Dein Lachen war so strahlend - wenn du einen Raum betratest, war es, als wäre die Sonne plötzlich aufgegangen. Jedem hast du es geschenkt, dein Strahlen, zu allen Menschen warst du freundlich und höflich. Wie sehr vermisse ich es, dein goldenes, lichtbringendes Lächeln.
Wie stark du warst in diener Sentimentalität! Wie oft hast du voller Mut und Optimismus neu anfangen müssen.
Ausser einem Bruder hast du alle Familienmitglieder verloren in der Hölle des Holocaust. Eine schöne, junge Frau, einen Sohn und eine Tochter wurden dir genommen, auf dem Altar des Wahnsinns wurden sie geopfert.
Deine alte Mutter begegnete ihrem Tode nicht im behüteten Familienkreis, sondern in der Gaskammer, während ihre Leidensgenossen sangen "Ani maamin" - "ich glaube"...
Tief hast du den Schmerz in dir vergraben und fandest den Mut, um unsere Mutter zu werben, die erst 17 Jahre alt, wunderschön und behütet durch die schweren Kriegsjahre gegangen war. Schon mit 15 Jahren nähte sie Weisswäsche und hielt damit die Familie, deren männliche Mitglieder sich im Zwangsarbeitslager befanden, über Wasser.
Mit deinem bebetörenden Charme, mit deinem endlos guten Herz hast du ihre Eltern dazu gebracht, ihre Einwilligung zu geben und sie haben diese Entscheidung niemals bereuen sollen. Nie im Leben hätten sie sich einen besseren, treueren Schwiegersohn erträumen können!
Papa, du hast Mutter Zeit deines Lebens mit Liebe, Verehrung und Bewunderung überschüttet, die ihresgleichen sucht - aber nicht findet! Schon im ersten Jahr euerer Ehe nahmt ihr Flüchtlinge und "displaced persons" bei euch auf, armselige, heimatlose Menschen voller Hunger. Hunger nach Liebe und auch im wahrsten Sinne des Wortes fast verhungert!!
Mutter hat ihr ganzes Leben in den Dienst der Nächstenliebe gestellt, nicht nur hast du das gebilligt, sondern warst immer stolz auf sie, hast sie gefördert und unterstützt, nicht zuletzt auch mit deinem Mitleid, deinen Beziehungen zu allen Kreisen und auch mit finanziellen Mitteln.
Nie hat es einen zärtlicheren, liebenderen Vater gegeben, als dich, Papa. Für dich war es nicht nur die endlose Liebe zu deiner Frau und deinen Kindern, die dich alle Schwierigkeiten überwinden liessen, es war der Triumph, das Glück, noch einmal eine Familie zu gründen, der Phönix erhob sich aus der Asche und du wurdest der Patriarch einer wundervollen, großen Familie aufrechter, gottesfürchtiger Menschen.
Du musstest uns nichts lehren Papa. Dein Leben, das du uns vorlebtest, war Beispiel und Ermutigung, deine Moral und Integrität ein leuchtender Pfad, dem wir nur zu folgen brauchten. Unsere geliebte Oma, Mutters Mutter, lebte 26 Jahre bei uns, als Königin, geliebter Familienvorstand und Urmutter, die uns Noblesse, Würde und Anmut gelehrt hat.
Papa, wie hast du sie geliebt! Sie war deine Mutter in jedem Sinne des Wortes. Die Verehrung, den Respekt und die Liebe, die du ihr Tag für Tag, Jahr für Jahr bewiesest, wird mir für immer vor Augen bleiben, unvergesslich...
Als auch Mutters Schwester zu uns zog, hast du sie und ihre Familie wie echte Geschwister aufgemommen und als sie nach Jahren(!) in ihre eigene Wohnung zogen, weintest du!!
Auch Mutters Brüder hast du in jeder Weise unterstützt, sie waren alle nicht nur wie deine Familie, sie waren deine geliebten Kinder, die du beschützt und gestütz hast.
Papa, du hast lange gelebt und durftest deine Kinder in Liebe aufziehen, du hast 11 Enkel und viele, viele Urenkel erleben dürfen. Und ich danke Gott immer und immer wieder, dass du den Tod meines geliebten Neffen, des Sohnes meines Brudeers im Alter von 19 Jahren nicht mehr miterleben musstest - das hätte dein liebevolles Herz nicht ertragen. Wir hatten seine schwere Herzkrankheit vor unseren Eltern verborgen und geheim gehalten, so haben wir dir dieses Leid erspart. Für Mutter war es aber ein riesiger Schock, der ihr für immer viel von ihrer Energie und Tatkraft raubte.
Niemals hat ein Familienmitglied dich böse oder unwirsch gesehen. Deine schönen Hände, die ich so liebte, konnten nur streicheln oder beruhigend, tröstend drücken - wie sehne ich mich nach ihnen!!
Du hast Mutter und uns verlassen, mit lächelndem Gesicht, auch noch im Tode Liebe ausstrahlend. Als wir das letzte Mal von dir Abschied nahmen schrie es in mir: "Papa, Papa, du wolltest immer deine Familie um dich haben, jetzt musst du alleine in deine letzte Wohnstatt ziehen!" Aber es ist nicht so, wir haben dich noch so lieb, du bist noch immer bei uns und vor jedem Familienfest besuchen wir dich und laden dich ein.
Wir brachten dich nach Jerusalem, in dein geliebtes Heiliges Land. Dorten, hoch oben auf dem Berg der Oliven, hast du deine letzte Ruhestätte gefunden. Dort, im stetigen Wind und mit der ewigen Stadt zu Deinen Füssen hast du Ruhe und Frieden gefunden, denn deine guten Taten haben dich begleitet und erhoben und deine Seele ruht neben dem höchsten Thron.
Papa
Papa, du warst so stark und doch so weich! Nichts war dir im Leben wichtiger als die Familie, du lebtest nur für sie.
23 Platinern gefällt der Artikel
Gefällt mir auch
Kommentare zum Artikel