Physikalische Theologie, Teil 2 von 2
Gott ist das Synonym für "Naturgesetz"
Physikalische Theologie, Teil 2 von 2
Der Arzt einer 90jährigen Patientin sagte zu ihr: "Gnädige Frau, sie wissen schon, dass der Sex mit ihrem 25jährigen Freund tödlich sein kann?" – "Na, und", sagte sie, "dann stirbt er eben".
Wären viele von uns fünf oder zehn Jahre früher geboren worden, wären die meisten von uns infolge des zweiten Weltkrieges seit mehr als 50 Jahren tot. Hätten sich meine Eltern nicht rechtzeitig scheiden lassen, hätte ich als Sohn eines Polizeibeamten in der DDR nicht studieren können. So gibt es im Leben eines jeden von uns ungezählte Ereignisse, die auch anders hätten ausgehen können. Dass sie für uns gut ausgegangen sind, dafür sollten wir d a n k b a r sein. Es war nicht unser Verdienst, aber es war auch nicht das Wohlwollen des Naturgesetzes. Es ist einfach so gekommen, wie es gekommen ist. Und wenn es anders gekommen wäre oder bei vielen auch anders gekommen ist, so müsste das auch in D e m u t ertragen werden. Es wäre – wie alles eine Folge des Naturgesetzes. Wohlgemerkt, nicht des strafenden Naturgesetzes und schon gar nicht sein unerforschlicher Ratschluss; denn das Naturgesetz ist so, wie es ist, nicht gut und nicht böse und es besitzt keinen Ratschluss.
Die Religion beschränkt sich auf vier persönliche Einstellungen:
1. Respekt vor dem Naturgesetz,
2. Dankbarkeit, wenn die Ereignisse zu unseren Gunsten geführt haben,
3. Zuversicht, dass alles gut wird,
4. Demut, wenn wir uns einen besseren Ausgang gewünscht hätten.
Ich bin noch nicht fertig, möchte aber das Bisherige zusammenfassen:
1.Gott ist Naturgesetz und Zufall
2. Glaube ist Erkenntnis,
3. Religion ist Respekt, Dankbarkeit,
Zuversicht und Demut.
Ich komme jetzt zu den Begriffen Unendlichkeit und Ewigkeit, die nun im Gegensatz zu dem Bisherigen ausschließlich im geistigen Bereich liegen, wobei die Ewigkeit der weitaus schwierigere Begriff ist.
Wir kennen ja die Paraphrase von der Ewigkeit, wonach einmal im Jahr ein Vogel seinen Schnabel am Fuße eines riesigen Berges wetzt. Wenn dadurch schließlich das Felsmassiv durchgewetzt ist und der Berg ins Meer stürzt, sei eine Sekunde der Ewigkeit vergangen. Der geniale Heinz Ehrhardt umschreibt dieses Ereignis allerdings etwas anders:
Hätte man sämtliche Berge der ganzen Welt
zusammengetragen und aufeinander gestellt,
und wäre zu Füßen dieses Massivs
ein riesiges Meer, ein breites und tiefs,
und stürzte dann unter Donnern und Blitzen
der Berg in dieses Meer - - - na, das würd' spritzen!
Die Ewigkeit hebe ich mir für später auf.
Unendlichkeit:
Ein Bakterium, also ein Stäbchen, kennt nur die erste Dimension, nämlich die Länge. Es marschiert immer geradeaus und findet sich schließlich da, wo es her gekommen ist. Das kann es nicht verstehen. Da kommt der Homo sapiens des Weges und sagt: "Du bist im Kreis gelaufen!"- "Das verstehe ich nicht", sagt das Stäbchen. "Das kannst du auch nicht verstehen", sagt der Homo, "du kennst ja die Breite nicht, kannst also die Krümmung Deines Weges nicht erfassen." – "Nun gut", sagt das Stäbchen, "dann mutiere ich eben zur Wanze. Eine Wanze hat eine Länge und eine Breite." – "Aber keine Höhe", dachte der Homo und setzte die Wanze auf den sein Wohnzimmer zierenden Globus. Die Wanze marschierte weder nach links noch nach rechts, sondern geradeaus auf einem Meridian entlang und kam schließlich dort an, wo sie gestartet war, was die Wanze nicht verstehen konnte. "Du bist auf einer gekrümmten Fläche entlang gelaufen", sagte der Homo, aber die Wanze hatte keine Lust, jetzt auch noch zum Homo zu mutieren.
Ein Kreis hat zwar einen endlichen Umfang, eine Kugel hat eine endliche Oberfläche, aber beide haben weder Anfang noch Ende, sind also unendlich! Wenn es nun um drei Dimensionen, also um den Raum geht, steht der Homo so dumm da wie das Stäbchen oder die Wanze. Er hat gemessen oder spekuliert, dass das Weltall einen Durchmesser von – ich weiß nicht wie viel mal 10 hoch – ich weiß nicht wie viel Lichtjahren hat und fragt sich, was ist dahinter? Was ist hinter dem Ende einer Kreislinie? Wenn etwas kein Ende hat, kann auch nichts dahinter sein! Warum geht das nicht in unseren Kopf? Da kommt der Super-Homo des Wegs und sagt: "Kein Wunder, du kennst ja auch nur drei Dimensionen, Länge, Breite, Höhe – mit einiger Anstrengung vielleicht auch vier, Länge, Breite, Höhe und Zeit – aber von den übrigen Dimensionen hast du keine Ahnung, damit bist du nicht aufgewachsen, und – womit man nicht aufgewachsen ist, damit hat man halt so seine Schwierigkeiten. Don't forget the Stäbchen and the Wanze!"
