Eigentlich wollt ich hier ja nix mehr schreiben, un da wärt Ihr dann auch selbst schuld dran. Wat Ihr mir hier um die Ohren gehauen habt, hat mich schon zimmlich hart getroffen, also fast wie en Ohrfeig mitten auf et Back. (Guckt Euch mal mein Bild an – von nix is mein Schnut doch nit eso krumm.) 

 

Abber dann hab ich mir gesagt, genau heut um elf Uhr elfunzwanzig, dat ich mir von Euch Heinis doch nit muss sagen lassen, wat ich hier zu sagen hab – oder? Ich hab gesagt: „Gertie!“, hab ich gesagt, Du bis doch alt genug, um selber zu wissen, wat Du zu sagen has oder nit!!! Zum Donnerkeil noch emal! Nee,

 

Liebeleins, dat allein war et auch nit. Et is nämmlich wegen der Liebe. Jetz fragt mich bitte nit, ob ich mit meinem Hans widder mal Krach hab oder er nur in de Kneipe sitzt un ich hier allein zu Haus am Vertrockenen bin – nee, mit dem Hans klappt dat prima. Ich gönn ihm auch seine Kneip, denn wenn er dann nachts nach Haus kommt, is er voll un müd, und ich hab mein Ruh. Über den Morgen danach reden wir hier besser jetz nit. 

 

Also et is wegen der Liebe. Ich mein jetz auch nit die LIEBE von dem Shyla, also wo die et immer mit hat, sondern die Liebe von dem Richard David Precht. Ich weiß nit, ob Ihr den schon kennt, un ich hab mit dem auch nix (also et geht nit drum, dat ich mich jetz in den verliebt hätt – obwohl, dat is ja en lecker Kerl). Abber dem sein neues Buch geht eben um die Liebe. Der erste Schmöker war ja ein Riesending („Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?“), un jetz die „Liebe“ … ich kann et Euch sagen, da is mir so manche Klapp aufgegangen, wenn Ihr versteht, wat ich mein. 

 

Un dat hat dann auch widder mit Euch zu tun. 

 

Also um et Euch mal zu erklären. Der Richard meint in seinem neuen Buch, dat die Liebe eigentlich total bescheuert is. Die ganze Flirterei, dat „Huhuuu, hab ich Dir heut schon gesagt, dat ich Dich lieben tu?“, die ganzen Liebesbriefchen (zu meiner Zeit gab et dat noch, heut sin et die sms), dat ganze Gesülze von „Ich liebe Dich!“, die ganzen Blumensträuß und die Mon Cheri-Packung zum Valentinstag, dat is doch alles ne totale Kokolores von de Hormone un der Chemie. 

 

Wat meint Ihr? Jetz dreht dat Gertie abber total ab? Ja, von wegen! 

 

Fakt is, wenn der Richard recht hat, dat wir entweder verknallt sind, also mit den Mücken im Bauch un den Sternchen am Himmel, oder bequem die Füß auf den Sessel legen und unser Ruh mit dem Kerl haben, oder er mit sein Frau. Also Trautet Heim Glück allein, oder, wie et so schön heißt, Geborgenheit und Familie. So wie dat nu bei dem Hans un mir is. Beides zusammen, meint der Richard, geht nit! 

 

Weil dat is jetz wirklich von der Chemie un den Hormonen. Fragt mich nit, wie dat nu ganz genau sein soll, abber er sagt wat von Testozeron, Doppamin un … weiß ich nit mehr. Dat eine wär für dat eine verantwortlich, also meinetwegen die Flirterei un Anbaggerei, un dat Andere für dat Andere, also dat Heimchen am Herd un Familie um den Tisch. Un dat Schlimme is: Dat ganze chemische Zeug verträgt sich nit!

 

Also die Dioppamine sagen zum Testozeron: „Lass mich in Ruh, wat wills Du von mir?“. Dat, wat mir nit mehr einfällt, stänkert dat Doppamin an: „Wat spiels Du Dich denn hier eso auf? Guck, dat Du Land gewinnst, aber flott!“ Dat Testozeron, typisch männlich, geht sich en Bier un ene Schnaps trinken un denkt: „Leckt mich doch alle zwei!“ Ja, un dat findet alles in unserem Körper statt, bei mir un auch bei Euch, Ihr merkt dat nur nit. 

