Andererseits bot er viele Vorteile, die ihr kein anderer Farang geboten hatte. Wenn ihr langweilig war, ging er mit ihr zum Essen in ein Restaurant oder in eine Disco, fuhr mit ihr an den Strand oder zu einem Ausflug in die Umgebung. Er gab ihr anstandslos das Geld für kleinere Anschaffungen und half ihr jeden Tag beim Englischlernen. Er las ihr die Wörter vor, die sie lernen mußte, dann las er jeweils einen Satz langsam vor, den sie nachsprach. Er korrigierte die Aussprache und las den nächsten Satz. Es machte Spaß und war sehr hilfreich.
Dagegen machte es ihr viel Spaß, wenn sie ihm auf die gleiche Art helfen sollte, Thai zu lernen. Sie ließ ihn nicht ein einziges Wort Thai lesen, sondern las immer wieder einen ganzen Absatz so schnell wie möglich und ohne Betonung, bevor er ein einziges Wort sagen konnte. Wenn er den Mund aufmachte, um es noch einmal zu versuchen, dann ratterte sie wieder den Absatz herunter, worüber er sich gewaltig ärgerte, das war sehr lustig. Sie zeigte ihm damit, daß sie viel besser Thai lesen konnte, als er und verhinderte gleichzeitig, daß er die Sprache lernte, denn es ist nicht gut, wenn die Farang Thai lernen, sonst verstehen sie, was die Thai untereinander besprechen und was man den Farang verschweigt. Wenn man ihnen hilft, Thai zu lernen, verstehen sie vielleicht eines Tages, wenn sie belogen werden oder Geschäftsabsprachen zu ihren Ungunsten getroffen werden, sei’s, weil man Kommissionen kassiert oder weil die Farang etwas bezahlen sollen, was man gar nicht gekauft oder nicht beansprucht hat. Deshalb hat sie ihn auch nie korrigiert und ihm erklärt, das wäre in Thailand unhöflich, und wenn er ein Wort übersetzt haben wollte, hat sie ihm immer eine falsche Übersetzung gegeben.
Manchmal hat sie seine Lehrbücher verschwinden lassen, damit er nicht weiterlernen konnte. Er war ja kein Freund, nur ein Farang, ein Außenseiter, ein Feind, gegen den man kämpfen mußte, um versorgt zu werden und etwas Kapital als Sicherheit für spätere Zeiten zur Seite legen zu können. Das war ein Geschäft, keine Freundschaft. Deshalb durften die Farang keine Informationen erhalten und mußten nach Möglichkeit so dumm bleiben, wie sie waren. Je mehr Informationen sie hatten, desto schwieriger würde es, ihnen etwas vorzumachen, Geld aus ihnen herauszuholen oder sie zu einer Investition, vielleicht zum Kauf eines Hauses auf den Namen der Freundin, zu überreden. Noch nicht einmal Geld für die armen Eltern hat eine Freundin von ihr von ihrem Farang mehr erhalten, nur weil er bei einem Gespräch erfahren hat, daß ihre Eltern schon vor vielen Jahren gestorben sind.
Einmal sollte sie ihm genau sagen, wie das Leben im Dorf ist, weil er das für einen Bericht in einer ausländischen Zeitung brauchte. Sie wollte aber nicht, daß die Farang im Ausland etwas Negatives von Thailand hören, deshalb hat sie ihm eine besonders schöne Geschichte erzählt: Die Bauern treffen sich morgens kurz vor acht Uhr bei gebratenem Huhn und einer Flasche Bier. Dann werden sie mit einem Auto auf ihre Felder gebracht und treffen sich um zehn Uhr zu einer Pause, wo sie Rindfleisch vom Grill essen. Mittags werden sie zum Essen ins Dorf gefahren, danach gehen sie noch einmal drei Stunden aufs Feld. Dann ruhen sie sich aus und ziehen sich schön an, weil mit Einbruch der Dunkelheit der Tanz auf dem Dorfplatz beginnt, wo sie Bier und amerikanischen Whisky trinken. Nur am Sonntag gehen sie in den Tempel und dann fahren sie in die Stadt zum Einkaufen und die Junggesellen bleiben abends länger in der Stadt, gehen zum Tanz oder in eine Diskothek und kommen dann erst spät nach Mitternacht oder manchmal auch erst am nächsten Morgen ins Dorf. So sieht ein schönes Leben aus und das sollte die Welt vom Leben in Thailands Dörfern hören.