Das, was jetzt kommt, soll uns nicht die Krümmung der Linie, auch nicht die Krümmung der Fläche - damit sind wir aufgewachsen - sondern die Krümmung des Raumes plausibel machen.
Stellen wir uns vor, wir befinden uns in einem gläsernen Kasten, der sich mit konstanter Geschwindigkeit durch das Weltall bewegt. Innerhalb dieses Kastens bewegen wir uns von auf dem kürzesten Weg von A nach B. Die Linie von A nach B sehen wir als gerade Linie. Ein "ruhender" Beobachter, an dem wir gerade vorüber fliegen wird diese Linie zwar anders sehen – steiler oder weniger steil, aber er wird sie als gerade Linie sehen. achen wir das Ganze noch praktischer: Plattenwagen der Bundesbahn, 3 m breit, 20 m lang. Ein Fußgänger läuft diagonal von hinten rechts nach vorne links. Er braucht dafür 10 Sekunden. Der Zug fährt mit 20 m/s, ist also nach 10 Sekunden 200 m weiter. Der Fußgänger hat also für sich die Diagonale des Rechtecks von 3 m mal 20 m durchschritten. Für den "ruhenden" Beobachter war es aber die Diagonale des Rechtecks von 3 m mal 200 m, aber in beiden Fällen ist die Diagonale eine gerade Linie. Da wird nichts krumm.
Wie aber, wenn sich unser gläserner Kasten beschleunigt bewegt? Wir bewegen uns in dem Kasten geradlinig von A nach B. Da sich aber der Punkt B beschleunigt, also mit immer größer werdender Geschwindigkeit bewegt, sieht der äußere Beobachtet eine krumme Kurve (bei konstanter Beschleunigung eine Parabel). Auch hierfür wieder ein irdisches Beispiel: Ein Stein, den man in einem gläsernen ICE-Zug fallen lässt, fällt beschleunigt in einer geraden Linie zu Boden. Von außen betrachtet, beschreibt er jedoch eine Parabel!
Beschleunigungen verursachen also eine Krümmung der geraden Linie, und da drei gerade Linien den Raum beschreiben, verursachen Beschleunigungen also die Krümmung des Raumes.
Während wir es uns nun in unserem gläsernern Kasten gut gehen lassen, bemerken wir plötzlich, dass wir in die Sitze gedrückt werden. Also denken wir – wie in einem rasanten Sport-Cabrio sitzend – der Fahrer hat jetzt Gas gegeben, der Kapitän hat die Raketen gezündet. Nichts dergleichen! Hinter uns ist gerade ein Planet mit großer Masse vorbei geflogen. Der hat uns in die Sitze gedrückt. Was nun? Von Raketen beschleunigt, oder von Masse angezogen? Wir wissen es nicht. Beide Aussagen sind gleichwertig. Beschleunigung und Masse sind gleichwertig. Also, auch Masse verursacht eine Krümmung des Raumes. Damit hat auch der Raum zwar ein Volumen aber weder Anfang noch Ende – wie der Kreis zwar einen Umfang hat, aber weder Anfang noch Ende!
Das war Einsteins Allgemeine Relativitätstheorie in Kurzfassung.
So was gibt’s nur bei mir!
Während sich der materielle Bereich dadurch auszeichnet, dass sich alles im Laufe der Zeit infolge wirkender Naturgesetze verändert – pantha rhei – wie der Grieche sagt, alles fließt, alles ist im Fluss – bleibt im geistigen Bereich alles konstant. Es gibt nicht den geringsten Hinweis darauf, dass die Naturgesetze irgendwann einmal anders waren oder anders sein werden als sie jetzt sind. Es hat wohl auch noch nie jemand den Versuch unternommen, ein Naturgesetz zu verändern. Wenn sich wirklich irgendwann einmal ein Naturgesetz ändern sollte, also wenn irgendwann einmal zwei Massen sich abstoßen oder zwei gleichnamige Ladungen sich anziehen, dann würde dies wiederum durch ein Naturgesetz erfolgen. Wir sind lediglich in der Lage, die Naturgesetze zu unseren Gunsten oder Schaden auszunutzen. Jedes Lebewesen tut das, der Vogel, der Fisch, der Wurm, die Qualle, das Bakterium. Wir können die Schwerkraft des Wassers für Kraftwerke nutzen, wir können die Wechselwirkungen zwischen Magnetfeldern und elektrischen Ladungen nutzen, um Strom zu erzeugen. Wir können uns die Welt untertänig machen, aber die Naturgesetze bleiben – unveränderlich!
Jetzt komme ich zur Ewigkeit:
Alles im geistigen Bereich zeichnet sich durch Unveränderlichkeit und Ewigkeit aus. Ich habe einer hochgeschätzten Freundin schon einmal mit dem Eierkuchenrezept, das man in Bayern Pfannkuchenrezept nennt, widersprochen: Wenn jemand sich ein bestimmtes Kochrezept ausgedacht, aber niemandem erzählt hat und es mit ins Grab nimmt, dann wird trotzdem dieses Rezept existieren – auch, wenn es niemand kennt. Es ist nicht wesentlich, ob jemand davon Kenntnis hat, es ist wesentlich, das es das Rezept gibt! Das liegt im geistigen Bereich!
