Eine Grille – sie meint zu was Höh´rem geboren –

hat mein Fensterbrett als Bühne erkoren,

sich als Solo-Sopran zu üben,

abseits von der Masse der and´ren da drüben.

Denn mit denen zu zirpen im üblichen Chor

kam ihr wohl wie Verschwendung vor

für ihr einmalig wundervolles Talent,

das dringend auf Entfaltung brennt.

 

Ich teilte nicht ihre Begeisterung

und empfand es auch nicht als Bereicherung.

Schlaflos ihren Tönen zu lauschen,

konnte mich keineswegs berauschen.

Doch sie wollte den Unfug nicht lassen,

da kriegt ich endlich sie zu fassen

und habe sie in die Wildnis geschickt.

Dort weinte sie  - in der Seele geknickt,

Spott und Gelächter der Kollegen

erduldete sie nun meinetwegen.

Aus und vorbei mit der Solo-Karriere,

die ohne mich sicher gelungen wäre,

so saß sie betrübt im hohen Gras,

wo sie sehr bald ein Vogel fraß.

 

Daraus folgt wieder und noch einmal:

Jede Geschichte hat ihre eig´ne Moral !

Bist du in Gottes Pelz eine Laus,

mach dir weiter nichts daraus.

Aber hüte dich, ihn zu plagen,

denn das kann er nicht vertragen.

Ob Menschen, Läuse oder Grillen –

alle unterstehen einem höheren Willen.

Wenn der auch mit Wohlwollen meist nicht geizt,

besser ist´s, wenn man ihn nicht reizt.

So pflege jeder seine Talente im Stillen,

damit ´s gut endet – um Himmelswillen!!!

Copyright Alexa Rostoska