Nachdem ich einige Monate lang bei neu.de und FriendScout24 vergebens gesucht habe, fand ich jetzt per Zufall PN, und habe schon nach 3 Tagen das Gefühl, ich sollte mal einen Schritt langsamer machen. Bei den Anderen ist man durch reichlich Gebühren irgendwie unter Druck, dass das innerhalb von 3 oder 6 Monaten klappen sollte. Und gerade das tut nicht gut.

Auch im Internet ist der erste Eindruck der Entscheidende, aber er basiert auf einer unvollständigen Grundlage, es beschränkt die Sinne auf Optisches, auf ein paar Bilder, ein paar Zeilen, schwarz auf weiß. Und in der Phantasie ist man versucht, das fehlende zu einem Gesamteindruck zu ergänzen.
Es verführt einen zu dem "Katalog-Konsum". Die vielen Inserate, Profile, die ein Computer einem als "passende(r) Partner/in mit XX % Übereinstimmung" präsentiert, meist mit bunten Bildern, lassen das Gefühl aufkommen, wie in einem Katalog blättern und bestellen zu können. Dass da nur rationale Eigenschaften verglichen werden können, oder die emotionalen nur mit dürren Worten umschrieben werden können, rückt schnell in den Hintergrund.

Das krasseste Negativ-Beispiel ist für mich der Reklamespruch auf der FriendScout24 Anmeldeseite: "So verliebt man sich heute". Ich wollte nicht meinen Monitor küssen, auch nicht, mit einem auf Lebensgröße vergrößerten Portrait meiner "Traumfrau" darauf. Er wäre mir zu kalt, und zu nüchtern. Und das einzige, was da knistern könnte, wäre wohl statische Aufladung.
Genauso daneben finde ich die "neu.de" Reklame: "Liebe finden ist kein Zufall". Wir können die Liebe unser Leben lang suchen und werden sie nicht finden. Wo auch? Hinter dem Sofa, einem Baum, im Auto, im oder unter dem Bett?

Die Liebe kann man nicht suchen und nicht finden. Eher sucht sie uns, und sie findet uns, wenn wir dafür offen sind. Genau das ist doch das 2500 Jahre alte, aber immer noch zutreffende, sehr sentimentale und sehr romantische Bild von Amors Pfeil in der römischen Götterwelt, oder Eros in der Griechischen.
Im Gegensatz dazu kann man Sex suchen, oder sogar bestellen. Männer und Frauen gleichermaßen. Das Internet steckt voll von eindeutigen Angeboten, man wird ja auch von gleichermaßen eindeutigen E-Mails überschwemmt. Es genügt, in den entsprechenden Homepages die Profile nach Gleichgesinnten abzusuchen. Oder vom Computer suchen zu lassen. Der kann das viel schneller. Wo setzt man seine Untergrenze an? 50 % Übereinstimmung? oder 70%, oder 95% weil es das letzte Mal doch nicht so schön war?
Und sogar im Fernsehen, in den Reklamepausen zu später Stunde kann man eine der Frauen anrufen, die sehr deutlich sagen, was sie zu bieten haben.

Die Liebe wird dabei vergessen, aber ohne sie ist das alles nur ein körperliches abreagieren, die Seele wird davon nicht satt.

So gesehen, betrachte ich das Internet nur noch als ein technisches Werkzeug, das mir die Möglichkeit bietet, in einem ersten Schritt grundlegende Rahmenbedingungen abzuklären, und der zweite Schritt ist dann ganz altmodisch:
Man verabredet sich, gibt sich die Hand, schaut sich in die Augen, unterhält sich über das, was an Gemeinsamkeiten vorher schon erkennbar war, oder auch noch neu zu entdecken ist. Entweder funkt es oder eben nicht. Was hat man dabei zu verlieren?
Und weil es altmodisch ist, "funktioniert" es halt nicht immer so, wie wir das in unserer schnelllebigen Zeit gerne hätten. Manchmal braucht es auch zwei oder mehr Begegnungen, Gefühle brauchen manchmal einen ganz bestimmten Auslöser, können aber auch langsam wachsen. Und zwischen Sympathie und dem 7. Himmel gibt es auch noch die ganze Variationsbreite menschlicher Gefühle.