Neugierig versucht er, anderer Leute Gespräche zu belauschen und alles, was er nicht mitbekommt, wird einfach selber ausgeschmückt. Wenn man persönlich mit ihm spricht, versteht er aber auch nicht alles, was keinesfalls an schlechtem Hörvermögen liegt.

 

Heute war natürlich ordentlich Trubel in den Gärten. Manche hat man den ganzen Winter nicht gesehen, zu anderen hatte man losen Kontakt. Bei uns im Garten ist immer der „Knotenpunkt“.

 

Ich treffe Heidi am Zaun und erzähle ihr von der Sache mit dem selbstgemachten Kirschlikör. Fern von jeder Schadenfreude rollt sie sich vor Lachen, will gern zur Leckprobe kommen. Ihr Gatte grinst frech

 

„Das haste nun davon! Aufgesetzten hortet man nicht daheim! Man läd nette Nachbarn dazu ein und vernichtet das Zeug, bevor es im Schrank kleben kann!“

 

Danke, mein Lieber! Jetzt weiß ich das auch! Ich habe ja noch sieben Flaschen von dem Zeug und dein Kater wird schrecklich sein! Das denke ich aber nur, denn ich will ihn nicht vorwarnen. Heidi  hat im letzten Jahr bei der Weihnachtsbäckerei ein Glas mit Honig auf den Küchenboden fallen lassen. Sie behauptet, er klebe heute noch! Sie erzählt mir, dass ihre große Schwester früher ihre Pettycoats mit Zuckerwasser gestärkt habe, damit das Tellerkleid schon weit abstand. Es soll einwandfrei funktioniert haben.

 

Ein mir gut bekannter Herr mit seltsamem Humor stellt fest, dass die große Schwester damit bestimmt reihenweise süße Jungen anlockte, die ihr an die Wäsche gehen wollten.

 

„Das ist die Idee! Ich nehm mir Zucker und klebe erst den Unterrock damit voll. Dann kleben die Männer an mir,“ freut sich Heidi.

 

„Und wenn dir einer nicht gefällt, kannst ihm gleich eine kleben,“ eröffne ich ihr die ungeahnten Möglichkeiten dieser Vorgehensweise. Irgendwie *ähem* verplappern wir uns, und Heidi, die gar keine Zeit hatte, herein zu kommen und deshalb auf dem Weg vor dem Garten stehen geblieben war, bekam plötzlich besorgte Blicke von Charlotte.

 

„Du hast so hoch Zucker, dass dir das Hemd kleben bleibt? Geht das eigentlich?“

 

Wir sehen uns perplex an, dann ahnen wir, wen Charlotte getroffen hatte. Richtig, den Lieblingsnachbarn! Lotte ist froh, weil sich Heidi, bis auf den Muskelkater vom Jäten, bester Gesundheit erfreut.

 

Unsere Männer amüsieren sich sehr über das Diabetikerhemd und arbeiten dann weiter. Eine Wurzel vom alten Kirschbaum muss ausgegraben werden. In das riesige Loch kommt einiges von dem Aushub, den wir vom Teichbau übrig haben. Die Männer verabreden, dass wir die Wiese über dem noch nicht ausgehobenen Teil des Teiches vorsichtig in Placken abtragen um damit den unschönen Fleck auf der Obstwiese zu bedecken. Acht Teile, ca 60x60cm liegen in der Schubkarre, die in Richtung des Gartens geschoben wird, in dem der Baum weichen musste.

 

„Damned,“ flucht mein Schatz und seufzt. Nun sehe ich es auch. Der Lieblingsnachbar kommt uns entgegen und sein Hals ist schon so lang wie der einer Giraffe. Wir wissen, dass wieder ein hochinteressantes Gespräch auf uns zukommen wird. Doch wir irren. Statt mit neuesten Gerüchten werden wir mit Fragen konfrontiert.

 

„Wo wollt ihr denn mit dem Rasen hin?“

 

„Den nimm ich mit nach Hause, zum Mähen! Da habe ich nämlich den günstigen Yellowstrom und hier muss ich den teuren nehmen,“ behauptet Klaus todernst.

 

Unser „Liebling“ staunt. Man sieht seinem Gesicht an, dass er mühsam versucht, zu denken.

 

„Du mähst den bei dir zuhause?? Ist das nicht zu umständlich?“

 

„Nein, überhaupt nicht! Ich spare dadurch jede Menge Kohle. Wir nehmen ja auch unsere schmutzige Gartenkleidung mit und waschen die bei uns daheim,“ erklärt Klaus immer noch mit fester Stimme und treuherzigem Blick.

 

„Im Garten ist ja auch keine Waschmaschine,“ strahlt das helle Köpfchen.

 

„Das ist ja die Schweinerei! Hier gibt es nur Gleichstrom! Damit die Trommel sich mal so und mal so rum dreht, brauchten wir hier aber Wechselstrom und der wird dann noch teurer. Ich stelle morgen einen Antrag,“ motzt Klaus, als ob der falsche Strom die Schuld unseres lieben Nachbarn wäre.

 

„Ja, ja, mach das,“ fordert er Klaus auf und marschiert weiter.

 

Spätestens morgen wissen wir, was er aus dieser Sache gebastelt hat…;-)