meiner Schulter, die Augen halb geschlossen und liess sich von mir ins Ohr flüstern, wie schön und lieb sie doch war.

- Kiruna, eine heissblütige Fuchsstute, die die Rennbahn nur auf den Hinterfüssen betrat, die Brust gegen die Schulter des Menschleins gestemmt, der an ihrem Führstrick hing.

- Oldtimer, ein Orsini-Nachkomme, der mit 6 Jahren auch der Älteste war, die Farbe wie Zartbitterschokolade, immer lieb, immer ruhig, immer willig. Als er *ausgemustert wurde sprengte er leider immer noch meinen Etat, ich hätte ihn s o f o r t gekauft, unter anderem wegen seinem bildhübschen Gesicht. Noch Jahre später erkannte ich Pferde aus der gleichen Blutlinie an der für sie typischen runden Nase.

- und nicht zuletzt Barnard, mein erklärter Liebling, ein 3-jähriger Fuchshengst, kaum erst eingeritten und immer mit Flausen im Kopf. Allerdings war er so fair zu *kichern, ehe er anfing zu buckeln Er hat mir einen deftigen Sturz, aber auch einige herrliche Ritte beschert .. fliegen kann nicht schöner sein!!

Über zwei Jahre war ich auf der Bahn, im Sommer dreimal die Woche morgens um 5 und natürlich das ganze Wochenende. Im Winter dann nur noch am WE. Ich war als Betreuer mit bei den Renntagen , kämpfte mit hysterischen Hotties oder führte mit strahlendem Lächeln den Sieger von der Bahn und nichts kann das Gefühl beschreiben, das das Donnern gallopierender Hufe auf dem Rasen in dir auslöst ...
*
by M.K.