Erich Kästner:
Ein Mathematiker hat festgestellt, dass es allmählich an der Zeit sei,
eine stabile Kiste zu bauen, die einen Kilometer lang, hoch und breit sei.
In diesem einen Kubikkilometer hätte, behauptet er im wichtigsten Satz,
die gesamte heute lebende Menschheit (das waren zu Kästners Zeiten zwei Milliarden) Platz.
Man könnte also die Menschheit in diese Kiste steigen heißen
und dieselbe in einen der tiefsten Abgründe, zum Beispiel in den Kordilleren schmeißen.
Da lägen wir dann als würfelförmiges Paket,
und Gras würde über die Menschheit wachsen, und Sand würde darüber geweht.
Die Geier zögen kreischend ihre Kreise, die riesigen Städte stünden leer,
Die Menschheit läge in den Kordilleren, aber das wüsste dann niemand mehr.
Martin Walser hat in einem kürzlich erschienenen Buch einen Satz geprägt, von dem ich nicht sicher bin, ob er sich selbst der philosophischen Tragweite dieses Satzes bewusst ist. Er sagt:
"Alles, was einmal war, hört niemals auf, gewesen zu sein!"
Ich will das ganz deutlich machen:
Wenn unsere Erde in ungefähr zehn- oder Hundertmilliarden Jahren zusammen mit allen anderen Planeten unseres Planetensystems in die Sonne stürzen wird, und wenn die Sonne zusammen mit allen anderen Fixsternen unserer Galaxie in weiteren Billionen oder Trillionen Jahren in ein heute nur vermutetes zentrales schwarzes Loch stürzt, und wenn sich irgendwann alle schwarzen Löcher des Universums vereinigen und es zu einen erneuten gewaltigen Urknall kommt, dann wird immer noch die Tatsache, dass Fritz Dieter den Berliner Fernsehturm gebaut und Haralds Enkelin in der Nase gebohrt hat, nicht aus der Welt zu schaffen sein! Weil
alles, was einmal war, niemals aufhört, gewesen zu sein!
Ich habe am Anfang von drei Schlüsselerlebnissen gesprochen, und an dem dritten ist Helga Kirchhoff nicht ganz unschuldig – falsch! Daran ist sie schuld! Stichwort: Schläfenlappenepilepsie. Ob nun die medizinische Indikation in jedem der Fälle, die ich erwähnen möchte, stichhaltig ist, weiß ich nicht. Es gibt schließlich auch noch die Stirnlappenepilepsie, die Scheitellappenepilepsie, die Hinterhauptslappenepilepsie und noch etliche andere Formen aber mindestens als Synonym für gewisse Irritationen im menschlichen Gehirn ist dieser Begriff sehr gut zu gebrauchen.
Ich habe mir seit langem Gedanken darüber gemacht, wie man sich unter Berufung auf eine Autorität Gehör verschafft. Beruft man sich auf sich selbst, heißt es gewöhnlich "du hast mir überhaupt nichts zu sagen!" Beruft man sich auf die Eltern oder den Lehrer, heißt es "der kann viel erzählen!" Außerdem könnte der Lehrer das dementieren "so habe ich das nicht gemeint", also beruft man sich als Prophet auf Gott, denn erstens gibt es keine höhere Autorität, und zweitens kann der sich nicht wehren! Allerdings ist das nicht ganz ungefährlich, denn damit entzieht man den jeweils Herrschenden das Gegenargument und damit den Boden unter den Füßen, was sich natürlich die Herrschenden nicht ohne weiteres gefallen lassen. Moses und Mohamed scheinen einigermaßen Glück gehabt zu haben, aber Jesus und Jeanne d'Arc hat es kalt erwischt. Mir tun die Beiden heute noch leid. Konnten sie nicht einfach die Schnauze halten oder sich mit Notlügen aus der Affäre ziehen? Jeanne d'Arc hat man sogar die "Gnade" des Erstechens verweigert und sie im Namen des christlichen Glaubens bei lebendigen Leibe verbrannt, um sie später heilig zu sprechen – welche unglaubliche Scheinheiligkeit! Und warum weigerte sich Jesus nicht einfach, sein Kreuz zu tragen? Wenn er eh schon sterben muss, wäre das Erschlagen schneller gegangen. Man hätte ihn ja auch ertränken können, aber dann stünde heute in jedem bayerischen Klassenzimmer ein Aquarium!
Was von den Äußerungen der Propheten im Bewusstsein der heute "gläubigen" Menschen übrig geblieben ist, sind willkürliche Interpretationen zweifelhafter mündlicher Überlieferungen, die mit Religion nichts zu tun haben. Welcher Wahrheitsgehalt von mündlichen Überlieferungen nach mehreren "Generationen" übrig bleibt, das haben Psychologen längst getestet, zum Beispiel dadurch, dass man ein Bild beschreiben und diese Beschreibung von Person zu Person übertragen ließ und am Ende mit dem wirklichen Bild verglich. Die Wahrheit blieb bei solchen Experimenten auf der Strecke! Wenn nun am Ende das falsche Bild auch noch willkürlich doktrinär interpretiert wird, verwundert niemanden das Ergebnis. Dass Jesus das Ergebnis des Naturgesetzes, also Gottes Sohn war – wie wir alle Gottes Kinder sind – daran besteht kein Zweifel. Ob Joseph sein biologischer Vater war oder nicht, ist nicht so wichtig, das kommt schließlich in den besten Familien vor.
