Die teilweise über 20 Minuten langen Titel dieser Phase sind mittels übergreifender musikalischer Gestaltungsmerkmale und Bögen konstruiert. ?Daß die Pink Floyd im Widerspruch zur Avanciertheit ihrer elektronischen Mittel an simplern, konventionellen Mustern wie dem der symmetrischen Periodizität festhalten,? in: Hans-Jürgen Feurich: Warengeschichte und Rockmusik. In: Wolfgang Sandner (Hrsg.): Rockmusik ? Aspekte zur Geschichte, Ästhetik, Produktion. Schott, Mainz 1977, ISBN 3-7957-2049-4, Seite 77 So entfaltet sich zum Beispiel Echoes aus der einfachsten denkbaren musikalischen Keimzelle, einem Einzelton. Über ein im Klang eines Echolotes mehrmals (vom Flügel über ein Leslie-Cabinet geleitetes), wiederholtes dreigestrichenes H entfalten sich sukzessive die ersten beiden Dreiklänge (cis-Moll und gis-Moll) des Songs (). Parallel dazu ist die Instrumentierung gestaltet. Nacheinander treten Bass, Schlagzeug, und weitere Keyboardklänge, sowie der Gesang hinzu. Der Titel weist einegroßformale Dreiteilung auf, in der zwei harmonisch eher konventionell gestaltete Teile einen klangmalerischen, hauptsächlich aus Geräuschen gebildeten Mittelteil umschließen. Cliff Jones: Echoes ? Die Geschichte hinter jedem Pink Floyd Song 1967?1995, Edition Olms, Zürich, 1996, ISBN 3-283-00339-4, Seite 108 Die dynamische Entwicklung, welche sich erst gegen Ende mit einem ?kräftigeren Schlagzeug? zu Wort meldet, unterstützt diesen Prozess zusätzlich.
Die angesprochenen vielfältigen Gestaltungmittel dieser Phase werden mit einer gegenüber der psychedelischen Phase einfachereren Harmonik ausgeglichen. So beruht der vokale Teil von Echoes auf einer ?herkömmlichen? aus reinen Dreiklängen bestehenden Akkordfolge: Cis-Moll ? Gis-Moll ? Fis-Moll ? Gis-Dur ? Cis-Dur ? Gis-Dur ? Fis-Moll ? Gis-Dur, einer Rückung nach A-Dur, und wieder Cis-Moll ().

?Aufs Ganze gesehen klingt die Pink Floyd-Musik kaum anders, als wenn man eine Violinsonate aus dem 19. Jahrhundert auf der Hammondorgel spielt.?von Barry Graves, Siegfred Schmidt-Joos: Rocklexikon. Band 2. Seite 616
Es erfolgt eine bewusste Anlehnung an klassische Formen und Ästhetik, wie auf Atom Heart Mother. Hier wird zum Beispiel die über einfachen Dreiklängen aufgebaute Kantilene der Viola in Father's Shout des gleichnamigen Titelsongs mit einfachen, gebrochenen Dreiklängen begleitet. Dennoch sind auch in dieser Phase harmonisch gewagtere Teile in die Titel eingebaut. So wird die aufwärts gerichtete, diatonisch klare Bläserlinie des Anfangs von Atom Heart Mother () später mit einer chromatischen, in Quarten und Quinten begleiteten, atonal wirkenden Linie beantwortet. Der besondere Reiz des gesamten Stückes entsteht dabei durch das Zusammenspiel eines klassisch instrumentierten Orchesters und den Instrumenten einer Rockband sowie des experimentellen Vokaleinsatzes eines Chores.
• 1970 ? Atom Heart Mother
• 1971 ? Meddle
• 1972 ? Obscured by Clouds (Soundtrack) (Übergang)
Klassische Phase
Es entstanden drei erste Konzeptalben, welche nicht aus einzelnen Titeln bestanden, sondern diese in einem übergreifenden Kontext miteinander zusammenführten. David Gilmour emanzipierte sich gegenüber Roger Waters durch sein Melodiespiel und seine prägnanten Motiv (Shine on You Crazy Diamond). Meilensteine sind dabei die Alben Dark Side of the Moon und Wish You Were Here. Die Musik vereint die bewährten, ?flächigen Elemente? der programmatischen Phase, wie in Breathe (Reprise) oder Shine on You Crazy Diamond (Part 1) mit härteren, durch die E-Gitarre geprägten, deutlicher am Rock orientierteren Songs, wie in Time, Money () oder Pigs (three different ones). Der Einsatz von Clare Torrys ekstatischem Gesang auf The Great Gig in the Sky, sowie leichte Jazzeinflüsse durch Dick Parrys Saxophon auf Money, Us and Them, und Shine on You Crazy Diamond (Part 5) () verleihen der Musik eine stärkere ?emotionale Direktheit?. thumb|center|550px|Wechsel von Fis zu F in Pink Floyds Titel Brain Damage

