AUS GEGEBENEM ANLASS WEIST DER AUTOR DARAUF HIN, DASS "GERTIES KARTOFFELSUPP" NICHT FÜR KINDER GEEIGNET IST!!!

ÖHEM .....

 

"Wat?“, sag ich zu dem Hedwig. „Jetz sag bloß nit, dat du … du … auch…“

 

 „Ach Gertie“, sagt dat Hedwig un guckt ganz bedröppelt. „Ja, ich geb et ja zu. Ich wollt mir doch auch en par Euros verdienen, du weiß ja, et Leben is einfach zu teuer für mein kleine Rente un …“

 

 Ich guck se bös an. „Nee, Hedwig, dat hätt ich nit von dir gedacht! Un wer schält jetz die Kartoffeln, mit unseren verbundenen Händ?“

 

 Also, irgendwann erfahrt ihr et ja doch: Ich hab ja immer noch mit dem Luigi zu tun, dem von de Mafia – abber dat habt ihr ja alles in mein Schnee-Abenteuer gelesen. Der Luigi verdient sich sein Ferraris nit nur mit de Drogen un Maschinenpistolen, sondern auch mit: Liebe. Also der käuflichen Liebe. Wenn ihr et genau wissen wollt – mit dem Sex.

 

 In unserem Industriegebiet hat der sich en Etablissement gemietet, in dem die Männer auf ihr Kosten kommen, die zuhaus nit genug abkriegen, wenn ihr wisst, wat ich mein. Also die mehr von uns Frauen haben wollen. Dat Bummsdingens heißt „Die rote Grotte“, un da arbeiten im Moment vier Liebeleins un treiben et mit den Ferkels, die von de Weiber nit genug kriegen können. Dat is eigentlich en sehr soziale Inquisition, also Einrichtung, denn die Preise halten sich total im Rahmen. Et gibt sogar en besonderen Spartarif für Hartz-IV-Bezieher mit Behindertenausweis.

 

 Gut, et kommt ja sowieso raus: Et gibt da so en Film mit dem Mariann Feessfull (geschrieben: Marianne Faithfull). Dat war mal die Freundin vom Mick Jägger von de Rolling Stones, dann is se ganz bös mit den Drogen auf et Schnütchen gefallen und hatt hinterher en Stimm als hätt se mit rostige Nägel gegurgelt. Abber gut, jetz hat se dann vor zwei Jahren en Film gedreht, „Irina Palm“ heißt der. Un da spielt se en Frau so in unserem besten Alter, die sich et Geld für ihr krank Enkelchen (weil der muss dringend operiert werden) damit verdient, dat se … also … dat se auch in so nem Etablissment is un den Männern … also wat runterholen muss. Dabei liest se dann ihr Zeitung odder macht mit einer Hand Kreuzworträtsel. Mit der anderen Hand massiert se die Dingens von de Männer, die auf der anderen Seit von der Wand stehen und ihr … Dingen durch dat kleine Loch stecken. Dat Irina Palm sieht also noch nit mal, wem se da … naja … wem se da eben ihr Gefallen tut. Wenn et bei denen dann geklingelt hat, is et gut, un se kann widder mit alle zwei Händ ihr Kaffee aus der Thermoskann trinken.

 

 Ja, un dat muss auch der Luigi gesehen haben, denn der hat bei sich auch so en Abteilung eingerichtet, wo die Männer ihr … Dingen … durch en Loch stecken un sich zufrieden machen lassen. Ihr habt et sicher schon erraten: Er hat mich gefragt un bekniet, ob ich dat nit bei ihm machen wollt, wat die Mariann Feessfull in dem Film tut. Weil er weiß ja, wat für en fleißiges Händchen ich hab. Er gibt mir auch gut Geld dafür, un et is ja schließlich wat Soziales, wat ich da tu.

 

 Nur gibt et da ein Problem, un dat is auch wie in dem Film: der gefürchtete „Penisarm“!

 

 Bei de Tennisspieler heißt dat „Tennisarm“, un wenn die jungen Leut von heut nit aufpassen mit dem vielen Telefonieren, haben die irgendwann en „Handyarm“. Ich hab jetz mein Handgelenk dick bandagiert, weil ich mich da beim Luigi überarbeitet hab. Un deshalb bin ich krank geschrieben, bis mir das Handgelenk nit mehr so weh tut.