Allerdings haben sich trotz willkürlicher Interpretationen zweifelhafter
mündlicher Überlieferungen gewisse naturgesetzliche Wahrheiten erhalten. Zum Beispiel: "Du sollst den Feiertag heiligen". Natürlich braucht jeder Mensch Ruhepausen, in denen er sich erholen kann, sonst überlebt er nicht. Oder: "Du sollst gelegentlich fasten", denn überfressen schadet der Gesundheit. Oder im Islam: "Du sollst kein Schweinefleisch essen", denn das kann Trichinen enthalten, woran du sterben kannst. Dieses Gesetz ist in Mitteleuropa seit dem Schweinebeschau gegenstandslos geworden. Oder "Du sollst nicht stehlen, niemandem die Frau wegnehmen und nicht töten". Natürlich! Wohin käme eine Gesellschaft, wenn jeder stiehlt, dem Anderen seine Frau weg nimmt und jeder jeden tötet? Die Gesellschaft würde aufhören zu existieren. Im Grunde sind das Darwins Gesetze von der Erhaltung der Art. Dies alles hat mit Religion nicht das Geringste zu tun, wird aber als "Religion" verkauft!
Aber weiter mit der "Schläfenlappenepilepsie", und damit meine ich die Wenigen in der menschlichen Gesellschaft, die nicht richtig "ticken", die "nicht alle Tassen im Schrank haben" und damit entweder im Kleinen oder im Großen den Individuen oder der Gesellschaft großen Schaden zufügen.
Was hatte Alexander "der Große" in Asien verloren, was Dschingis Khan in Europa, was Gustav der 2. Adolf in Deutschland, was Napoleon oder Adolf Hitler in Russland? Wurde ihnen in ihrer Heimat das Wasser abgegraben? Hätte man in seiner Heimat ohne diese Aggressionen nicht auch glücklich überleben können? Aber ihre Gehirne tickten leider anders! Curd Götz nennt diese "Schläfenlappenepilepsie" in seinem Stück "Dr.med. Hiob Prätorius" die Mikrobe der menschlichen Dummheit, die offenbar nicht zu besiegen ist. Die "Großen" freilich nennen diese Mikrobe der menschlichen Dummheit großschnäuzig "Sendungsbewusstsein", vielleicht, weil sie damit den materiellen Bereich ins Geistige senden!
Ganz ähnlich geht es Sittlichkeitsverbrechern. Hierzu gibt es eine sehr einfache Überlegung: Wenn jemand eine unheilbare Krankheit bekommt, stirbt er daran. Der Kinderschänder stirbt nicht daran, obwohl er sollte. Wir dürfen ihn nicht zu Tode bringen, weil wir sein Leben nicht geschaffen haben – auch das gehört zur Religion – aber wir sollten ihn wenigstens der Gesellschaft fern halten, zum Schutze der Kinder, also zum Schutze der Gesellschaft.
Es sind immer nur prozentual sehr wenige Individuen, die an der "Schläfenlappenepilepsie" erkrankt sind, aber genau sie regieren die individuelle und gesellschaftliche Not unseres Lebens. Ebenso, wie wir nur vorhersagen können, mit welcher Wahrscheinlichkeit unser Kügelchen auf einer bestimmten Stelle der Hohlkugeloberfläche auftrifft, ebenso können wir höchstens voraussagen, mit welcher Wahrscheinlichkeit das Naturgesetz die "Schläfenlappenepilepsie" auslöst. Dort, wo das Kügelchen auftrifft, löst es ein Loch aus, das seinerseits auch eine Explosion auslösen könnte. So kann die "Schläfenlappenepilepsie" auch die Katastrophe auslösen – und hat es oft genug getan!
Es hat – sicher nicht nur in unserem Kulturkreis – eine Zeit gegeben, die sich Aufklärung nannte und im wesentlichen nach Ursache und Wirkung fragte. Keine Ursache ohne Wirkung, keine Wirkung ohne Ursache. Dem Mittelalter waren diese Gedanken weniger bekannt und wohl auch unsympathisch. Ich habe manchmal den Eindruck, dass wir uns von der Aufklärung allmählich entfernen und uns wieder dem Mittelalter nähern.
Die Attentäter des 17. Juli konnten sich aufgrund der militärischen Strukturen wenigstens eine kleine Wahrscheinlichkeit ausrechnen, Erfolg zu haben. Bei den Geschwistern Scholl war die Wahrscheinlichkeit praktisch null. Es blieben nur Mut und Ehre und zwei Tote. Es ist ebenso das Ergebnis kranker Gehirne zu meinen, dass man mit der Ermordung des Generalbundesanwalts das Establishment verändern könnte. Es ist ebenso das Ergebnis kranker Gehirne islamischer Selbstmörder zu meinen, man könnte mit seinen Verbrechen die "Ungläubigen" der westlichen Welt in die Knie zwingen. Und es ist ebenso das Ergebnis kranker Gehirne zu meinen, man könnte den islamischen Terrorismus mit militärischen Mitteln unter Kontrolle bekommen! Wer fragt hier nach den Ursachen, die es doch mit Sicherheit gibt? Manche Ursachen kennen wir nicht, dann bleibt uns nur das "dumme Gesicht". Wenn wir aber die Ursachen kennen und nichts dagegen tun, dann ist das ein Zeichen mangelnder Intelligenz, die Mikrobe der menschlichen Dummheit, genannt "Schläfenlappenepilepsie", denn Intelligenz zeichnet sich nicht dadurch aus, dass man keine Fehler macht, sondern nur dadurch, dass man die gleichen Fehler nicht wiederholt. Amen!
