Dora erzählt begeistert von ihrem Club:
„Wir sind etwa 25 Frauen und nur 2 Männer, die regelmäßig Donnerstag Nachmittag unseren Club besuchen.
Warum nur so wenig Männer, fragt ihr? Ganz einfach, weil es in unserem Dorf wesentlich mehr alleinstehende ältere Frauen als Männer gibt.
Wir sind alle alleinstehend und haben im Laufe der Woche kaum eine Abwechslung. Die jüngste von uns ist 71 und die älteste 91 Jahr alt. Für die meisten von uns gibt es außer den Besuch der Kaufhalle nur ihre Wohnung höchstens noch den Fernseher und natürlich den Seniorenclub.
Die Clubnachmittage möchten wir nicht missen.
Können wir doch jede Woche neben Kaffee, Kuchen und kleinen Snacks über alles, was so im Laufe der Woche im Dorf passiert ist, sprechen.
Es wird aber nicht einfach nur getratscht, obwohl das natürlich auch dazu gehört, sondern ob ihr es glaubt oder nicht, wir älteren Frauen machen uns noch Gedanken darüber, was im Dorf verändert werden könnte, oder darüber, dass so viel junge Leute keine oder nur eine schlecht bezahlte Arbeit haben.
Kürzlich gab es eine große Aufregung und Angst.
Es ging das Gerücht um, dass unser einziges Einkaufszentrum, dass nach Angaben des bisherigen Inhabers nicht rentabel ist, geschlossen werden soll. Für viele von uns ist dies die einzige Einkaufsmöglichkeit, weil sie nicht mobil sind, um woanders zum Einkaufen hinzufahren. Es gab sogar Tränen bei einigen Frauen.
Die Leitung unseres Seniorenvereins trug unsere Sorgen weiter.
Und durch viele Gespräche und Hinweise auch von uns alten Leuten, wurde jemand aus unserem Dorf gefunden, die den Markt übernahm.
Jetzt sind wir natürlich auch daran interessiert, dass die neue Inhaberin davon leben kann und nicht nur wir älteren Leute ihre einzigen Kunden sind, deshalb haben wir uns die Aufgabe gestellt, mit Nachbarn und Bekannten zu sprechen und sie aufzufordern, durch ihren Einkauf in unserem Markt, die Einkaufsstätte für unser Dorf zu erhalten. Die neue Inhaberin gibt sich sehr große Mühe, die Wünsche der Kunden zu erfüllen.
Die Leitung unseres Seniorenvereins, bestehend auch aus Senioren (aber jüngeren) organisiert auch noch andere Abwechslungen für uns Alten.
Wer möchte, kann 2 Mal monatlich ins nahegelegene Thermalbad fahren, Modenschauen, extra auf uns alte Leute zugeschnitten, finden statt, Bastelnachmittage werden durchgeführt, zur Zeit werden Osterartikel gebastelt. Bei allem werden die Wünsche von uns Alten beachtet.
Wir freuen uns, dass wir unser Seniorendomizil in unserem Dorf haben und danken dem Seniorenverein für die Abwechslungen, die sie uns in unserem Alltagsleben als alleinstehende ältere Menschen ermöglichen.“
So weit zur Erzählung unserer 88 jährigen Dora.
Ich besuche manchmal den Club und habe dabei schon oft Mäuschen gespielt und mir die Gespräch angehört.
Es ist erstaunlich, mit welchem Interesse die alten Leutchen das Leben um sie herum noch verfolgen.
Man merkt ihnen die Freude darüber an, diese Möglichkeit des wöchentlichen Austausches mit Gleichgesinnten zu haben.
Copyright: Maria E.
Nachsatz:
Da hier sehr viele jüngere Leute unterwegs sind, (PN ist ja bekanntlich eine Plattform für über 40 Jährige) wird so manch einer oder einem diese Geschichte nicht interessieren.
Ich bitte euch: Denkt mal darüber nach, dass ihr auch älter werdet und dann vielleicht froh darüber seid, so eine Abwechslung im tristen Rentnerleben zu haben.