 

 „Et is eben so!“, sagt dat Hedwig, als ich et mit ihr verbundenen Hand anguck. „Ich hab dein Luigi gefragt, ob ich dich nit vertreten könnt. Un nachdem ich die Prüfung bestanden hatt, durft ich in dein Zimmer mit dem Loch in der Wand un et den Kerlen besorgen. Ich sag et dir … wat da für Kalibers ankommen un …“

 

 „Dat brauchs du mir nit zu sagen!“, raunz ich et an. „Hedwig, dat hätt ich nit von dir gedacht! Un wat machen mir jetz? Wer schält jetz die Kartoffeln?“

 

 „Da hab ich wat!“, sagt se. „Ich bin ja nit dumm un hab uns wat dafür gekauft. Ich mein, Geld is ja jetz genug da.“

 

 Se stellt die schwere Tasch, die se bei sich hatt, auf den Tisch, wo die Kartoffeln un et Sellerie, et Porree un de Möhren liegen, un packt en Karton aus. „Guck!“, sagt se. „En Kartoffelschälmaschin. Dat Neueste aus Amerika.“

 

 „Seit wann is Amerika in Taiwan?“, frag ich. „Abber wenn die Maschin funktioniert, is dat ja auch egal. Weiß du denn, wie et geht?“

 

 „Probiert hab ich et noch nit“, gibt se zu, „abber du tus den Stecker in de Steckdos, tus die Kartoffeln in de Trichter, klapps zu un schaltest se ein. Dann macht die dat von allein.“

 

Ich hab nix gesagt, abber ich hab et kommen gesehen. Dat Hedwig hat die Maschin angeschlossen un de erste dicke Kartoffel rein getan. Dann hat se auf et Einschaltknöpfchen gedrückt, un dat Ding hat angefangen zu schälen. Als et dann fertig war, nach ner halben Minut, hat se den Deckel aufgemacht, um die geschälte Kartoffel raus zu nehmen.

 

 „Dat kann ja wohl nit wahr sein!“, hab ich se angeschrien, als se die Bescherung in de Finger hatt. „Ich wollt en Kartoffelsupp kochen, kein Erbsensupp!“

 

 Ich muss euch dat noch erklären: Dat Hedwig un ich, wir zwei machen jedes Jahr die Kartoffelsupp für den Weihnachtsbasar von unserem Mütterverein, dat is also schon Tradition bei uns.

 

 „Hör mal, Gertie!“, sagt se un dreht dat Radio lauter. „Dat neue Lied von de Glimmer Sisters! Dat is jetz auf Platz Eins von der Hitparade! Also wer hätt dat gedacht. Un et is noch immer nit bekannt, wer die zwei Sisters eigentlich sin.“

 

 „Jetz lenk nit ab!“, sag ich. „Von dem Kartoffel is ja nix mehr übrig.“

 

 „Dat liegt sicher nur an der Einstellung von der Maschin“, meint dat Hedwig un tut de nächste Kartoffel rein. „Ich stell dat mal auf klein. Also ich wüsst ja zu gern, wer die zwei Glimmer Sisters denn eigentlich sin.“ Se lacht. „Dat eine von denen soll ja auch Gertie heißen, un dat andere Caro. Dat is die Hübschere von den zwei.“

 

 „Pass mal lieber auf de Kartoffel auf!“, sag ich und werd rot. Un da is et auch schon widder passiert: Von dem großen Kartoffel is nur noch en Erdnuss übrig.

 

 „Du kanns mir gestohlen bleiben mit dein blöde Maschin!“, sag ich wütend. „Ich ruf jetz den Jochen an. Der soll eben mal runter kommen un die Kartoffeln mit der Hand schälen, wie et sich gehört.“

 

 „Der Jochen?“, fragt Hedwig. „Der is doch bestimmt schon widder blau odder im Nirwana.“

 

 „Has du denn en bessere Idee?“, frag ich. Se schüttelt den Kopf. „Also!“

 

 Übber den Jochen hab ich ja hier auch schon einiges geschrieben. Jochen wohnt übber mir in der zweiten Etage, is Frühpensionär un von morgens bis Abends bekifft odder von seinem billigen Ötzinger-Bier beduselt, manchmal auch beides zusammen.