Trotzdem werden die unterschiedlichen Einzeltitel durch übergreifende musikalische Strukturen zusammengehalten. So wird The Dark Side of the Moon trotz seiner musikalischen Vielfalt durch übergreifende strukturelle Bande vereint. Der hervorstechende Halbtonschritt vom Fis zum F ist ein durchgehendes Charakteristikum vieler Songs. Das Intervall des Tetrachords in auf- und absteigender Form ist ebenso eine die einzelnen Songs verbindende Klammer. Er erscheint in Breathe, Us and Them, und im Passacaglia-Bass von Eclipse. Shaugn O'Donnell in: On the path ? Tracing tonal coherence in Dark Side of the Moon. Hrsg.: Russell Reising (Hrsg.). Speak to Me: The Legacy of Pink Floyd's The Dark Side of the Moon. Ashgate, Burlington, VT, 2004, ISBN 0754640183: ?The Dark Side of the Moon is more than a collection of independent rock songs linked by related literary themes and cobbled together with slick production. In the foreground, the F#-F motif binds all eight songs together. This is more than a shared characteristic, as the motivic role of F#-F evolves from accompaniment ('Breathe') to lead vocal melody ('Brain Damage'). over the course of the album. The ubiquitous dorian progression of 'Breathe' also unifies the work, occuring in five of the eight songs, as well as in one of the instrumental tracks. This is also more process than trait, as the progression moves through a series of transpositions and reinterpretations from E dorian in 'Breathe' and 'Breath (Reprise)', through F major and G dorian in 'The Great Gig in the Sky"' through D dorian in 'Any Colour You Like' and finally reaching D major in 'Brain Damage'. Similarly, middleground associations play an important role in the musical continutity. Most significant among these relations are the phrases of the descending 'Breathe' tetrachord as it projects D major throughout the album. It travels its own path of expansion in 'Breathe (Reprise)', inversion in 'Us and Them', and finally complementation and completion as it keeps 'the loonies on the path' in 'Brain Damage'. At that point it migrates to become, in minor form, the bass line for the 'Eclipse' passacaglia. The simplicity of each song's individual melodic line coalesces into a single cohesive musical gesture.? thumb|center|450px|Passacaglia-Bass aus Pink Floyds Titel Eclipse

Das ?aggressiv wirkende? Album Animals gilt trotz der ?ausufernden Länge? seiner Songs mit seinem rauhen, anstatt von Keyboards mehr von E-Gitarren geprägtem Sound (), eher als Übergangswerk zur folgenden Phase.
• 1973 ? Dark Side of the Moon
• 1975 ? Wish You Were Here
• 1977 ? Animals
?Intellektuelle? Phase
Diese Phase wurde von Roger Waters dominiert, wobei Gilmour aber zunächst noch wichtige Beiträge leistete. Die Texte und das intellektuelle Konzept erhielten eine deutliche Aufwertung, allerdings bemängelten Kritiker dieser Phase, dass dies letztlich auf Kosten der Ästhetik geschehen sei. Dennoch wird das Doppelalbum The Wall mit seinen vergleichsweise prägnanten Songs von vielen neben Dark Side of the Moon und Wish You Were Here zu den drei ?klassischen? und wichtigsten Alben der Band gezählt. Zwecks adäquater Darstellung der Textaussagen bedient sich die Band auf diesem 1979 entstandenen Werk unterschiedlichster musikalischer Mittel und Stile. Gewohnt orchestral wirkenden Titeln wie Comfortably Numb stehen rock- und hardrockorientierte Songs wie Young Lust, Run Like Hell oder The Happiest Days of our Lives gegenüber. Das als Single veröffentlichte Another Brick in the Wall (Part II), der erfolgreichste Song der Bandgeschichte, greift Einflüsse aus der damaligen Tanzmusik auf. Dazu treten mit akustischen Instrumenten sparsam besetzte Ballade wie z. B. Nobody Home. Dieses von Randy Newman inspirierte Lied, zu dem erst im weiteren Verlauf Streicher hinzutreten, beginnt passend zu der textlichen Aussage von Einsamkeit und Isolation allein mit Klavier und Waters? Gesang ().