Der Arzt einer 90jährigen Patientin sagte zu ihr: "Gnädige Frau, sie wissen schon, dass der Sex mit ihrem 25jährigen Freund tödlich sein kann?" – "Na, und", sagte sie, "dann stirbt er eben".
Wären viele von uns fünf oder zehn Jahre früher geboren worden, wären die meisten von uns infolge des zweiten Weltkrieges seit mehr als 50 Jahren tot. Hätten sich meine Eltern nicht rechtzeitig scheiden lassen, hätte ich als Sohn eines Polizeibeamten in der DDR nicht studieren können. So gibt es im Leben eines jeden von uns ungezählte Ereignisse, die auch anders hätten ausgehen können. Dass sie für uns gut ausgegangen sind, dafür sollten wir d a n k b a r sein. Es war nicht unser Verdienst, aber es war auch nicht das Wohlwollen des Naturgesetzes. Es ist einfach so gekommen, wie es gekommen ist. Und wenn es anders gekommen wäre oder bei vielen auch anders gekommen ist, so müsste das auch in D e m u t ertragen werden. Es wäre – wie alles eine Folge des Naturgesetzes. Wohlgemerkt, nicht des strafenden Naturgesetzes und schon gar nicht sein unerforschlicher Ratschluss; denn das Naturgesetz ist so, wie es ist, nicht gut und nicht böse und es besitzt keinen Ratschluss.
Die Religion beschränkt sich auf vier persönliche Einstellungen:
1. Respekt vor dem Naturgesetz,
2. Dankbarkeit, wenn die Ereignisse zu unseren Gunsten geführt haben,
3. Zuversicht, dass alles gut wird,
4. Demut, wenn wir uns einen besseren Ausgang gewünscht hätten.
Ich bin noch nicht fertig, möchte aber das Bisherige zusammenfassen:
1.Gott ist Naturgesetz und Zufall
2. Glaube ist Erkenntnis,
3. Religion ist Respekt, Dankbarkeit,
Zuversicht und Demut.
Ich komme jetzt zu den Begriffen Unendlichkeit und Ewigkeit, die nun im Gegensatz zu dem Bisherigen ausschließlich im geistigen Bereich liegen, wobei die Ewigkeit der weitaus schwierigere Begriff ist.
Wir kennen ja die Paraphrase von der Ewigkeit, wonach einmal im Jahr ein Vogel seinen Schnabel am Fuße eines riesigen Berges wetzt. Wenn dadurch schließlich das Felsmassiv durchgewetzt ist und der Berg ins Meer stürzt, sei eine Sekunde der Ewigkeit vergangen. Der geniale Heinz Ehrhardt umschreibt dieses Ereignis allerdings etwas anders:
Hätte man sämtliche Berge der ganzen Welt
zusammengetragen und aufeinander gestellt,
und wäre zu Füßen dieses Massivs
ein riesiges Meer, ein breites und tiefs,
und stürzte dann unter Donnern und Blitzen
der Berg in dieses Meer - - - na, das würd' spritzen!
Die Ewigkeit hebe ich mir für später auf.
Unendlichkeit:
Ein Bakterium, also ein Stäbchen, kennt nur die erste Dimension, nämlich die Länge. Es marschiert immer geradeaus und findet sich schließlich da, wo es her gekommen ist. Das kann es nicht verstehen. Da kommt der Homo sapiens des Weges und sagt: "Du bist im Kreis gelaufen!"- "Das verstehe ich nicht", sagt das Stäbchen. "Das kannst du auch nicht verstehen", sagt der Homo, "du kennst ja die Breite nicht, kannst also die Krümmung Deines Weges nicht erfassen." – "Nun gut", sagt das Stäbchen, "dann mutiere ich eben zur Wanze. Eine Wanze hat eine Länge und eine Breite." – "Aber keine Höhe", dachte der Homo und setzte die Wanze auf den sein Wohnzimmer zierenden Globus. Die Wanze marschierte weder nach links noch nach rechts, sondern geradeaus auf einem Meridian entlang und kam schließlich dort an, wo sie gestartet war, was die Wanze nicht verstehen konnte. "Du bist auf einer gekrümmten Fläche entlang gelaufen", sagte der Homo, aber die Wanze hatte keine Lust, jetzt auch noch zum Homo zu mutieren.
Ein Kreis hat zwar einen endlichen Umfang, eine Kugel hat eine endliche Oberfläche, aber beide haben weder Anfang noch Ende, sind also unendlich! Wenn es nun um drei Dimensionen, also um den Raum geht, steht der Homo so dumm da wie das Stäbchen oder die Wanze. Er hat gemessen oder spekuliert, dass das Weltall einen Durchmesser von – ich weiß nicht wie viel mal 10 hoch – ich weiß nicht wie viel Lichtjahren hat und fragt sich, was ist dahinter? Was ist hinter dem Ende einer Kreislinie? Wenn etwas kein Ende hat, kann auch nichts dahinter sein! Warum geht das nicht in unseren Kopf? Da kommt der Super-Homo des Wegs und sagt: "Kein Wunder, du kennst ja auch nur drei Dimensionen, Länge, Breite, Höhe – mit einiger Anstrengung vielleicht auch vier, Länge, Breite, Höhe und Zeit – aber von den übrigen Dimensionen hast du keine Ahnung, damit bist du nicht aufgewachsen, und – womit man nicht aufgewachsen ist, damit hat man halt so seine Schwierigkeiten. Don't forget the Stäbchen and the Wanze!"
