Wenn ich mir so vorstelle, was manche Frauen für eine Unruhe in mein Leben bringen könnten, bleibe ich lieber allein.

Zuerst stelle ich mir vor, eine Platinerin und ich, wir beide hätten uns schriftlich beschnuppert. Sie wäre mir frech genug erschienen, einen Tick weniger als zu frech, aber auch nicht zu nachgiebig, eben so, dass wir uns nicht langweilig würden. Wir hätten telefoniert, unsere Stimmen hätten uns gefallen, wir hätten viel gelacht und sie hätte mich zu Wort kommen lassen.

Jetzt ginge es ans Daten. Wo treffen wir uns? Bei mir? bei ihr? in der Mitte?

Sie würde sagen, dass wir uns selbstverständlich bei ihr treffen, weil sie zu keinem fremden Mann in die Wohnung ginge. Und ihr letztes Argument würde mich dann überzeugen:

„Du hast ja nicht frisch bezogen“, würde sie sagen. „Das hast du letzt selber in einem Artikel geschrieben.“

Vor dem Treffpunkt, einem Café in ihrem Heimatkaff, würden wir uns betrachten. Ich wäre ihr ein wenig zu dick (siehe Bild) und sie mir etwas zu faltig (ohne Bild). Aber es gäbe Schlimmeres.

Wir gehen in ein Café und ich suche einen Platz am Fenster. Sie unterdrückt ein Lachen.

„Was lachst du?“

„Bein Fragen und Antworten hat letzt einer wissen wollen, wann die nächste Sonnenfinsternis ist. Wusste aber keiner. Jetzt weiß ich’s.“

Ich schlucke. So dick, dass er die Sonne verfinstert, bin ich doch auch wieder nicht. Aber mir fällt eine Retourkutsche ein.

„Wenn ich mal meinen Bauch weg retouchieren muss, weil eine Wert auf einen schlanken Jürgen in meinem Alter legt, was ja äußerst selten vorkommen dürfte, hilfst du mir dann? Mit Bildbearbeitungsprogrammen kennst du dich ja gut aus.“

Nun gut, wir beiden finden uns letztlich ganz nett und wollen es miteinander probieren.

Wir probieren „es“ miteinander.

Am nächsten Morgen sitzen wir beim Frühstück zusammen und ich denke an die Nacht, wo aber auch gar nichts geklappt hat. Sie denkt schon wieder an Platinnetz und ich an meine Blutdruck-Medikamente, die Schuld daran sind, dass nichts geklappt hat.

„Ich nehme Beta-Blocker, musst du wissen“, sagt ich.

Sie meint, „Ja? ich komme mit dem neuen Beta eigentlich ganz gut zurecht.“

Oder lass uns beide angenommen wirklich zueinander finden. Wir lieben uns und ich frage dich unter Tränen (so wie es letzt als Empfehlenswert vorgeschlagen wurde): „Liebst du mich?“

Du würdest bestimmt sagen. „Aber klar, oder meinst du, ich penne mit jedem?“

Freche Frauen mag ich eigentlich.

Der Alltag kommt, und du sitzt abends gegen zehn gefrustet vorm Fernseher, weil „es“ schon wieder vier Wochen her ist.

„Schatz“, bettle ich. „Komm ins Bett.“

Du jubelt innerlich. Du rennst ins Bad, machst sich stellenweise frisch und huschst zu mir unter die Decke.

„Ich kann allein nicht einschlafen“, sagt ich zur Erklärung und drehe mich gähnend um.

Du gibst nicht auf und langst zu.

„Bitte nicht“, sagt ich gequält. „Es tut noch so weh.“

Du setzt dich auf und stemmst die Fäuste in die Hüften. „Immer fallen dir Ausreden ein. Was tut dir jetzt schon wieder weh?“

„Ich bin doch vorletztes Jahr vom Fahrradsattel gerutscht und volle Breitseite auf die Stange geknallt.“

Gegen „Stange“ und Knallen“ hättest du ja nichts, aber nicht so.

Sei mal ehrlich. Wir kennen das doch. Wenn ich schon mal komme, komme ich nicht dann, wenn du gerade möchtest, dass ich komme. Eines Tages packt dich also die Wut und fauchst,

„Ach, geh doch auf die Straße und such dir eine, die das mitmacht.“

Ich bin unheimlich nachgiebig und gehorsam. Das wissen eigentlich alle, die mich kennen.

Eines Tages kommt die Nachbarin, Frau Klatschmeier, und fordert, dass du mich frei gibst.

„Wir lieben uns“, sagt Frau Klatschmeier als Beweis und stellt sich vor mich.

„Wie stehst du dazu?“ fragst du mich, nachdem du Frau Klatschmeier zur Seite geschoben hast.

„Du hast gesagt, ich soll mir eine auf der Straße suchen. Es war aber schon dunkel, und da fürchte ich mich immer, und da habe ich bei Frau Klatschmeier geklingelt.“

Ich bin doch ein Warmduscher, ein Weichei, ein Nah-am-Beckerand-Schwimmer. Magst du so einen vielleicht? Doch wohl hoffentlich nicht, oder?

Nee, du, das wird nichts mit mir und dir. Ich werde bald so alt sein, dass ich jeden Fernsehpreis ablehne, falls mir einer angeboten würde, und dann nütze ich niemandem mehr.

Ich verzichte zugunsten notleidender Bänker.

Ich lebe mein Leben spontan zuende, mache das, wozu ich Lust habe, und wenn ich mal Lust auf eine Frau haben sollte, lese ich mir diesen Artikel noch mal durch. Dann vergeht mir sowieso alles.

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© Jürgen Berndt-Lüders
Bildquelle: STAR DIVISION CD. 10.000 Cliparts und Fotos