Was sollen wir tun, wenn die klassischen Reviere wie Freundeskreis, Büro, Nachbarschaft und Sport abgegrast sind, und neue Menschen in unserem Leben immer seltener auftauchen? Wenn weit und breit niemand in Aussicht ist und nichts sich wirklich bewegt?
Wir loggen uns ein in das Medium Internet. Hier sind wir anonym, keinen kritischen Blicken ausgesetzt, müssen nicht mit unserer eigenen Unzulänglichkeit kämpfen. Wir haben Zeit unsere Worte zu wählen, wir sind nicht auf unsere Spontaneität angewiesen. Unser Gegenüber hat kein echtes Gesicht, maximal sehen wir das beste Foto, das sie oder er auftreiben konnte.
Hier sind wir alle dynamisch und attraktiv; alle lieben die Kultur und die Natur und das Unkonventionelle. Alle haben natürlich auch Humor. Die Erwartungen sind hoch, bei der Auswahl der Aspiranten/innen sind wir gnadenlos.

Dann wird es plötzlich ernst: Ein Telefonat, ein Treffen! Wir versuchen unsere Erwartungen zu dämpfen, aber die führen längst ein unkontrolliertes Eigenleben, richten sich in ihrer Höhe direkt an den vor dem Bildschirm verbrachten Stunden aus. Die Verdrängung auf ein realistisches Maß gelingt nur oberflächlich. Die Vorgespräche am Telefon mögen noch so gut gewesen sein, das Geschriebene noch so witzig oder vielleicht sogar brillant, entscheidend ist und bleibt der erste Eindruck!


Und dann treffen wir uns und realisieren: Wir sind Fremde, die voreinander stehen. Und wenn das Herz nicht sofort Feuer fängt, lassen wir einander nach einer kleinen Höflichkeitsphase sehr bald fallen. Die Karawane zieht weiter! Wir geben uns keine Zeit, den anderen in verschiedenen Situationen kennen zu lernen, unsere Erwartungen sind enttäuscht und haben uns ein Bein gestellt.

Es ist irgendwie anders als im echten Leben.