Urlaubszeit - das bedeutet für Olli und Samantha zwei Wochen in einer absoluten Ausnahmesituation. Sie haben zwar sturmfreie Bude und finden diesen Zustand nicht schlecht. Die Versorgung ist auch gewährleistet. Ansonsten sind in dieser Zeit die Streicheleinheiten knapper. Man könnte also sagen "Was dem einen seine Freud, ist dem anderen sein Leid". Die "einen" sind die Besitzer der beiden Stubentiger, die sich auf ihren wohlverdienten Urlaub freuen, die "anderen" Olli und Samantha, die sich nun mit mir zufrieden geben müssen.

 

Seit drei Tagen erledige ich jetzt meinen Job und kümmere  mich um die Beiden. Ein ellenlanger Zettel mit genauen Anweisungen liegt vor mir, die ich unbedingt beachten muss. Über die genaue Menge Katzenfutter samt Leckerlis, die ich ihnen zu genauen Zeiten kredenzen soll. Was natürlich für das weitere gute Gedeihen von Olli und Samantha (die irgendwie zur Leibesfülle neigen, wie ich finde) sehr wichtig ist. In den ersten zwei Tagen verweigerten sie das Futter, nicht aber die Leckerlis. Meine Angst, dass sie nach den zwei Wochen einen eher abgemagerten Eindruck auf ihre Besitzer machen könnten, wächst. Ich habe immerhin die Verantwortung für ihr körperliches Wohlergehen. Wahrscheinlich sind sie sauer über die neue Situation. 

 

Auf dem Katzenversorgungsmerkzettel wird auch darauf hingewiesen, dass Samantha die Gewohnheit hat, sich in der Wohnung zu verstecken. Man würde Geduld brauchen, sie zu finden. Weil sie aber, wie Olli, dringend Streicheleinheiten braucht, sollte man warten, bis sie von selbst unter einer bestimmten Decke hervor kriecht. "Wichtig: Nicht das Spielen vergessen! Am liebsten jagen sie hinter ihren Tischtennisbällen her..." Na ja, schließlich ist ja noch WM-Zeit.

 

Als ich am dritten Tag meines Katzenbeaufsichtigungsauftrages die Wohnung betrete, empfängt mich ein eigenartiger Geruch. Olli und Samantha haben sich mal wieder verkrochen, wahrscheinlich haben sie ein schlechtes Gewissen. Hat ihnen das Futter nicht geschmeckt? Der helle Wohnzimmerteppich ist jetzt alles andere als hell. Und es stinkt zum Himmel. Die Reinigungsprozedur erfordert eine Stunde meine ganze Kraft. Das Ergebnis lässt leider zu wünschen übrig. Ich finde die beiden Sünder im Keller unter einer alten Wolldecke und halte ihnen eine Strafpredigt. Ungerührt sehen mich beide aus großen unschuldigen Katzenaugen an. Ich muss plötzlich so lachen, dass Olli und Samantha erschrocken das Weite suchen. Jetzt bin ich gespannt, was ich an den restlichen elf Tagen noch alles mit ihnen erlebe. Schlimmer kann es wohl nicht mehr werden. 

 

 

 

Bild: pixelio

Stefan Bayer