Als er sagte, sie soll die Wahrheit sagen, weil er nicht schreibt, um sich lächerlich zu machen, sondern weil er damit das Geld für ihren Lebensunterhalt verdienen muß, wußte sie genau, daß er nur schlecht über Thailand schreiben wollte, denn Ausländer sind so reich, daß sie nicht zu arbeiten brauchen und gar kein Geld verdienen müssen. Sie leben in Hotels und wenn sie Geld brauchen, dann holen sie es sich mit einer Plastikkarte von der Bank. Noch nie hat hier jemand einen Farang arbeiten sehen und wenn sie sagen, daß sie arbeiten, dann wollen sie nur irgendjemand betrügen. Enno hat ja auch nie gearbeitet, sondern immer nur den ganzen Tag am Computer herumgespielt oder Zeitungen gelesen und hin und wieder war er dann einmal auf Urlaub gefahren. Aber sie hatte noch nie etwas gesehen, was er getan hatte, es war nie etwas aus dem Computer herausgekommen und er hatte ihr noch nie ein Buch gezeigt, das er geschrieben hatte, obwohl er doch dauernd sagte, daß er Bücher schreibt. Aber das war wohl nur eine Ausrede, um sie hinters Licht zu führen.
Enno gab sich redliche Mühe, in Pam eine Partnerin zu sehen, sie in diese Rolle hineinwachsen zu lassen und ihr völlige Selbständigkeit zu garantieren. Das war aber weitaus schwieriger, als er es sich zuvor gedacht hatte. Zwar waren ihre Fortschritte in Englisch und Computerkenntnissen recht gut, wenn auch sein Computer stark darunter zu leiden hatte, doch war sie ihm keine Hilfe bei seiner Arbeit und die einzige Gemeinsamkeit erlebte er im Bett. Auf Bitten und Erklärungen lautete ihre Standardantwort ‘nein’. Wenn er ihr sagte, daß sie nicht den Netzstecker ziehen soll, um den Computer auszuschalten, antwortete sie, daß er nur ein Farang ist und keine Ahnung hat. Ihr Vater hat gesagt, daß man bei allen Geräten, die nicht gebraucht werden, immer den Stecker aus der Dose ziehen soll. Um ihm zu helfen, zog sie deshalb auch immer den Stecker des Computers aus der Dose, wenn er aufstand, um in ein Buch zu schauen oder wenn er auf die Toilette ging, denn die Farang haben ja keine Ahnung.
Wenn er etwas Bestimmtes zu essen haben wollte, gab es bestimmt etwas anderes. Wenn er Brot, Butter, Käse und andere verderbliche Sachen in den Kühlschrank stellte, räumte sie diese wieder aus und erklärte, daß diese Sachen nicht in den Kühlschrank gehören, weil man sie nicht kalt ißt. In den Kühlschrank gehören nur Getränke. Aber immer nur eine Flasche, weil der Kühlschrank sonst zu viel Strom verbraucht. Und er hatte keine Ahnung, weil er nur ein Farang ist. Was sie wußte, hatte sie alles von Thailändern gehört, das war also richtig und darauf konnte man sich verlassen.