Das, was jetzt kommt, soll uns nicht die Krümmung der Linie, auch nicht die Krümmung der Fläche - damit sind wir aufgewachsen - sondern die Krümmung des Raumes plausibel machen.
Stellen wir uns vor, wir befinden uns in einem gläsernen Kasten, der sich mit konstanter Geschwindigkeit durch das Weltall bewegt. Innerhalb dieses Kastens bewegen wir uns von auf dem kürzesten Weg von A nach B. Die Linie von A nach B sehen wir als gerade Linie. Ein "ruhender" Beobachter, an dem wir gerade vorüber fliegen wird diese Linie zwar anders sehen – steiler oder weniger steil, aber er wird sie als gerade Linie sehen. achen wir das Ganze noch praktischer: Plattenwagen der Bundesbahn, 3 m breit, 20 m lang. Ein Fußgänger läuft diagonal von hinten rechts nach vorne links. Er braucht dafür 10 Sekunden. Der Zug fährt mit 20 m/s, ist also nach 10 Sekunden 200 m weiter. Der Fußgänger hat also für sich die Diagonale des Rechtecks von 3 m mal 20 m durchschritten. Für den "ruhenden" Beobachter war es aber die Diagonale des Rechtecks von 3 m mal 200 m, aber in beiden Fällen ist die Diagonale eine gerade Linie. Da wird nichts krumm.
Wie aber, wenn sich unser gläserner Kasten beschleunigt bewegt? Wir bewegen uns in dem Kasten geradlinig von A nach B. Da sich aber der Punkt B beschleunigt, also mit immer größer werdender Geschwindigkeit bewegt, sieht der äußere Beobachtet eine krumme Kurve (bei konstanter Beschleunigung eine Parabel). Auch hierfür wieder ein irdisches Beispiel: Ein Stein, den man in einem gläsernen ICE-Zug fallen lässt, fällt beschleunigt in einer geraden Linie zu Boden. Von außen betrachtet, beschreibt er jedoch eine Parabel!
Beschleunigungen verursachen also eine Krümmung der geraden Linie, und da drei gerade Linien den Raum beschreiben, verursachen Beschleunigungen also die Krümmung des Raumes.
Während wir es uns nun in unserem gläsernern Kasten gut gehen lassen, bemerken wir plötzlich, dass wir in die Sitze gedrückt werden. Also denken wir – wie in einem rasanten Sport-Cabrio sitzend – der Fahrer hat jetzt Gas gegeben, der Kapitän hat die Raketen gezündet. Nichts dergleichen! Hinter uns ist gerade ein Planet mit großer Masse vorbei geflogen. Der hat uns in die Sitze gedrückt. Was nun? Von Raketen beschleunigt, oder von Masse angezogen? Wir wissen es nicht. Beide Aussagen sind gleichwertig. Beschleunigung und Masse sind gleichwertig. Also, auch Masse verursacht eine Krümmung des Raumes. Damit hat auch der Raum zwar ein Volumen aber weder Anfang noch Ende – wie der Kreis zwar einen Umfang hat, aber weder Anfang noch Ende!
Das war Einsteins Allgemeine Relativitätstheorie in Kurzfassung.
So was gibt’s nur bei mir!
Während sich der materielle Bereich dadurch auszeichnet, dass sich alles im Laufe der Zeit infolge wirkender Naturgesetze verändert – pantha rhei – wie der Grieche sagt, alles fließt, alles ist im Fluss – bleibt im geistigen Bereich alles konstant. Es gibt nicht den geringsten Hinweis darauf, dass die Naturgesetze irgendwann einmal anders waren oder anders sein werden als sie jetzt sind. Es hat wohl auch noch nie jemand den Versuch unternommen, ein Naturgesetz zu verändern. Wenn sich wirklich irgendwann einmal ein Naturgesetz ändern sollte, also wenn irgendwann einmal zwei Massen sich abstoßen oder zwei gleichnamige Ladungen sich anziehen, dann würde dies wiederum durch ein Naturgesetz erfolgen. Wir sind lediglich in der Lage, die Naturgesetze zu unseren Gunsten oder Schaden auszunutzen. Jedes Lebewesen tut das, der Vogel, der Fisch, der Wurm, die Qualle, das Bakterium. Wir können die Schwerkraft des Wassers für Kraftwerke nutzen, wir können die Wechselwirkungen zwischen Magnetfeldern und elektrischen Ladungen nutzen, um Strom zu erzeugen. Wir können uns die Welt untertänig machen, aber die Naturgesetze bleiben – unveränderlich!
Jetzt komme ich zur Ewigkeit:
Alles im geistigen Bereich zeichnet sich durch Unveränderlichkeit und Ewigkeit aus. Ich habe einer hochgeschätzten Freundin schon einmal mit dem Eierkuchenrezept, das man in Bayern Pfannkuchenrezept nennt, widersprochen: Wenn jemand sich ein bestimmtes Kochrezept ausgedacht, aber niemandem erzählt hat und es mit ins Grab nimmt, dann wird trotzdem dieses Rezept existieren – auch, wenn es niemand kennt. Es ist nicht wesentlich, ob jemand davon Kenntnis hat, es ist wesentlich, das es das Rezept gibt! Das liegt im geistigen Bereich!
Erich Kästner:
Ein Mathematiker hat festgestellt, dass es allmählich an der Zeit sei,
eine stabile Kiste zu bauen, die einen Kilometer lang, hoch und breit sei.