Musikalische Parodie ist ein weiteres Gestaltungsmittel. So wird die Anklage gegenüber der ?klammernden Mutter? in Mother musikalisch mit einfachen im Wandergitarrenstil gehaltenen Akkorden konterkariert. Auf Bring the Boys back Home wird die pazifistische Textaussage durch aus der Militärmusik entlehnten Snare-Drum-Rhythmen, Bläser und ?Massenchöre? ad absurdum geführt. Im an die komische Oper von Gilbert und Sullivan erinnernden Finale The Trial singt Waters zu Orchesterbegleitung. Nicholas Schaffner: Pink Floyd ? Vom Underground zur Supergroup. Heyne, München 1994, ISBN 3-453-07526-9, Seite 314

Eine Unterordnung der Musik unter die Botschaft macht sich erst bei The Final Cut deutlich bemerkbar, welches inmitten des Kalten Krieges mit einer deutlichen Antikriegsbotschaft veröffentlicht wurde und deutliche Bezüge zum Falklandkrieg enthält. Was auf The Wall noch gelang, missglückte nun nach Ansicht der meisten Kritiker. Dies zeigt sich hier in der rezitativischen Deklamation von Texten über einem reduzierten Fundament von langsam wechselnden Harmonien, Basstönen und Geräuschen, wie in Paranoid Eyes oder The Post War Dream () wobei die Musik fast nur noch einen ?Hintergrund (Background)? für die textliche Botschaft bildet. ?Doch da Gilmours Beitrag nun nicht mehr erwünscht war, bot The Final Cut eine schlechtere musikalische Qualität als alles, was Pink Floyd vorher aufgenommen hatten; nur dass die Monotonie nun nicht mehr aus sphärischer Berieselungsmusik, sondern aus dröhnenden Antikriegsseiten bestand.? Aus: Nicholas Schaffner: Pink Floyd ? Vom Underground zur Supergroup. Heyne, München 1994, ISBN 3-453-07526-9, Seite 352 Das Album ist dabei ruhiger ausgerichtet und weniger an Rockmusik orientiert als seine Vorgänger.

Mit dem Ausstieg von Roger Waters aufgrund von künstlerischen Differenzen mit David Gilmour und Nick Mason endete diese Phase. Von manchen Kritikern wird das Album The Final Cut auch als das erste Soloalbum von Waters angesehen, bei dem die anderen Mitglieder nur noch als ?Gastmusiker? auftraten, was sich auch auf der Rückseite des Covers niederschlägt: The Final Cut ? a Requiem for the post war dream by Roger Waters. Performed by Pink Floyd.
• 1979 ? The Wall
• 1983 ? The Final Cut
Nach-Waters-Phase
Ohne Roger Waters wurde die Band hauptsächlich von Gilmour geprägt und veröffentlichte mit großem kommerziellen Erfolg zwei weitere Alben, A Momentary Lapse of Reason und The Division Bell, sowie zwei Live-Alben aus den begleitenden Tourneen. Diese stellen in Abwendung von The Wall und The Final Cut eine allerdings heutzutage kaum noch als innovativ "Hifi Vision schrieb zu A Momentary Lapse of Reason: ?In der Vielfalt der Sounds und Stimmungen knüpfte das Album an die äußerst fruchtbare Periode von 1975 bis 1978 an, und abgesehen von ein oder zwei Längen gibt es hier keine peinlichen Ausrutscher. Wohl wahr, daß Gilmour und Mason sich einfach weitgehend auf den bewährten Sound von früher verlassen ? doch mit so vielen starken Song-Ideen haben sie es auch nicht nötig, sich dem Zeitgeschmack anzubiedern?.
Unverändert voluminös präsentierten sich Pink Floyd Anfang 1994 auf der LP The Division Bell, deren Erscheinen von gewaltigen Werbekampagnen begleitet wurde. Der Sound und seine zahllosen elektronischen Spielereien eigneten sich am besten für Hifi-Fanatiker. Pink Floyd waren endgültig zu Rock-Dinosauriern mutiert; die ?Zukunft des Rock? (Musik Express) war in die Jahre gekommen. zu bezeichnende Synthese zwischen der ?programmatischen? und ?klassischen Phase? ihrer früheren Musik dar. "Musically, Gilmour, Nick Mason, and Wright have largely turned the clock back to the pre-Dark Side of the Moon Floyd, with slow tempos, sustained keyboard chords, and guitar solos with a lot of echo."