Allerdings war er für dieses Problem mitverantwortlich, denn seine Kritik war oftmals nicht gerade informativ und enthielt die gleichen Verallgemeinerungen, wie „die Thai können nicht denken“, „ihr Thai habt keine Ahnung von Technik“, „Thai können nicht saubermachen“ usw., womit mit er ihre Denkweise förderte, daß er eben irgendein Farang ist. Dennoch wunderte er sich, wenn sie ihm schlechtes Benehmen vorwarf und sagte, er würde allen Frauen an die Brüste und an die Beine fassen. Auf seine Bemerkung, daß er das noch nie getan hatte, sagte sie, er braucht gar nicht zu lügen, denn sie hat selbst gesehen, daß die Farang das machen und er kann nicht leugnen, daß er ein Farang ist. Offensichtlich waren sie beide nicht in der Lage, ihren Partner als einen einzelnen Menschen zu verstehen und halfen sich damit, ihn als ein Serienprodukt zu sehen und auch so zu behandeln.
Informationen, die er über Thailand und die Nachbarländer brauchte, konnte er von ihr nicht erhalten. Sicher konnte sie seine Fragen oft nicht beantworten, sie gab sich aber auch nicht die geringste Mühe, eine Antwort zu finden, und dann gab es offensichtlich viele Fragen, über die sie keine oder wissentlich eine falsche Auskunft gab, weil sie nicht wollte, daß er schlecht über Thailand schreibt.
Enno versuchte, Pam zu verstehen und er bemühte sich, ihr zu zeigen, daß er ihr helfen will und daß sie vor ihm keine Angst zu haben braucht. Zwar war er manchmal etwas ungehalten, aber niemals böse und es war für ihn selbstverständlich, daß er ihr nie etwas verbieten oder sie gar bestrafen würde. Während Enno ihr alle Möglichkeiten zu ihrer Entwicklung gab, für sie da war und ihr fast immer half, das zu tun, was sie wollte, sobald sie nur wußte, was sie wollte, mußte er bemerken, daß von einer Partnerschaft nicht die Rede sein konnte. Nicht nur, daß Geldbeträge und zugesandte Informationen spurlos verschwanden, daß sie Geld aus seiner Brieftasche nahm, weil sie es ohne weitere Erklärungen ‘dringend gebraucht’ hat und oftmals seinen Tascheninhalt erheblich reduzierte.
Sie kämpfte gegen ihn, verhinderte, daß er Thai lernte, was er für lebenswichtig hielt, solange er hier sein Geld verdienen mußte, behinderte ihn so weit es ihr möglich war, damit er keine Berichte über Thailand schreiben konnte. Und ansonsten versuchte sie grundsätzlich, ihm ihren Willen aufzuzwingen, weil er ja nur ein Farang war. Wenn er sie bat, Brot und Käse mitzubringen, dann kaufte sie Gemüse und sagte ihm, er soll Gemüse essen, Brot sei nicht gesund. Sollte sie eine deutsche oder englische Zeitung mitbringen, dann holte sie eine Modezeitschrift in Thai und sagte ihm, die sei besser. Bat er sie, Reis mit Rindfleisch zum Essen zuzubereiten, dann gab es ein Omelett mit Chili, weil Chili viel gesünder ist. Eigentlich konnte er sie zu nichts gebrauchen und sie zeigte noch nicht einmal den Ansatz einer Bemühung, mit ihm zusammen zu leben. Nur im Bett stand sie ihm auf Wunsch stets zur Verfügung. Aber das hielt selbst Enno trotz seines sonnigen Gemütes nicht für eine Partnerschaft. Er hatte gar keine Lust, sich um jemand zu kümmern und ihn zu versorgen, der den Sinn seines Lebens darin findet, gegen ihn zu kämpfen und dabei viel Geld zu machen.
Es war ein reiner Zufall, daß sie August traf, als sie am späten Nachmittag auf dem Weg vom Englischkurs zu Enno noch bei den Freundinnen an der Bar vorbeiging, an der sie früher gearbeitet hatte. Und dort saß August, der gerade in Thailand angekommen war, sich freute, sie nach so langer Zeit wiederzusehen und gleich mitnehmen wollte.