 

 Ich ruf ihn an, un er kommt auch gleich runter. Als ich ihm die Tür aufmach, steht er da in sein altem blauen Trainingsanzug un mit de  Filzpantoffeln un fällt mir halb um de Hals. „Ommmm …“

 

 „Is et schon widder so weit?“, frag ich. „Guck mich mal an!“

 

 Er schielt mich an mit sein verklärtem Blick. „Ommmm … ommmmm …“

 

 „Ja von wegen Ommm!“, sag ich. „Dein Pupillen sagen mir alles. Weiß du eigentlich, dat du mit deinem Schwarzen Afghan die Tallibans in Afghanistan unterstützt? Wenn dat der Guttenberg wüsste!“

 

 „Ach ja, der Theodor“, seufzt dat Hedwig. „So en schöner Mann, un dat in der Politik …“

 

 (Für alle, die da jetzt drauf warten: NEIN! Ich sag heut hier nix über Guido!)

 

„Meins du, du kriegs dat noch hin mit dem Kartoffelschälen?“, frag ich den Jochen.

 

„Ja klaaaar, Gertie. Has du gehört, du wars eben im Radio. Göööörtie … dat is jetz die neue Nummer Eins von de Glimmer Sisters.“ Er fängt an mit de Augen zu rollen. „Dat hübsche Caro un der andere Schrubber, abber mit dem Caro … ich sag et dir … mit dem würd ich auch gern mal en Bierchen trinken …“

 

„Jetz geh du mir nit auch noch damit auf de Keks“, sag ich un pack ihn am Arm. „Hier bitteschön: Hinsetzen, Mund halten un Kartoffel schälen. Ich mach die Möhren un et Breitlauch, dat Hedwig nimmt sich et Sellerie vor un de Petersilie.“

 

„Wat has du denn mit deiner Hand gemacht, Gertie?“, fragt der Jochen. „Dat Hedwig is ja auch verbunden … wat macht ihr zwei denn für Sachen mit euer Hand?“

 

„Dat geht dich gar nix an!“, pflaum ich. „Jetzt setz dich hin, dann gibt et auch en Flasch Bier, abber nit dein billigen Fusel, sondern richtig Wickspüler.“

 

„Jetz mach hier mal kein Schleichwerbung, Gertie“, sagt dat Hedwig. „Dat is gegen die Gertikette.“

 

„Ach wat!“

 

Also um et kurz zu machen: Der Jochen hat die Kartoffeln geschält, wir zwei dat Gemüs, un dann war auch der Speck im großen Kessel schon gar. Ich nehm immer halb frischen und halb geräucherten Bauchspeck von biologischen Schweinen. Da leg ich nämmlich viel Wert drauf. Die Brüh war auch schon okay, nur noch en bisschen Maggikraut un zwei Brühwürfelchen.

 

Und rein mit de Kartoffelstückchen un dem Gemüs. En halbe Stund kochen, bis alles gut war. Dann haben dat Hedwig un ich mit de gewaschene Füß gestampft, bis die Supp die richtige Konsistenz hatt. Dat klein geschnittene Fleisch rein … probieren … noch mal probieren …

 

„Wat is, Gertie?“, fragt mich dat Hedwig. „Schmeckt et nit?“

 

Ich schüttel de Kopf. „Irgendwat fehlt. Dat is noch nit der Geschmack, den ich haben will.“

 

„Noch en bisschen Kerbel villeicht? Oder Estragon? Salz, Pfeffer?“

 

Ich versuch et, abber dat is noch immer nit so, wie et mir vorgeschwebt hat.

 

„Wat is denn jetz mit euer Händ?“, nervt der Jochen. „Ey, kommt, mir könnt ihr et doch sagen.“

 

„Dat geht dich nix an!“, sag ich. „Du kanns jetz auch gehen, ich geb dir noch zwei Flaschen Wickspüler-Bier mit hoch.“

 

„Nee, ich will dat jetz wissen!“, sagt der Jochen. „Et bleibt doch unter uns.“

 

„Sag et ihm doch, Gertie“, meint dat Hedwig. „Et is doch nit schlimm, wat mir da beim Luigi tun, sondern richtig sozial.“

 

„Sozial is immer gut“, sagt der Jochen. „Ich wähl ja auch immer schon die SPD.“

 