1987 ? A Momentary Lapse of Reason
1994 ? The Division Bell
Konzertalben
• 1988 ? Delicate Sound of Thunder; Live-Album aus der A-Momentary-Lapse-of-Reason-Tour
• 1995 ? P.U.L.S.E; Live-Album aus der The-Division-Bell-Tour
• 2000 ? Is There Anybody Out There? The Wall Live 1980-81; Live-Version des Albums The Wall, aufgenommen 1980/81
Kompilationen, Videos und DVDs
• 1976 ? Masters of Rock, Compilation, Vinyl, nur Italien
• 1981 ? A Collection of Great Dance Songs, Compilation, Money re-recorded
• 1983 ? Works, Compilation, nur USA
• 1982 ? The Wall, Video-CD, beinhaltet auf 2 CDs den Kinofilm
• 1988 ? Delicate Sound of Thunder, live VHS-Video und Video-CD
• 1992 ? La Carrera Panamericana, VHS-Video
• 1992 ? Shine On, Compilation, CD-Box mit 9 CDs
• 1992 ? The Early Singles, Zusammenstellung der frühen Singles und als Zusatz in der Shine On-Box
• 1993 ? Dark Side of the Moon - 20th Anniversary Edition, digitally remastered 1992
• 1995 ? P.U.L.S.E, live VHS-Video
• 2000 ? Is There Anybody Out There?, The Wall Live 1980?1981
• 2001 ? Echoes, Doppel-CD Best-of-Compilation
• 2003 ? Live at Pompeii, Langfassung, neu geschnitten und zusätzliche Interviews, DVD
• 2003 ? Dark Side of the Moon - 30th Anniversary, Super Audio CD (SACD) in Hybrid-Version
• 2003 ? Pink Floyd ? The Making of Dark Side of the Moon, Dokumentation mit aktuellen Interviews, DVD
• 2003 ? The Pink Floyd and Syd Barrett Story, DVD
• 2005 ? Pink Floyd ? London 66 / 67, DVD und CD, Zeitdokument
• 2006 ? P.U.L.S.E, Video-CD und DVD
• 2007 - The Piper at the Gates of Dawn - 40th Anniversary limited edition, 3CD-Boxset, Stereo- und Monoabmischung, Zusammenstellung der frühen Singles, Alternativversionen
• 2007 - Oh By The Way Box Set von 14 Alben lim. auf 10.000 Stück
Frühe Singles
• 1967 ? Arnold Layne / Candy and a Currant Bun
• 1967 ? See Emily Play / Scarecrow
• 1967 ? Apples and Oranges / Paintbox
• 1968 ? It Would Be So Nice / Julia Dream
• 1968 ? Point Me at the Sky / Careful With That Axe, Eugene
Alle Bandmitglieder haben auch Soloalben veröffentlicht, denen unterschiedlicher Erfolg beschieden war.
Triviales
• Das Stück Echoes von der CD Meddle ist auf Bowmans psychedelische Reise in Stanley-Kubrick-Films Odyssee im Weltraum abgestimmt.
• Einige Floyd-Alben sind nach Art einer Endlosschleife konstruiert: Sie beginnen so, wie sie aufhören. Dark Side of the Moon beginnt und endet mit einem Herzklopfen. In Wish You Were Here steht ein lange gehaltener Keybordakkord an Anfang und Ende. Animals wird von zwei Versionen des Stücks Pigs on the Wing umrahmt. In der seinerzeit auf Tonband veröffentlichten Version wurden beide Teile durch ein vom Tourgitarristen Snowy White gespieltes Gitarrensolo verknüpft. Bei The Wall können Ende und Anfang des Werkes nahtlos aneinandergesetzt werden: Die am Ende des Albums gesprochenen Worte ?Isn?t this where ?? (?Ist es nicht das, wo ??) fügen sich dann an die am Beginn stehenden Worte ?? we came in?? (?? wir hereingekommen sind??). Eine andere Art der Endlosschleife enthielt das Vinyl-Album Atom Heart Mother. Der letzte Song der zweiten Seite, Alan's Psychedelic Breakfast, endet mit dem Geräusch eines tropfenden Wasserhahns. Die Auslaufrille der Albumseite war so beschaffen, dass der Tonarm des Plattenspielers immer wieder auf die letzte Tonrille zurückgeführt wurde, so dass sich das Geräusch des tropfenden Wasserhahns (prinzipiell) endlos lang wiederholte.
• Mit der Covergestaltung hatte die Band bereits ab dem zweiten Album den britischen Designer Storm Thorgerson und seine Firma Hipgnosis beauftragt, die nur bei den Alben The Wall und The Final Cut nicht zum Zug gekommen sind. Auf deren geistige Schöpfung geht auch der Protagonist des Albumcovers zu Animals von 1977 zurück, der daraufhin, neben der runden Riesenleinwand auf der Bühne, zu einem Markenzeichen für Pink-Floyd-Liveauftritte werden sollte: Ein schwebendes, zwölf Meter großes, aufblasbares Schwein. Das Schwein kam in die Presse, nachdem es sich bei den Aufnahmen für das Cover von der Battersea Power Station losriss und vom Wind über den Flughafen London-Heathrow getrieben wurde, was für einige Aufregung bei den zuständigen Fluglotsen führte. Dreißig Kilometer südöstlich von London stürzte das Schwein dann vom Himmel.


Fortsetzung folgt