August war ein alter Kunde von ihr, mit dem sie schon einmal seinen Urlaub verbracht hatte und dann noch einmal zwei Wochen, als er nur zwei Monate später unerwartet wiederkam. August war Fliesenleger, seine Frau war schon vor sechs Jahren gestorben und er hatte gesagt, er wird bald sechzig Jahre alt, dann hört er auf, zu arbeiten und kommt nach Thailand. Er hatte gesagt, daß er Pam dann zu sich holt und sie bei ihm leben darf, wenn sie brav ist und ihm gut gehorcht. Und nun war August sechzig geworden und war gekommen, um hier zu leben. Am nächsten Abend wollte er in der Bar nachträglich seinen Geburtstag, seine Pensionierung und den Anfang seines neuen Lebens in Pattaya natürlich zusammen mit Pam feiern. Und jetzt wollte er sie ins Hotel mitnehmen.
Es war ein ernsthaftes Problem, denn einerseits wartete Enno zuhause auf sie, andererseits konnte sie bei August jetzt fünfhundert Baht verdienen und in den nächsten Tagen noch viel mehr, wenn sie es geschickt anstellte. Andererseits könnte sie mit ihm einen guten Kunden verlieren, wenn sie nicht mitging. Sie durfte ihm auf keinen Fall etwas von Enno sagen. Sie sagte August, daß sie nicht mit ihm gerechnet hat, weil er nicht geschrieben hat, daß er kommt. Nun wäre gerade ihre Familie in Pattaya zu Besuch und sie müßte sich auch um ihre Familie kümmern. August meinte, ihre Verwandten werden ja wohl nicht ewig bleiben, worauf Pam erwiderte, daß sie nur für eine Woche gekommen sind. Und dann ging sie zusammen mit August ins Hotel und sagte ihm, daß sie sich später noch einmal um ihre Familie kümmern muß, dann aber ganz bestimmt am nächsten Nachmittag wiederkommt.
Pam kam an diesem Tag sehr spät nachhause und erklärte Enno, daß sie eine Freundin aus ihrem Dorf getroffen hätte, die sie schon lange nicht gesehen hat. Enno hatte Verständnis, schließlich wollte er Pam ja auch alle Möglichkeiten für ein selbständiges Leben geben und er würde sich nie als Besitzer einer Partnerin fühlen. Er hatte auch Verständnis dafür, daß Pam am nächsten Nachmittag zu einer Party ihrer Freundin gehen wollte und fragte nur, ob sie Geld braucht, um ein Geschenk mitzubringen. Pam brauchte nur achthundert Baht für zwei Flaschen Whisky für ihre liebe Freundin, weil die Farang ja so dumm sind. Enno hatte bereits vor einigen Tagen Bescheid gesagt, daß er an diesem Tag ein Treffen mit zwei Schriftstellerkollegen zum Abendessen hat und wahrscheinlich erst sehr spät wiederkommt. Pam maulte anstandshalber etwas, aber dann ließ sie Enno gehen und lief fünf Minuten später zu ihren Freundinnen in der Bar, weil die ihr jetzt mit ihrer Erfahrung bei ihren schweren Problemen mit ihren Farang helfen mußten.
Sie sprach mit einer Kollegin, die schon lange in Pattaya arbeitete und sich auskannte. Sie schilderte ihr Problem mit den zwei Farang. Da war einmal Enno, der ihr alles gab, was sie wollte, der aber mit ihr unzufrieden war, weil sie nur tat, was ihr paßte und ihn wie ein dummes Kind behandelte, weil sie ihm nicht half, Thai zu lernen und Berichte zu schreiben, und bei dem sie alles, was sie tat, selbst überlegen und selbst entscheiden mußte. Und dann war da August, der geizig war, sich schnell aufregte und eine sehr laute Stimme hatte, aber pünktlich zahlte, der gar nicht wollte, daß sie ihm half und ihr immer sagte, was sie zu tun hat und sie anbrüllte, wenn sie nicht sofort gehorchte.