 

Neeee, nee … jetz seid doch nit traurig, sondern denkt einfach positif. Denn et gibt ja zum Glück auch noch die Hormone. Die Hormone, so schreibt der Richard David Precht, sin die, die am End alles wieder kitten. Oder et zumindestens versuchen. Die Hormone sin auch verantwortlich für dat ganze Liebesgesülze in de Romane un den Filmchens, also wie „Ein Herz spielt falsch“ mit mein O.W.Fischer un der Ruth Leuwerikdingsda, odder  „Kronprinz Rudolfs letzte Liebe“, mit dem Kotzbrocken von Ruddolf Prack, oder „Heiße Liebe mit scharfen Ratten“, mit dem Friedhelm Ficker, der abber eigentlich, sagt mein Freundin Hildegard, der Sascha Hehn sein soll. 

 

Also die Hormone, sagt der Richard, überstimmen am Ende die ganze bekloppte Chemie un sorgen dafür, dat dat Sie un der Er am End doch noch widder zusammenkommen un ein Leben lang high sin und sechzehn Kinder bekommen. Denn mehr als dat können et nit sein, weil der Mann, meint der Precht – un dat is ja en Mann (un wat für einer!) – der Mann en paar tausend Schüsse hat, un die Frau nur sechzehn. Dat wär biologisch so festgelegt. Sie kann genau sechzehn Plagen auf die Welt bringen, un dann is Schluss. Da könnt selbst en Richerd Gere kommen, et geht nix mehr. 

 

Ich muss jetz wat beichten. Ich glaub nämmlisch, ich hab da wart durcheinander gebracht. 

 

Der Richard David Precht will uns nämmlich sagen, jetz weiß ich et widder, dat man sich auf die Hormone als Liebesretter auch nit verlassen kann. Denn wenn et mal hart auf hart kommt, kappen die auch ihre Segel, un dann stehen wir ganz allein da mit dem Chaos in uns. Abber wisst Ihr, wat dann passiert? Also in der Krise, wenn et uns allen mal widder so richtig schön dreckig geht? Genau! Ich hätt et nit besser sagen können: Dann rücken wir nämmlisch widder zusammen un sind für uns da! Also für sich. Dann drückt sich de Mama am Feierabend, nach enem harten Tag, an den Papa auf der Couch und sagt: „Ach mein Mäuseschwänzlein,, dat haben wir widder mal hingekriegt, odder? Wie der Koslowski mir an de Wäsch gehen wollt un Du mich mit dem Gartenschlauch gerettet has wie der Jesse James im Wilden Westen“  Un er sagt: „Ach, Schucki, Dein Löwenzahngullasch war ja heut widder lecker, un mein Magen is jetz auch widder in Ordnung …“ Un se sin total happy, weil se sich haben un ne Familie sin. 

 

Et geht uns nämmlisch allen immer noch viel zu gut, meint der Richard, un die ganze „Romantische Liebe“ is nur en Produkt unserer Übberflussgesellschaft. Abber wenn et drauf ankommt, dann sieht man wirklich, wat man aneinander hat. 

 

Ach, wisst Ihr, wat? Die Kerle hören jetz mal weg, dat is nur für die Damen der Schöpfung. Wenn Ihr mein Richard mal so richtig live sehen wollt, dann geht doch mal einfach bei youtube rein und sucht nach „Richard David Precht“. Nur macht nit mich nachher verantwortlich!!! 

 

Ich wünsch Euch wat, Liebeleins – un bitte, wenn Ihr schon ne Kommentar schreiben müsst, dann verspart Euch die Komplimente über mein schönet Antlitz. Dat Leben mit Hans hat eben seine Spuren hinterlassen … 

 

P.S. Ach ja, wat dat mit Euch hier zu tun hat: Ihr wart zwar so bös zu mir (Ja, kanns de gucken, Nikka!), abber wenn man dann so richtig in der Krise is, dann sucht man sich do widder nach der Geborgenheit, odder nit? Un dann kann man doch einfch nit mehr bös sein … Et bleibt doch alles in der Familie ... Also jetz Schluss!!! Euer Gertie