Es soll ja Frauen geben, die gern zum Friseur gehen, ich gehöre nicht dazu. Allein den Geruch nach parfümierten Shampoos und Haarspray bereitet mit Unwohlsein.. Aber manchmal ist es eben unumgänglich.
Also nichts wie hin, ehe ich es mir anders überlege.
Meine nicht gerade gute Laune scheint mir Marion, die Friseurin anzusehen, sie begrüßt mich ohne jeden Enthusiasmus und deutet fast gelangweilt auf einen freien Stuhl.
„Wie immer?“ fragt sie routinemäßig und unterdrückt ein Gähnen.
„Nein, diesmal nicht“, sage ich urplötzlich wild entschlossen, „ heute will ich mal so richtig aus der Art schlagen. Streichholzkurz und saharablond bitte“. Marion ist regelrecht erschrocken wird aber schlagartig richtig munter.
Und sie tobt sich aus. Sie wäscht und frottiert, sie schnibbelt und pinselt, wäscht wieder und schnibbelt nach, was das Zeug hält. Ich wage aus lauter Angst vor der eigenen Courage gar nicht, meine Augen zu öffnen. Selbst beim Föhnen halte ich sie geschlossen.
Als sie fertig ist, und ich dann endlich in den Spiegel schaue, krieg ich große Augen. DAS bin wirklich ich? Beschwingt verlasse ich den Salon, nicht ohne Marion ein für meine Verhältnisse fürstliches Trinkgeld zu hinterlassen.
„Hallo, schöne Frau, haben Sie heute schon was vor, oder darf ich Sie zum Essen einladen?“ fragt mich der Metzger, bei dem ich noch einkaufe. Sonst hat er immer nur knapp Guten Tag und Auf Wiedersehen gesagt.
Der Bäcker nebenan, der mich sonst auch immer ignoriert, bietet mir seine Besuchercouch an, für den Fall, dass es nach seiner Einladung zu einem gemeinsamen Konzertbesuch später werden sollte.
Überwältigt verlasse ich das Geschäft, natürlich nicht ohne draußen noch einmal staunend und wohlgefällig in die Schaufensterscheibe zu blicken.
Frohgemut setze ich den Heimweg fort. Als die beiden Bauarbeiter, die gerade das Nachbarhaus verklinkern, anerkennend hinter mir her pfeifen, winke ich übermütig zurück.
Mein Nachbar, der gerade den Müll rausbringt, macht mir einen Heiratsantrag und will die Flitterwochen mit mir auf den Seychellen verbringen. Als ich lächelnd und bedauernd ablehne, ist er untröstlich und droht, sich umzubringen.
Jetzt bin ich aber mal gespannt auf die Reaktion meines Liebsten. Bisher hat er meine Friseurbesuche gar nicht bemerkt, ebenso mein pubertierender Sohn, der, wenn ich erwähnte, dass ich beim Friseur war, sich allenfalls gelangweilt dazu herab ließ zu fragen: „Ach ja, und warum bist Du nicht drangekommen?“
Auf dem Weg in meine Wohnung überlege ich schon mal, was ich denn diesmal auf diese Unverschämtheit antworten soll.
Und während der Liebste noch ungläubig schaut und sich in die Wange kneift, um sicher zu sein, dass er nicht träumt, sagt der Junior: „Horst, das kostet dich mindestens ein neues Fahrrad, damit ich Mama nicht erzähle, dass du eine neue Flamme hast.“
© Sibylle E. ( 5/2009, überarbeitet 7/2011)
Grafik: eigene CD 37.000 cliparts
