Eigennützige Liebe ist keine Liebe, sie ist nur eine Spiegelung seiner selbst, seines eigenen Egos. Wahre Liebe kennt kein Ego…, sie kennt die bedingungslose Hingabe ohne Abwägung. Sie gibt sich wie sie ist, ohne Lug und Trug.   

 

Sie ist offen und ehrlich…, aber auch gnadenlos. Denjenigen, der sie missbraucht…, den bestraft sie mit einer unvorstellbaren Härte, die einem Dolchstoß gleichkommt. Dann dringt sie in die Fasern der Seele und durchtrennt das feine Geflecht der Wahrnehmung.   

 

Sie schickt Betroffene in die Welt der Orientierungslosigkeit und in die Täler der unerfüllten Sehnsucht. Ein unendlich qualvoller Weg, dessen Ziel man nicht kennt. In eine Wüste, deren einzige Oase das eigene Selbst ist.

 

Wenn man es findet, kann man ausruhen, seinen Durst löschen und weiterziehen, in der Hoffnung, fruchtbares Land zu finden. Findet man es nicht, wird die sengende Sonne den Körper austrocknen und die Seele des Betroffenen wird sich in den gebleichten Knochen widerspiegeln.

 

Findet man jedoch nach diesem unendlich weiten, beschwerlichen Weg in die fruchtbaren Täler der Erkenntnis, atmet die Haut und der Hunger und der Durst wird gestillt.   

 

Wer das Land der Orientierungslosigkeit verlassen kann und die Täler der Erkenntnis beschreitet, der findet auch den Ort der Liebe.Selbst wenn die bisher errichteten Pyramiden des eigenen Lebens vom Grün des Regenwaldes bereits überwuchert wurden, wird man seinen Platz unter dem Blätterdach des Lebens finden.   

 

Den Platz der Geborgenheit und des Schutzes vor denjenigen, die die Liebe missbrauchten. Nur dann ist man wieder zu Hause und es wird wieder eine Pyramide entstehen, deren Treppen nach oben führen über das Blätterdach hinweg, in die Welt der Liebe.   

 

Von dort kann man die Wüste sehen, in der man den beschwerlichen Weg gegangen und hinter sich gelassen hat. Aber auch die Oase, in der man seinen Durst stillen konnte, um seinen Weg aus der Dürre zu finden.            

 

© Peter Braun

 

Foto: Geralt/ Pixelio