Die erfahrene Freundin sagte, daß es überhaupt keine Rolle spielt, wie sie mit den Männern zurechtkommt, weil beide Männer sie jederzeit hinauswerfen könnten und sie dann ohne jeden Besitz dasteht, nur mit dem, was sie sich beiseite gelegt hat. Wichtig wäre nur, daß ein Farang sie heiratet, denn dann gehört ihr die Hälfte von dem, was der Mann besitzt, oder solange sie in Thailand ist, praktisch alles, was ihm gehört. Das leuchtete Pam ein und so sagte sie August, als sie ihn am Nachmittag des nächsten Tages traf und mit ihm zu seiner Party ging, daß sie bereit wäre, mit ihm zu leben, aber wenn er wirklich mit ihr leben wollte, dann könnte er sie ja auch heiraten. Doch August wandte ein, daß er sie ja noch gar nicht richtig kennt. Er wollte zwar mit ihr leben, aber für eine Heirat sei es ihm noch entschieden zu früh. Pam war ihm auf der Party als auch danach noch eine äußerst liebevolle Gefährtin, bis sie sich gegen drei Uhr morgens verabschiedete und nachhause ging.
Als Enno am nächsten Tag gegen Mittag etwas zu essen haben wollte, erzählte Pam ihm stattdessen die herzzerreißende Geschichte ihrer Freundin, die mit einem Ausländer gelebt, für ihn gearbeitet und ihm geholfen hat, viel Geld zu verdienen. Als sie ihn dann nach ihrem Arbeitslohn gefragt hat, hätte der ihr kein Geld gegeben, er hätte sie einfach hinausgeworfen. Sie stehe jetzt mittellos auf der Straße. Nun hätte sie Angst, daß Enno sie nur ausnutzen will und verlangte, daß er sie heiratet. Der aber hatte die Partnerschaft schon als sehr fragwürdig angesehen und bemerkt, daß sich das ganze Leben nur noch um Pam und ihre Einnahmen drehte, daß sie ihn behinderte und bekämpfte und nur im Doppelbett von Vorteil war. Das war aber kein Grund für eine Heirat, meinte er und versuchte, ihr das verständlich zu machen.
Da Pam um jeden Preis ihren Willen durchsetzen und ihre Macht demonstrieren mußte, ereiferte sie sich jetzt und wurde furios. Er wollte sie nur ausnützen, schrie sie, das hätte sie immer gespürt, obwohl sie alles für ihn getan hat und immer nur für ihn dagewesen ist. Er sei ein reicher, egoistischer Farang, der die armen Thailänderinnen ausnützt, schrie sie und steigerte sich wegen Ennos leichtem Lächeln solchermaßen in Wut, daß sie schließlich ein Messer ergriff und sich auf ihn stürzte. Enno erhielt eine Schnittwunde, Pam eine Ohrfeige und das Messer flog aus dem Fenster. Allerdings sah Enno diesen Überfall durchaus nicht als Heiratsgrund, er schob Pam aus der Tür und sagte ihr, sie soll sich erst einmal beruhigen und kann dann später ihre Sachen abholen, und wenn sie nicht aufhört zu toben, dann ruft er die Polizei.
Das brachte Pam auf den Gedanken, daß Enno sie wohl wirklich nicht heiraten wollte, noch nicht einmal, wenn sie sich mit einem großen Messer auf ihn stürzte. Deswegen ging sie flugs zu August, sagte ihm, wie sehr ihre Familie auf eine Heirat drängt und dann erzählte sie, daß sie einen jungen, sehr wohlhabenden Reiseschriftsteller namens Enno kennt. Eigentlich mochte sie ihn nicht und würde August viel mehr lieben, aber der Enno wollte sie heiraten und ihre Familie hatte ihr gesagt, daß Enno viel jünger und wohlhabender sei und daß sie ihn auf jeden Fall heiraten muß, wenn sie ihr Leben nicht als Prostituierte verbringen will. Nach dem letzten Wort erlitt sie einen herzzerreißenden Weinkrampf mit einer hervorragend gespielten Verzweiflung.
