Würde ich dieses Leben führen, fände ich es sicher auch wahnsinnig aufregend Single zu sein. Was mir zu diesem Leben fehlt? Nun, zum einen sind es die vielen Freundinnen, mit denen ich jeden Tag so viel Spaß habe, dass das einen Mann sowieso (fast) überflüssig macht. Zum anderen ist es meine Kondition, die es nicht erlaubt, Abend für Abend unterwegs zu sein, um diesen wahnsinnigen Spaß zu haben. Na ja, mein Konto würde es auch nicht erlauben, denn ich gehöre nicht zu den Frauen, die einen Drink nach dem anderen spendiert bekommen. Dabei will man uns das doch in den Filmen meist glauben machen: Eine attraktive Frau geht in eine Bar, stellt sich an den Tresen und schon erscheint ein Kerl, wie aus dem Nichts und quatscht sie an – und bestellt ihr einen Drink und den nächsten und den übernächsten … Dass das bei ihr so funktioniert, hat mir vor langer Zeit sogar mal eine Freundin erzählt. Na gut, ich bin vielleicht nicht der Typ dafür, aber welcher Typ muss Frau dafür sein? Der Typ, auf dessen Stirn steht „Spendier mir einen Drink, dann schlaf ich vielleicht mir Dir“?? Ne, bei mir steht da nichts, absolut stirnfrei.
Also, was fehlt mir noch, außer den lustigen Freundinnen, der Kondition, um jeden Abend auf die Piste zu gehen und das Geld dafür? Na klar, die vielen tollen Dates, die ich haben müsste. Denn obwohl ich ein lustiger Single bin, habe ich natürlich viele Dates, wahrscheinlich, weil das Singledasein doch nicht so lustig ist, wie es scheint. Denn hat man (und Frau) die Dates um der Dates wegen oder nicht doch, um jemanden kennen zu lernen, damit das lustige Singleleben ein Ende hat?? Ich habe keine Dates, jedenfalls in letzter Zeit nicht mehr. Und wenn ich mal eines habe (wann war jetzt genau das letzte Mal … ich überlege … fällt mir nicht ein) ist es … ja … mmm … manchmal auch nicht so übel. Das klingt jetzt nicht so toll? Woran das liegt? Keine Ahnung, an mir natürlich nicht ... Und zum Thema überzogene Ansprüche werde ich mich jetzt nicht äußern.
Zurück zum lustigen Singleleben. Ich liebe ja diese Serien und Filme (Sex and the City – der Inbegriff dieses Mythus) obwohl mein gesellschaftliches Leben eben nicht so aufregend ist. Ja, wo sind sie, die Freundinnen, Partys und Dates, Kondition hin oder her. Die Wirklichkeit sieht bei mir etwas anders aus, meine Partys heißen Gute Zeiten, schlechte Zeiten (vor allem bei den schlechten Zeiten mit zu leiden, hat doch was für sich) und Grey`s Anatomy. (Party im Krankenhaus – auch nicht übel) Und Dates habe ich mit Dr. House und den netten Typen aus CSI mit ihren schicken Sonnenbrillen. Nein, das klingt nicht aufregend, aber das ist das Leben eben auch nicht immer und Aufregung ist relativ. Jede Lebensform hat irgendwie und irgendwo ihre Vorzüge, das hängt doch einfach davon ab, was man daraus macht. Und damit meine ich nicht das klischeehafte Leben wie oben beschrieben, mit Partys, Freundinnen und massenweise witziger Dates. Ich weiß, wovon ich rede, denn ich bin seit über – hust - Jahren Single und das ist mal lustig und mal weniger lustig. Man kann durchaus lernen, es sich alleine schön zu machen, Dinge zu genießen und das Hadern sein zu lassen, dass das Leben zu zweit viel schöner wäre. Wo steht das denn geschrieben? Im Lexikon der Ehepaare und Lebensgemeinschaften?? Das kenn ich nicht.
Ich kann doch auch alleine in eine Ausstellung und ins Museum gehen, oder im Cafe einen großen Latte macchiato mit einem guten Buch genießen. Und wenn ich da alleine sitze, mache ich mich auch nicht verdächtig und niemand wird meinen Ausweis kontrollieren. Oder einfach mal die Leute beobachten, das macht auch Spaß, z.B. das Pärchen am Nachbartisch, dem man am liebsten ein Stichwort für ein Gesprächsthema geben möchte, weil sie so stumm bei einander sitzen. Oder gehören sie gar nicht zusammen? Doch, jetzt haben sie zwei Sätze miteinander gewechselt. Eindeutig ein Paar, wären sie nur befreundet, wären sie die ganze Zeit ins Gespräch vertieft.
Trotzdem sollte jeder Single wenigstens ein paar Freunde haben – natürlich - denn das Treffen, reden und lachen mit diesen, ist besonders für unsere Spezies wichtig. Die Gesellschaft der Freunde ist der Ausgleich zum alleine sein. Gefühle wie Selbstmitleid sind sich dagegen ganz abzugewöhnen. Irgendwann wird schon ein toller Typ merken, wen er da Tolles vor sich hat. Und wenn das eben noch ein wenig dauert – o.k. dann ist das halt so. Erzwingen und verkrampfen hat keinen Sinn, das ist und macht nur lächerlich. Nach dem Motto, Achtung Mann ins Sicht, (vielleicht die letzte) Chance nutzen, sich schnell in Position bringen, Haare zurück werfen, Zähne zeigen (allgemein hin auch als Lachen bekannt), Bauch rein, Brust raus und alles dient nur dem Zweck, einen guten Eindruck zu hinterlassen, bzw. sich so zu geben, wie es scheinbar dem Mann gefällt. Scheinbar …
Anstrengend, nein danke, am besten einfach entspannen und daran arbeiten, mit sich selber im Reinen zu sein und mit dem Leben, dass man alleine - nur mit sich - führt. Wenn das gelingt und man nicht mehr nur auf der Suche ist, wird es klappen. Irgendwo und irgendwann, wenn man nicht daran denkt, nicht damit rechnet, nicht heraus geputzt ist und sich vielleicht auch gerade nicht besonders toll findet, wird es ein anderer tun. Daran glaube ich (wenn ich den Glauben daran verliere …schluck) und versuche so lange mein Singledasein zu genießen, egal wie lange es schon dauert und noch dauern wird. Und dann werde ich frei sein, um es zu beenden. Nicht, weil ich es alleine mit mir nicht aushalte, (Hauptsache ein anderer tut es ...) sondern weil ich den Mann treffe, wegen dem ich mein lustiges Singleleben aufgebe. Freiwillig und hoffentlich für sehr lange ...
