Sie reden miteinander, die Eltern. Nicht laut streitend, nicht brüllend, nicht keifend, schreiend, nein, sie klären nur die Bedingungen, des in Zukunft getrennten Lebens.
Was nimmt sie heute mit, was holt sie in den nächsten Tagen.
Vorige Woche, als sie sich trennten, hat sie nur das Nötigste für ein paar Tage mitgenommen.


Sie versucht, ihm noch einmal zu erklären, warum sie gehen will, gehen muss.

Nein, es gibt keinen Schuldigen,
nein, er hat sie nicht geschlagen,
nein er hat nicht getrunken,
nein, er hat sie nicht betrogen.

Ja, sie hat ihn einmal sehr geliebt, so sehr, dass sie glaubte, es hält für ein Leben, so sehr, dass sie 2 Kinder bekam. Ihrer beider Kinder, gewünschte Kinder, von ihnen beiden geliebte Kinder.


Ja, er hat die Veränderung an ihr bemerkt,
nein er hat es sich nicht erklären können,
nein, er kann es nicht verstehen,
ja, er liebt sie immer noch.
Ja, vielleicht, er hat es nicht genügend zeigen können, 

nein, er möchte sie nicht gehen lassen…


Nein, sie hat keinen anderen Mann, in den sie sich verliebt hat.
Ja, sie fühlt sich oft überfordert, mit den Kindern, lebhaft, oft krank, viel zu schnell hintereinander geboren.
Ja, er hat sich sehr um die Kinder gekümmert,
ja, mehr als genug, vielleicht zuviel? So dass der Große ihn mehr liebt als sie…
Ja, das empfindet sie so…
Nein, sie weiß nicht, wann ihre Liebe zu ihm gestorben ist.
Ja, sie ist sicher, dass sie nicht bleiben kann, will sie sich nicht ganz verlieren.

 

WAS die Eltern besprochen haben, können beide Kinder nicht verstehen,
der kleine 2jährige schläft in seinem Bettchen. Der Große 4jährige aber schläft nicht, er spielt mit seiner Oma in der Küche. Er hat schon vor einer Woche begriffen, dass Mama nicht mehr hier wohnt.


Sie ist bedrückt, sie weiß, was die Eltern im Wohnzimmer besprechen.
Sie weiß, es ist das Ende einer Familie, sie ist traurig darüber vor allem, wegen der Kinder, sie weiß aus eigener Erfahrung,  es wird für die Kleinen eine schwere Zeit werden.
Sie hat Mühe, sich auf das Spiel mit dem Kind zu konzentrieren.

 

Sie hört die Wohnungstür ins Schloss fallen. Endgültig klingt es.

Und ehe sie ihn zurückhalten kann, rennt der Knirps ins Wohnzimmer… zum weinenden Vater… und starrt ihn an: steif, verständnislos, entsetzt, traurig…
Seine Mama, die er liebt, hat offensichtlich seinen Papa, den er fast noch mehr liebt, zum Weinen gebracht.
Schnell nimmt sie ihn in die Arme, bringt ihn wieder in die Küche…
Wenn er wenigstens weinen würde… Aber er ist still…

 

Hilflose Versuche, ihm zu erklären, warum auch Erwachsene einander weh tun, manchmal weh tun müssen, damit das Wehtun nicht unendlich ist… noch hilfloser, seinen Zorn zu verringern als er endlich spricht,


Mama hat Papa besucht, Papa weint, Mama ist böse…


Nein, mein Kleiner, Mama ist nicht böse, sie und Papa können nur nicht mehr zusammen leben. Aber sie liebt dich…


Und dann endlich weint er…

 

© Text und Foto Sibylle E.