Die meisten Politiker sind süchtig nach Beifall, Macht und Erfolg! Die Volksvertreter leben in einer Scheinwelt und haben den Kontakt zur Wirklichkeit längst verloren. Für viele Politiker ist ihr Beruf zur Droge geworden. Damit gefährden sie nicht nur ihr Gesundheit, sondern auch das Wohl der Nation.
Bestes Beispiel: Horst Seehofer! Wenn einer krank sein darf, dann ist es doch wohl der Gesundheitsminister! Er ging in seiner Amtszeit ruinös mit seiner Gesundheit um - obwohl er doch die Politik des Landes genau in diesem Bereich beeinflussen sollte. Tatsächlich hat ihn ja seine Überzeugung, dass er die Welt aus den Angeln heben und ihn nichts dabei umwerfen könne, bis an den Rand des Todes getrieben. Doch kaum konnte er wieder aus dem Bett kriechen, registrierte er, "wie es mich zurückgedrängt hat zu den Berliner Geschäften". Immerhin spricht er jetzt deutlich aus, dass er Politik für eine Sucht hält. Aber er macht weiter... Wenn auch "dosiert", wie er sagt. Es hat ihn geschockt.
Er ist ja in zahlreicher Gesellschaft. Nehmen sie Peter Struck, der hat auch nicht aufhören können. Oder erinnern sie sich an Uwe Barschel, den damaligen Ministerpräsidenten Schleswig-Holsteins. Der stürzte kurz vor dem Wahlkampf 1987 mit einem Flugzeug ab und überlebte schwer verletzt. Statt nach seinem Krankenhausaufenthalt in die Rehaklinik zu gehen, machte er Wahlkampf, mit Krücken, Tabletten, halbtot eigentlich, aber er brauchte dringend den öffentlichen Auftritt. Warum zum Teufel sollte der Wähler glauben, dass er ihn besser behandelt als sich, wenn es ihm schlecht geht?
Politik, so formulierte es der ehemalige Bundespräsident Rau, führe zu "Sehstörungen". Was wird ausgeblendet? Politiker berauschen sich an ihrer eigenen Bedeutung, schwelgen in dem Gefühl, die Welt verändern zu können. Sie nehmen bald nicht mehr wahr, dass Politik nicht das ganze leben ist. Normale Bürger lesen Bücher, treiben Sport, kümmern sich um ihre Familie, haben Hobbys - der Staatsmann hat von morgens bis abends nur die Politik, um die sich alles dreht: sein Denken, sein Tagesablauf, seine Fantasien, alles. Ich halte diese Sehstörung für die Folge einer Sucht, der Sucht nach Macht und Anerkennung. Sie entsteht, wenn sich das System, in dem Politiker tätig sind, verselbständigt, wenn die Akteure nur noch um sich selbst und ihre Bedeutung kreisen.
Wer in die Politik geht, sollte reich an Lebenserfahrung sein - nur ist das zunehmend seltener der Fall. Diejenigen die wenig Selbstbewusstsein haben, weil es nicht im realen Leben erprobt wurde, sind besonders anfällig für die von außen herbeigeholte Aufwertung der eigenen Person - öffentliche Aufmerksamkeit, Titel, Statussymbole vom Dienstwagen bis zum Leibwächter.
Dieser Trend hat sich in den letzten Jahren enorm verstärkt, vor allem durch die Medien. Aber auch die Politikerpersönlichkeiten haben sich verändert. Die extremen Lebensbedingungen der Weimarer Republik, der Nazizeit oder auch die Nachkriegsjahre haben alle Menschen geprägt und gefordert. Wer gezwungen war sich in dieser Zeit existenziell zu behaupten und danach Politiker wurde - oder blieb - der war gebrannt, gehärtet, ein fertiger Mensch mit einem inneren Geländer. Heute beziehen Leute Ämter, denen zu Hause und an der Uni die Härte des Lebens erspart geblieben ist, sensible, engagierte, ehrgeizige junge Menschen manchmal, denen es nicht an Talent mangelt, sondern an alltags Erfahrung über die Rangeleien im Parteiortsverein hinaus.
Das Leben in der Wohlstandsgesellschaft, in der die jetzige Generation aufgewachsen ist, mangelt es nicht an schwierigen Aufgaben und unbequemen Herausforderungen. Nur hält es auch so viele Fluchtwege offen. Es ist einfach, sich zu drücken, wenn es kompliziert wird. Der gesamte politische Betrieb ist eine einzige Einladung zu Flucht vor der Wirklichkeit. Die Welt ist voller Sachzwänge und Termine. Betrieb betäubt!
Süchtig werden Menschen die eine innere Leere füllen müssen. Ihnen fehlt etwas - Glaube, Liebe, Sinn, Sicherheit. Das tut weh und macht Angst. Dagegen basteln wir uns Traumwelten, in denen Ersatz für das Eigentliche angeboten wird: Konsum, Computerspiele, blühende Landschaften.
Sucht ist immer zerstörerisch, nicht nur die Sucht nach chemischen Mitteln, Nikotin, Alkohol. Suchtexperten definieren auch "personale oder apersonale Mittel" als Drogen: also etwa Arbeit, Beifall, Sex, Erfolg. Das ist der Stoff für die Politikjunkies. Und Sucht verselbständigt sich: Die Droge muss zunehmend stärker dosiert werden, nimmt mehr und mehr vom eigenen Leben Besitz. Bei den "Wichtigkeitsdrogen", wie mancher die Sucht nach Macht und Anerkennung bezeichnet, dauert der Verfall etwas länger, ist aber von der Wirkung her gleich -und früher oder später ebenso sichtbar.

Ein wahnsinnig spannendes Buch... ...für jeden Politiker zu empfehlen! Aber die, die es lesen müssten drücken sich davor. ;-)