In diesem einen Kubikkilometer hätte, behauptet er im wichtigsten Satz,
die gesamte heute lebende Menschheit (das waren zu Kästners Zeiten zwei Milliarden) Platz.
Man könnte also die Menschheit in diese Kiste steigen heißen
und dieselbe in einen der tiefsten Abgründe, zum Beispiel in den Kordilleren schmeißen.
Da lägen wir dann als würfelförmiges Paket,
und Gras würde über die Menschheit wachsen, und Sand würde darüber geweht.
Die Geier zögen kreischend ihre Kreise, die riesigen Städte stünden leer,
Die Menschheit läge in den Kordilleren, aber das wüsste dann niemand mehr.
Martin Walser hat in einem kürzlich erschienenen Buch einen Satz geprägt, von dem ich nicht sicher bin, ob er sich selbst der philosophischen Tragweite dieses Satzes bewusst ist. Er sagt:
"Alles, was einmal war, hört niemals auf, gewesen zu sein!"
Ich will das ganz deutlich machen:
Wenn unsere Erde in ungefähr zehn- oder Hundertmilliarden Jahren zusammen mit allen anderen Planeten unseres Planetensystems in die Sonne stürzen wird, und wenn die Sonne zusammen mit allen anderen Fixsternen unserer Galaxie in weiteren Billionen oder Trillionen Jahren in ein heute nur vermutetes zentrales schwarzes Loch stürzt, und wenn sich irgendwann alle schwarzen Löcher des Universums vereinigen und es zu einen erneuten gewaltigen Urknall kommt, dann wird immer noch die Tatsache, dass Fritz Dieter den Berliner Fernsehturm gebaut und Haralds Enkelin in der Nase gebohrt hat, nicht aus der Welt zu schaffen sein! Weil
alles, was einmal war, niemals aufhört, gewesen zu sein!
Ich habe am Anfang von drei Schlüsselerlebnissen gesprochen, und an dem dritten ist Helga Kirchhoff nicht ganz unschuldig – falsch! Daran ist sie schuld! Stichwort: Schläfenlappenepilepsie. Ob nun die medizinische Indikation in jedem der Fälle, die ich erwähnen möchte, stichhaltig ist, weiß ich nicht. Es gibt schließlich auch noch die Stirnlappenepilepsie, die Scheitellappenepilepsie, die Hinterhauptslappenepilepsie und noch etliche andere Formen aber mindestens als Synonym für gewisse Irritationen im menschlichen Gehirn ist dieser Begriff sehr gut zu gebrauchen.
Ich habe mir seit langem Gedanken darüber gemacht, wie man sich unter Berufung auf eine Autorität Gehör verschafft. Beruft man sich auf sich selbst, heißt es gewöhnlich "du hast mir überhaupt nichts zu sagen!" Beruft man sich auf die Eltern oder den Lehrer, heißt es "der kann viel erzählen!" Außerdem könnte der Lehrer das dementieren "so habe ich das nicht gemeint", also beruft man sich als Prophet auf Gott, denn erstens gibt es keine höhere Autorität, und zweitens kann der sich nicht wehren! Allerdings ist das nicht ganz ungefährlich, denn damit entzieht man den jeweils Herrschenden das Gegenargument und damit den Boden unter den Füßen, was sich natürlich die Herrschenden nicht ohne weiteres gefallen lassen. Moses und Mohamed scheinen einigermaßen Glück gehabt zu haben, aber Jesus und Jeanne d'Arc hat es kalt erwischt. Mir tun die Beiden heute noch leid. Konnten sie nicht einfach die Schnauze halten oder sich mit Notlügen aus der Affäre ziehen? Jeanne d'Arc hat man sogar die "Gnade" des Erstechens verweigert und sie im Namen des christlichen Glaubens bei lebendigen Leibe verbrannt, um sie später heilig zu sprechen – welche unglaubliche Scheinheiligkeit! Und warum weigerte sich Jesus nicht einfach, sein Kreuz zu tragen? Wenn er eh schon sterben muss, wäre das Erschlagen schneller gegangen. Man hätte ihn ja auch ertränken können, aber dann stünde heute in jedem bayerischen Klassenzimmer ein Aquarium!
Was von den Äußerungen der Propheten im Bewusstsein der heute "gläubigen" Menschen übrig geblieben ist, sind willkürliche Interpretationen zweifelhafter mündlicher Überlieferungen, die mit Religion nichts zu tun haben. Welcher Wahrheitsgehalt von mündlichen Überlieferungen nach mehreren "Generationen" übrig bleibt, das haben Psychologen längst getestet, zum Beispiel dadurch, dass man ein Bild beschreiben und diese Beschreibung von Person zu Person übertragen ließ und am Ende mit dem wirklichen Bild verglich. Die Wahrheit blieb bei solchen Experimenten auf der Strecke! Wenn nun am Ende das falsche Bild auch noch willkürlich doktrinär interpretiert wird, verwundert niemanden das Ergebnis. Dass Jesus das Ergebnis des Naturgesetzes, also Gottes Sohn war – wie wir alle Gottes Kinder sind – daran besteht kein Zweifel. Ob Joseph sein biologischer Vater war oder nicht, ist nicht so wichtig, das kommt schließlich in den besten Familien vor.