August gab schließlich nach und sagte, sie müßten erst einmal einen Monat lang zusammen leben und dann würde er sie heiraten, wenn sich bis dahin keine großen Schwierigkeiten herausstellen. Sie brauchten vor der Heirat ohnehin Zeit, bis sie ihre Papiere zusammen hatten. Pam sah das ein. Sie zog sofort bei August ein und bereitete ihm bis zum Hochzeitstag den Himmel auf Erden, sie sah ihm alle Wünsche von den Augen ab und verwöhnte ihn, bis sie vor dem Standesbeamten standen. Die Hochzeitsfeier fand in dem Bungalow statt, den August gemietet hatte und war enorm. Viele Gäste waren erschienen und die Feier dehnte sich bis weit nach Mitternacht aus, genauer gesagt, bis zu jenem Augenblick, als August mit einem dumpfen Plumps zu Boden fiel und damit die Hochzeitsgäste auf dezente Weise auf den Gedanken brachte, die fröhliche Feier zu beenden und nachhause zu gehen.
Pam kam schon am nächsten Morgen auf den Gedanken, ihr Leben nun so fortzusetzen, wie sie es bei Enno geführt hatte, weil sie ja jetzt offiziell verheiratet war. Sie blieb im Bett liegen und sagte August, was er zum Frühstück machen soll, doch dann stand sie sehr schnell auf. August hatte nämlich eine sehr laute Stimme, die sie fürchtete. Mit der sagte er ihr sehr deutlich, was sie zu tun und was sie zu lassen hat. Als sie das Frühstück auf den Tisch gebracht hatte, fuhr er damit fort, ihr einige Kleinigkeiten zu erklären. Den Computerkurs hatte sie zu beenden, weil Frauen nichts am Computer zu suchen haben. Sie durfte sich auch nicht „vor den blöden Fernsehapparat“ setzen, weil die thailändischen Seifenopern nichts taugten. Stattdessen sollte sie besser richtig saubermachen und vernünftiges Essen kochen, das übrigens prompt mit Gepolter zum Umtausch zurückgegeben wurde, wenn es nicht das bestellte Essen war. Sie durfte auch nicht mehr zu den Parties ihrer Freundinnen gehen, denn jetzt war sie mit August verheiratet und hatte gefälligst ab sofort wie eine anständige Frau und nicht wie eine Barfrau zu leben.
Einer Freundin, die sie besuchte, sagte sie, sie sei jetzt richtig glücklich. Bei Enno hätte sie zwar alles bekommen, was sie haben wollte, sie hätte auch tun und lassen können, was ihr paßte. Er hätte von ihr aber immer verlangt, sie sollte sich selbst überlegen, was sie will, das sei sehr unangenehm und anstrengend gewesen. Sie hätte auch viel mit ihm gestritten, weil sie sich bei ihm nie sicher gefühlt hat. Ihr Mann sagt ihr, was sie zu tun hat, da braucht sie nicht zu überlegen. Er sagt ihr auch, wenn sie den Mund halten soll und dann gibt es keinen Streit. Er ist ein Mensch, der weiß, was er will, ein richtiger Mann, bei dem sie sich sicher fühlt. Sie fühlte sich jetzt wieder so glücklich, wie in ihrer Kindheit, wo sie auch nur zu tun brauchte, was die Eltern oder der Lehrer ihr sagten. Enno hätte ihr erlaubt, alleine auszugehen, dann hat sie immer das Gefühl gehabt, daß er nicht ernsthaft an ihr interessiert ist, denn sonst hätte er ihr doch verboten, das Haus zu verlassen, damit sie keine anderen Männer sieht und nicht mit anderen Männern ins Bett geht. Das schien ihm vollkommen egal zu sein.
Fortsetzung Teil 3
Pam ist sehr glücklich verheiratet Teil 2
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©by Johann Schumacher 2008
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