„Ich weiß zwar nit, wat die noch mit sozial zu tun haben“, stöhn ich. „Aber damit du endlich Ruh gibst … Also, dat Hedwig un ich, wir … öööh …“

 

„Öööh?“, macht der Jochen mich nach. „Wat is denn jetzt öööh …?“

 

„Ich kann et nit sagen, Hedwig“, seufz ich. „Erklär du et ihm.“

 

„Jochen, dat Gertie un ich, also mir zwei … öööh….“

 

„Wat?“, fragt der Jochen. „Du auch … öööhhh …?“

 

„Gertie, ich krieg et nit übber die Lippen“, sagt dat Hedwig. „Ich hab da irgendswie Hemmungen.“

 

„Ihr könnt et mir ja irgendwie einfach nur zeigen, wenn ihr schon nit drüber sprechen wollt“, meint der Jochen treudoof.

 

„Wat meins du, Gertie?“, fragt mich dat Hedwig. „Weil der uns so schön aus der Patsch geholfen hat, un et wär ja auch nur en gute Tat … sollen mir nit …?“

 

„Von mir aus, in Gottes Namen“, sag ich. „Dann stell dich mal hin, Jochen, un mach dich wat frei … „

 

Wat danach kam, kann sich der Eine un Andere ja villeicht vorstellen. Ich schreib dat hier nit ausführlich. Et hat beim Jochen auch nit lang gedauert, un et wär auch alles nit so schlimm gewesen, wenn nit en Malheur passiert wär.

 

Um et mal ganz vorsichtig anzudeuten: Also beim Jochen hat sich tatsächlich – wat ich bei ihm gar nit gedacht hätt – wat gelöst, also wie dat bei den Kerlen so üblich is. Dat wär ja auch immer noch nit schlimm gewesen, wenn dat, wat sich da gelöst hat, nit ausgerechnet mitten in de Kartoffelsupp gelandet wär.

 

„Dat has du jetzt davon, Hedwig!“, schimpf ich. „Von deiner guten Tat! Jetz is uns die ganze schöne Supp versaut un kann in et Klo!“

 

„Nee, warte mal, Gertie!“ Ich glaub, ich seh nit richtig! Nimmt sich dat Hedwig doch de Kochlöffel, rührt tüchtig um un probiert.

 

„Dat glaub ich ja jetz nit“, sag ich. Abber se guckt mich mit total leuchtende Augen an. „Dat is et, Gertie! Dat war et, wat noch gefehlt hat! Komm, probier du auch mal …“

 

Wat soll ich sagen – et stimmt! Jetz hatte die Supp tatsächlich endlich den Geschmack, den se haben sollt! Eigentlich en ganz unerwartete Note.

 

„Dat Rezept lassen mir uns patentieren un schicken et dem Biolek“, schwärmt dat Hedwig. „Dat wird der Knaller dies Jahr beim Mütterverein!“

 

Ich guck se unsicher an. „Meins du? Un dat soll der Biolek dann im Fernsehen kochen? Mit dem Jochen als Gewürzmischung?“

 

„Ich geh jetz widder“, brummelt der Jochen. „Ich brauch jetz nämmlisch en Schnaps, ihr seid mir viel zu bekloppt.“ Er dreht sich um un knallt gegen de Garderobenständer. „Oh Verzeihung, der Herr … am besten drehen Se ganz schnell um un gucken, dat Se sich in Sicherheit bringen vor den zwei bekloppten Weibern. Ommmm …“

 

„Pass auf dich auf un trink nit mehr so viel, Jochen!“, ruf ich ihm noch hinterher, als er mit dem Garderobenständer im Arm abzischt. „Nächstes Jahr brauchen wir dich widder …!“

 

Ja, so war dat, Ihr Liebeleins. Bis bald dann widder,

 

Euer Gertie

 

 

Copyrait © 2010 bai Görtie

 

 Ach so … wat ich noch sagen wollt … weil so viele sich dat hier gewünscht haben, gibt et jetzt en eigene Gertie-Grupp: „Gertie odder wat?“ Da hab ich mein Sprechstund, un da könnt ihr auch in mein 1. FC Gertie eintreten. Dat lohnt sich schon wegen dem leckeren  Caro von de Glimmer Sisters als Präsidentin!