Vor ungefähr einem Jahr habe ich mich - erstmals nach 1990 -mit dem Gedanken beschäftigt, mich für den Rest meines Lebens mit einer Frau zusammen zu tun. Weil es in meinem 1000-Seelen-Dorf nur eine sehr geringe Auswahl an geeigneten Damen gibt, schrieb ich mich bei einer Partnerbörse ein. Später dann, zeitversetzt, bei drei weiteren.
Die Damen und Herren beschreiben sich selber. Sie zeigen ein Bild von sich. Manche tun nichts von beiden, oder sie bringen lapidare Sätze, die auf jeden zutreffen könnten. Solche Kontaktanzeigen kann man vergessen.
Mein schlechtes Gewissen kam schon, als ich wegen der Vielzahl der Angebote, - Berlin liegt in greifbarer Nähe, und mir wurden an die vier- bis 500 Frauen angeboten - kaum noch Profile las, sondern nur auf räumliche Nähe und Bilder - bei einigen Börsen muss die Angeschriebene das Bild erst frei geben - achtete. Sowas war natürlich unfair. Konnten nicht auch weniger schöne Frauen für mich in Frage kommen? Lohnte sich nicht auch eine Fahrt von über 100 km für das erste Date?
Ich schrieb die selektierten Damen an. Es waren an die 50, bei einigen Online-Börsen mehr. Ich schrieb einen Standardtext und fügte immer ein wenig Individuelles, auf sie Bezogenes hinzu. Innerhalb der ersten 14 Tage kamen ganze 5! Reaktionen. Manchmal gar nichts.
Konnte es nicht sein, dass mich niemand wollte?
Manche Kontaktbörsen zeigen den letzten Besuch der jeweiligen Dame an. Manche konnten gar nicht reagieren, weil sie lange nicht mehr nachgesehen hatten, wer sich für sie interessierte. Eine automatische Benachrichtigung - wie bei PN - hatten sie offensichtlich ausgeschaltet. Andere Börsen widerum bringen auch das Datum, an dem sich die Dame angemeldet hat. Manche waren schon seit einigen Jahren Mitglied.
Die Frauen hatten offensichtlich seit langem aufgegeben, etwas Passendes zu finden. Oder sie hatten gefunden und vergaßen, ihre Annonce zu löschen.
Es gibt meistens 2 Stufen der Mitgliedschaft. Man kann sich darstellen, hat keine Berechtigung, jemanden anzuschreiben und zahlt auch nichts. Diese Stufe überspringt immer derjenige, der glaubt, etwas Passendes - aus Bild und Text beurteilt - gefunden zu haben. Man schreibt und schreibt, so wie ich das getan hatte, und es kommen meist kaum Reaktionen. Manche Männer glaubten - lt. Zeitungsartikel -, dass es die Damen gar nicht gab, dass die ganze Annonce nur ein Fake sei.
Natürlich hatte ich einige Dates, von denen ich meist enttäuscht war, weil die Angaben sehr von der Realität abwichen, aber das soll hier nicht das Thema sein.
Die Dauer der Mitgliedschaft kann man selber bestimmen. Sie wird aber automatisch verlängert, wenn man sie nicht rechtzeitig kündigt. Kündigt man vorbeugend gleich nach der ersten Zahlung, wird einem dies absichtlich schwer gemacht. Man braucht schon einige Hürden.
Die Kosten bewegen sich zwischen 30- und 100 Euro für ein halbes Jahr.
Mein Fazit: Eine Partnerbörse ist etwas Kaltes, Unpersönliches. Ein Markt der Eitelkeiten, und man zäumt das Pferd vom Schwanze auf, weil man sich nicht etwa - wie auf der freien Wildbahn - zuerst kennen lernt und sympathisch findet und sich dann näher miteinander beschäftigt, sondern umgekehrt. So manches Date endet abrupt nach ein paar Eindrücken, obwohl man nächtelang telefoniert hat. Ich werde keine Partnerbörse wieder mit meinem Ansinnen konfrontieren, eine Frau kennen zu lernen.
Noch etwas zu PN und seiner kontaktbildenden Funktion: Nicht alle PNner sind Singles. Nicht alle suchen Partner. Wir alle haben unterschiedliche Anliegen. Eins verbindet uns aber: die Liebe zum geschriebenen Wort. Wir tauschen uns aus, haben uns häufig nicht viel zu sagen, aber wir lernen einander relativ gut kennen, bevor wir uns näher miteinander beschäftigen, oder auch nicht. Ich denke, diese Eigenschaft nähert PN dem realen Leben stärker an als eine Partneragentur.
Falls ich einmal eine Frau treffen sollte, die ich über PN kennen gelernt habe, kann ich davon ausgehen, dass wir uns langsam, Schritt für Schritt und ohne "Marktfunktionen" angenähert haben. Ich finde dies okay. Dass man sich bei PN nicht ausgenommen fühlen muss, evtl. Geld ohne Leitungen zahlen muss, ist ein zusätzlicher Vorteil.
Für mich zählt überwiegend die harte Kontrolle meines Geschreibsels. Alles andere soll rein zufällig passieren. Ich habe da keine konkreten Erwartungen