Vor kurzem habe ich beim Einkaufen eine Bekannte getroffen. Glücklich wirkte sie ja nicht gerade, aber man kann sich ja auch täuschen. Nach dem üblichen "Wie geht es dir?" kam denn auch nur ein zaghaftes "Na ja, geht so..." Ich wurde hellhörig und hakte nach. "Was heißt: geht so"?

Sie erzählte, dass sie schon länger überlegte, ihren Mann zu verlassen, könnte sich aber zu keinem Entschluss durchringen. Sie wollte ihrer 15jährigen Tochter nicht das Zuhause nehmen, doch ein Zusamenleben mit ihrem launischen und cholerischen Mann würde von Tag zu Tag schwieriger.

Ich spürte, dass es ihr helfen könnte, einfach nur zuzuhören und bei einer Tasse Kaffee in einem ruhigen Cafe ließ ich sie reden. Einen Rat wollte ich ihr nicht geben, denn ich weiß ja, dass immer zwei dazugehören, wenn eine Beziehung nicht mehr funktioniert. Manchmal lohnt es sich ja auch, eine Ehe-Therapie zu versuchen, um zu retten, was noch zu retten ist... Das war auch schon ihre Überlegung, einen Versuch wäre es wert.

Zwei Wochen später habe ich sie angerufen. Die Probleme waren nicht kleiner und ihr Mann weigerte sich, einen Ehe-Therapeuten aufzusuchen. Ihrer belegten Stimme war anzuhören, dass sie wohl resigniert hatte.

Und dann kam er, dieser Satz:
"Ich glaube, ich kann nicht mit ihm - aber auch nicht ohne ihn..."