Allerdings haben sich trotz willkürlicher Interpretationen zweifelhafter
mündlicher Überlieferungen gewisse naturgesetzliche Wahrheiten erhalten. Zum Beispiel: "Du sollst den Feiertag heiligen". Natürlich braucht jeder Mensch Ruhepausen, in denen er sich erholen kann, sonst überlebt er nicht. Oder: "Du sollst gelegentlich fasten", denn überfressen schadet der Gesundheit. Oder im Islam: "Du sollst kein Schweinefleisch essen", denn das kann Trichinen enthalten, woran du sterben kannst. Dieses Gesetz ist in Mitteleuropa seit dem Schweinebeschau gegenstandslos geworden. Oder "Du sollst nicht stehlen, niemandem die Frau wegnehmen und nicht töten". Natürlich! Wohin käme eine Gesellschaft, wenn jeder stiehlt, dem Anderen seine Frau weg nimmt und jeder jeden tötet? Die Gesellschaft würde aufhören zu existieren. Im Grunde sind das Darwins Gesetze von der Erhaltung der Art. Dies alles hat mit Religion nicht das Geringste zu tun, wird aber als "Religion" verkauft!
Aber weiter mit der "Schläfenlappenepilepsie", und damit meine ich die Wenigen in der menschlichen Gesellschaft, die nicht richtig "ticken", die "nicht alle Tassen im Schrank haben" und damit entweder im Kleinen oder im Großen den Individuen oder der Gesellschaft großen Schaden zufügen.
Was hatte Alexander "der Große" in Asien verloren, was Dschingis Khan in Europa, was Gustav der 2. Adolf in Deutschland, was Napoleon oder Adolf Hitler in Russland? Wurde ihnen in ihrer Heimat das Wasser abgegraben? Hätte man in seiner Heimat ohne diese Aggressionen nicht auch glücklich überleben können? Aber ihre Gehirne tickten leider anders! Curd Götz nennt diese "Schläfenlappenepilepsie" in seinem Stück "Dr.med. Hiob Prätorius" die Mikrobe der menschlichen Dummheit, die offenbar nicht zu besiegen ist. Die "Großen" freilich nennen diese Mikrobe der menschlichen Dummheit großschnäuzig "Sendungsbewusstsein", vielleicht, weil sie damit den materiellen Bereich ins Geistige senden!
Ganz ähnlich geht es Sittlichkeitsverbrechern. Hierzu gibt es eine sehr einfache Überlegung: Wenn jemand eine unheilbare Krankheit bekommt, stirbt er daran. Der Kinderschänder stirbt nicht daran, obwohl er sollte. Wir dürfen ihn nicht zu Tode bringen, weil wir sein Leben nicht geschaffen haben – auch das gehört zur Religion – aber wir sollten ihn wenigstens der Gesellschaft fern halten, zum Schutze der Kinder, also zum Schutze der Gesellschaft.
Es sind immer nur prozentual sehr wenige Individuen, die an der "Schläfenlappenepilepsie" erkrankt sind, aber genau sie regieren die individuelle und gesellschaftliche Not unseres Lebens. Ebenso, wie wir nur vorhersagen können, mit welcher Wahrscheinlichkeit unser Kügelchen auf einer bestimmten Stelle der Hohlkugeloberfläche auftrifft, ebenso können wir höchstens voraussagen, mit welcher Wahrscheinlichkeit das Naturgesetz die "Schläfenlappenepilepsie" auslöst. Dort, wo das Kügelchen auftrifft, löst es ein Loch aus, das seinerseits auch eine Explosion auslösen könnte. So kann die "Schläfenlappenepilepsie" auch die Katastrophe auslösen – und hat es oft genug getan!
Es hat – sicher nicht nur in unserem Kulturkreis – eine Zeit gegeben, die sich Aufklärung nannte und im wesentlichen nach Ursache und Wirkung fragte. Keine Ursache ohne Wirkung, keine Wirkung ohne Ursache. Dem Mittelalter waren diese Gedanken weniger bekannt und wohl auch unsympathisch. Ich habe manchmal den Eindruck, dass wir uns von der Aufklärung allmählich entfernen und uns wieder dem Mittelalter nähern.
Die Attentäter des 17. Juli konnten sich aufgrund der militärischen Strukturen wenigstens eine kleine Wahrscheinlichkeit ausrechnen, Erfolg zu haben. Bei den Geschwistern Scholl war die Wahrscheinlichkeit praktisch null. Es blieben nur Mut und Ehre und zwei Tote. Es ist ebenso das Ergebnis kranker Gehirne zu meinen, dass man mit der Ermordung des Generalbundesanwalts das Establishment verändern könnte. Es ist ebenso das Ergebnis kranker Gehirne islamischer Selbstmörder zu meinen, man könnte mit seinen Verbrechen die "Ungläubigen" der westlichen Welt in die Knie zwingen. Und es ist ebenso das Ergebnis kranker Gehirne zu meinen, man könnte den islamischen Terrorismus mit militärischen Mitteln unter Kontrolle bekommen! Wer fragt hier nach den Ursachen, die es doch mit Sicherheit gibt? Manche Ursachen kennen wir nicht, dann bleibt uns nur das "dumme Gesicht". Wenn wir aber die Ursachen kennen und nichts dagegen tun, dann ist das ein Zeichen mangelnder Intelligenz, die Mikrobe der menschlichen Dummheit, genannt "Schläfenlappenepilepsie", denn Intelligenz zeichnet sich nicht dadurch aus, dass man keine Fehler macht, sondern nur dadurch, dass man die gleichen Fehler nicht wiederholt. Amen!
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