Kollier ist Schmuck.

Und Schmuck dient der äußerlichen Aufwertung der Person.

Und das gab es schon in der Steinzeit und wird es geben, solange der Mensch existiert.

 Also, was soll man davon halten?

 Man müßte dann die ganze Menschheit verurteilen.

Wir können auf jeden Fall sagen, je mehr Schmuck jemand trägt, desto mehr hat er zu verstecken,

oder glaubt es verstecken zu müssen - manchmal irrtümlich.

Desto weniger Vertrauen hat die Person in sich selbst.

Desto mehr Minderwertigkeitskomplexe hat sie.

 Wer ist wertvoller?

für meinen Geschmack, die Person, die Selbstvertrauen hat.

Und die mit Schmuck behängten, die sollte man eigentlich nicht beneiden, sondern bedauern.

Weil sie "sowenig Mensch" haben.

Arme Leute.


Andererseits ist ein Mensch der gar keinen Schmuck hat und somit nur Selbstvertrauen auch unsympathisch. Man bekommt Angst vor soviel Selbstvertrauen.

Und die Menschen werden sich verstecken, abwenden, oder anschleimen.

Beides wollen wir nicht.

Und somit sind solche Leute auch wieder zu bedauern.

A bisserl Schmuck braucht ma scho, gell?

Der Goldene Mittelweg ist wohl hier auch wieder angebracht.

 Ein Kollier ist schön, teuer und wertvoll.

Aber wenn der Mensch dahinter es nicht ist, hilft nicht das schönste Kollier.

Die Lüge kommt einmal heraus. Es sollte zur Unterstreichung von Vorhandenem dienen.

Dann ist es wertgerecht. Nicht als Aufwertung der Person selbst. Wie es in der Regel gesehen wird.

Drum trage es – aber füll es mit Leben. Sodaß du es auch ablegen kannst.

Und die Schönheit bleibt. Womöglich noch schöner als mit Kollier?

 Viele Menschen tragen ein Collier aus Menschen.

Sie benutzen Menschen, um die Leere, die sie an dieser Stelle selbst haben durch den anderen zu füllen. Ich meine damit z. B.

den Bourgoisen der den Künstler „trägt“.
Den Einfältigen, der den Klugen „trägt“.
Den Mittelmäßigen, der den Herausragenden „trägt“.

Egal in welchem Fach, welcher Fähigkeit oder welcher menschlichen Eigenschaft. 

Fällt er weg, so ist die Leere wieder da. Also zunächst ist diese Verhaltensweise abzulehnen. Klar. Habe ich auch viele Jahre getant. Doch ich bin mittlerweile geneigt, dieses Urteil zu revidieren. Und zwar aus folgenden Überlegungen heraus:

Wer kommt so perfekt auf die Welt, daß er kein „Kollier“ braucht?

Ich denke niemand. Es gibt Starke und Schwache. Wären die Schwachen, die versuchen ein Kollier zu tragen alle abzulehen? Ich wage nicht weiterzudenken wie das enden würde! Wir müßten uns alle hinrichten. Den Starken ein bißchen weniger, den Schwachen ein bißchen mehr. Aber hinrichten bleibt hinrichten.

Ein Kollier kann nützlich sein.

Um dahinter eine eigene Schönheit aufzubauen. Wie ein Paravent.

Im Lexikon steht für Paravent „Windabweiser“. Erweitert wird er verwendet als „Blickabweiser“. Er schützt. Ich möchte den Begriff noch weiter ausdehnen als Schutz gegen die Stürme des Lebens. Und so etwas brauchen wir. Dahinter können wir uns aufbauen. Stark werden. Nur wir sollten das auch tun, und nicht einfach nur dahinter stehen und warten.

Und danach? Wenn wir stark sind?

Danach können wir selbst „Kollier sein“. Für andere. Schwache. Diese Chance sollten wir als solche sehen. und nutzen. Für andere. Und das alte Kollier, das uns einmal geschützt hat, schätzen für die Dienste die es geleistet hat. Man sollte hierbei nie vergessen, daß man es selbst einmal gebraucht hat.

 Das Kollier in der Beziehung

Psychologen haben Theorien über die unbewußte Partnerwahl aufgestellt. Irgendwas ist da schon dran. Wir wählen einen Partner, der Eigenschaften hat, die wir bewundern. Die wir selbst nicht haben. Wir möchten diese gerne haben. Oftmals sind wir uns garnicht bewußt, daß wir diese Eigenschaften nicht oder nur schwach ausgebildet besitzen. Gewinnen wir den Partner, so gewinnen wir  - unbewußt und indirekt – auch dessen Eigenschaften. Und So entsteht Verliebtheit.

Lassen wir es dabei, so kommt es zur Abhängigkeit. Denn ohne „Ihn“ oder „Sie“ sind wir wieder „wertlos“. Erst wenn wir uns über diese Funktion und die Hilfe, die vom Kollier einmal ausgegangen ist klar werden, können wir lernen, den Menschen dahinter zu sehen. Und lieben zu lernen. Denn die echte Liebe muß gebaut werden. Sie entwickelt sich nicht von alleine. Die Verliebtheit ist nur der „Startschuß“. Eine Hülle, der wir Leben einhauchen müssen. Oder sollte man besser sagen „Liebe“?

Doch es gehören immer zwei dazu um dieses Ziel zu erreichen.

Manchmal trägt man das Kollier ohne den anderen zu entdecken. Und wächst darunter. Doch auch dann sollte man es zu lieben lernen,  uns erinnern wozu es mal gut war. Auch wenn es oxydiert ist. Und nicht einfach in den Müll schmeißen, wenn wir es nicht mehr brauchen. Denn wir wissen, daß dahinter jemand steckt, den wir mitlieben. Und die Liebe hat wieder eine Chance.

 Der folgende Gedanke ist meiner lieben Freundin H. zu verdanken:

Durch diese gemeinsame Arbeit wird man Teil des Kolliers des jeweils anderen. Und man braucht es nicht mehr zu tragen, wie einen Fremdkörper. Man legt es sozusagen ab, weil darunter eine gemeinsame Schönheit entstanden ist. Das ist wahre Liebe. Weil Harmonie entstanden ist.

Arbeit bedeutet Anstrengung und Kraft. Manchmal denkt man, man schafft es nicht mehr.

Nur was folgt wenn man aufgibt?

Ein Rückschritt an den Anfang. Man beginnt wieder bei Null. Die Hoffnung und Kraft schwindet mit jedem Scheitern mehr und mehr.

Mein Freund G. schrieb hierzu sehr wahr:

„Denn die Liebe ist das einzige was trägt“.