Was so fragte sie sich, was wäre wenn ich Jochen nicht geheiratet hätte und stattdessen Samuel .  War es ein Fehler den sie vor fünfunddreißig Jahren begangen hat, hätte sie doch lieber auf den Rat ihrer Eltern hören sollen und  in ihrem Umfeld bleiben sollen.  Meine Ehe besteht fast nur noch aus Routine, bemitleidetet sie sich selbst

 Ruth war im jüdischen Glauben aufgewachsen und ihr Elternhaus pflegte die Bräuche, des Sabbats, doch ließen sie ihren Kindern die Freiheit , den Partner zu nehmen, den sie liebten. Sicherlich hätten sie es lieber gesehen, wenn sie auch Zuneigung zu Samuel  Blumberg hätte, denn der junger Mann verzehrte sich vor Liebe nach Ruth. Ruth, aber wollte frei sein und entschloss sich erst einmal nicht zu heiraten und Samuel war schon so gar nicht ihr Fall.  Er war 2 cm kleiner als sie, war von magerer Statur und man konnte ihn fast mit Reich – Ranicki vergleichen, wenn er seinen Mund auftat , denn genauso sprach er. Sie hasste seine fistelnde Lispelstimme und es war ihr egal dass er ein sehr kluger Kopf war.

Ruth, das wussten auch  ihre  Eltern wollte Samuel nicht und das sagte sie auch ganz offen und ehrlich.

 

Sie saß immer noch in der Küche und schaute den Wolken nach, als sie sich fragte, warum sie ausgerechnet heute an Samuel dachte, der doch seit ihrer Hochzeit mit Jochen aus ihren Augen und Leben verschwand.  Was er wohl macht, hat er geheiratet, hatte er auch Kinder, hatte er auch ein gutes Familienleben, fragte sie sich im Stillen. Sie Stand auf, räumte ihre Kaffeetasse in die Spülmaschine und wischte, wie immer automatisch den Tisch ab. Schon  neun Uhr, sagte sie laut , als sie auf die Küchenuhr schaute und lief die Treppe hoch um Sarah, ihre jüngste Tochter zu wecken.

Sarah, Sarah war so ganz anders als David,  Ruben und  Rebecca, Sarah hatte das jüdische Gen geerbt und praktizierte  die hebräischen Rieten und Gebräuche aufs genauste, soweit es ihr möglich war. Zwar konnte sie  den Sabbat nicht so einhalten, wie es  vorgeschrieben war, aber sie hatte sich  eine List ausgedacht, diesen doch  zu feiern wie es sich für eine  Jüdin gehörte. So freundete sie sich mit vielen jüdischen Familien an , bei denen sie meist am Freitagabend eingeladen wurde.

 

Ruth klopfte an die Tür und trat ins Zimmer um Sarah bescheit zu sagen , dass es zeit wurde aufzustehen, denn  grade heute war es wichtig, das sie die Vorlesung in der Uni besuchte.

Sarah, war schon wach und lag träumend mit offenen Augen  im Bett, Ruth kannte den Blick und sah sie lächelnd an.

Du bist verliebt sagte sie Sarah auf den Kopf zu und Sarah nickte. Ja Mama, ich habe mich verliebt und es ist der schönster, bester und charmantester Mann den ich je gesehen oder getroffen haben, sprudelte es aus ihr heraus.  Ruth nahm die Hände ihrer Tochter in die eigenen und schaute sie glücklich an. Wie schön sagte sie, ich freue mich so für dich, das du dein Glück gefunden hast.

Ja , sagte Sarah, es ist ein großes Glück, denn er ist auch Jude und ich lernte ihn vorige Woche bei den Reichmanns kennen.

Doch nicht etwa , Benjamin Reichmann, fragte  Ruth laut und ein wenig entsetzt, denn sie wusste das Ben ein Tunichtgut  erster Klasse war.

Sarah lachte und fragte im neckischen Ton, und wenn?

Das herz von Ruth begann  vor Aufregung fast unregelmäßig zu schlagen, das wäre eine Katastrophe , die sie nicht überleben konnte, dachte sie. Ihre Tochter sah sie liebevoll an und schüttelte  ihren Kopf. Nein Mam, nicht Benjamin, er heißt Nathan und kommt aus Berlin. Sein Vater ist aber aus Frankfurt  erzählte sie weiter und ist aus verschmähter Liebe nach Berlin gezogen, als die Junge Dame einen anderen vorzog, empörte sich Sarah.

Ruth lachte laut auf und streichelte Sarah übers Gesicht. So was soll es geben, sagte sie , denn auch ich habe nicht den Mann geheiratet, der mich anbetete, sondern deinen Vater, Sieh mal, auch der Vater deiner Liebe hat eine neue Liebe gefunden und geheiratet und somit dein Glück vorbereitet, indem dein Nathan gezeugt wurde.   Sarah lächelte und schmiegte sich an ihre Mutter. Ich bin so verliebt, ich kann dir nicht sagen wie sehr, Und  ich werde am Sonntag  euch Nathan Blumberg vorstellen.

Ruth hört auf und sagte bewundernd, Blumberg?

Ja, Nathan Blumberg, der Sohn von  Samuel Blumberg und seine Frau Priska.

 Nathan ist Doktor  der Chemie erzählte sie und sein Vater ist Professor  an der Uni.

Ruth nickte und hörte zu, was  ihre Tochter alles von der Familie Blumberg wusste

Seltsam dachte sie, sehr seltsam, habe ich doch heute Morgen nach  all den Jahren an Samuel gedacht und jetzt  treffe ich ihn wohl bald, denn Sarah ist fest entschlossen eine Blumberg zu werden..

 

Sie Stand auf , rekelte sich und war doch froh das sie ihren Jochen geheiratet hat, auch wenn in all den Jahren sich Gewohnheit eingestellt hat.

Nun Ja, dachte sie, so hat  Samuel es doch geschafft in unsere Familie zu kommen  und eigentlich freute sie sich auf das Treffen mit ihrem früheren Anbeter.

 

B Brabant. 3.6.2010