Mum, können wir nicht erst am Montag in Urlaub fahren statt schon am Samstag. Ich würde so gerne meinen Geburtstag mit meinen Freunden feiern.
Muss das sein Andrea? Das sind zwei Tage, die uns am Urlaub fehlen. Ich mach dir einen anderen Vorschlag. Wir fahren Samstag, dafür darfst du, wenn wir zurückkommen deinen Geburtstag in sturmfreier Bude feiern. Ich mach dir ein kaltes Buffet, stelle Getränke bereit, nur bitte, Schnaps möchte ich nicht, dass der getrunken wird. Ich fahre dann mit deinem Bruder und deinem Vater das Wochenende weg.
Meine Tochter überlegte eine Weile und meinte gut, ich ruf dann die anderen an und sag ihnen Bescheid. Gesagt getan.
Freitag Abend packte ich unsere Räder. Packtaschen, Zelt, Schlafsäcke etc. Wir hatten, bzw. ich hatte geplant eine Radtour durch Holland zu machen. Nur meine Tochter und ich. Mein Mann, wie immer keine Zeit für Urlaub, mein Sohn war bei den Großeltern.
Geplant hatte ich, von Köln nach Venlo mit dem Zug, ab da mit dem Rad Richtung Küste. So war es mit der Tochter besprochen.
Samstag morgen, wir mit den gepackten Rädern zum Bahnhof, war nicht so weit von uns, nur 15 Minuten. Die Fahrkarten hatte ich schon vorher besorgt. Dann die Räder in den Zug, was mit ganzem Gepäck nicht so einfach war, aber das schafften wir und dann auf nach Venlo.
In Venlo raus mit den Rädern und die Karte studiert. Ziel festgelegt, das wir heute schaffen wollten.
Wir waren 5 km unterwegs, da stöhnte meine Tochter „Mum, können wir Rast machen? Ich kann nicht mehr.“ Ohje, dachte ich, das wird was werden. OK, nur war erst mal weit und breit nichts zum rasten da. Ich also wieder die Karte studiert und ihr gezeigt, also da bis zur nächsten Ortschaft müssen wir noch, da gehen wir dann etwas essen. „Wie weit ist das denn?“ Ich schätze mal 3 km“.
Also weiter. Von Töchterlein kam nur noch Gejammer. Und ich dachte mir schon, wie weit mögen wir in diesem Urlaub kommen? Das fängt ja gut an.
Mit Müh und Not, erreichten wir die Ortschaft und ich bekam zu hören „Mum, ich fahre nicht weiter, ich kann nicht mehr“. OK, Karte zu Rate gezogen. Ganz in der Nähe gab es einen Campingplatz. Essen wir erst was oder willst du direkt zum Campingplatz? Sie wollte erst was essen. Taten wir dann. Unterwegs kaufte ich noch eine Flasche Rotwein zur Feier unseres ersten Aufenthaltes, wie ich ironisch zu meiner Tochter sagte, weil wir ja soooo weit gekommen waren.
Wir fuhren auf den Campingplatz, meldeten uns an der Info, bekamen einen Platz auf der Radwiese zugewiesen, stellten das Zelt auf, gingen duschen und dann schauten wir, was denn dieser Ort zu bieten hatte. Viel war es nicht an diesem Samstag Nachmittag. Fast alle Läden waren schon geschlossen. Bei einem Bäcker kaufte ich noch ein Weißbrot. Mehr bekamen wir nicht mehr und auch da hatten wir Glück, der Bäcker schloss grade. Das musste für das Abendbrot reichen. Salami hatte ich noch dabei, also Salami, Brot und Rotwein. Wir fuhren zurück zum Zelt. Ich machte mir einen Kaffee. Und dann setzten wir uns an die für Rad-Camper aufgestellten Sitzecke und spielten Rommé. Abends aßen wir unsere Brot und die Salami und tranken Wein dazu und dann gingen wir früh schlafen.
Am nächsten Tag gratulierte ich meiner Tochter erst einmal zu ihrem 15. Geburtstag. Dann Zelt abbauen, alles einpacken, Räder packen und weiter. Was meinst du, schaffst du heute etwas mehr als gestern? „Mum“ ich weiß nicht. Ich schaute auf die Karte und fand einen Punkt, den ich als Ziel aussuchte und sagte, dort möchte ich gerne bis Mittag sein. Das sind mal knapp 20 km, das müsste zu schaffen sein. Wir fuhren los.
Als erstes suchte ich ein Café wo man frühstücken konnte. Tja, Pech, absolut nichts zu finden in dem Ort, alles zu. Also fuhren wir erst einmal weiter. „Mum, ich hab Hunger“, „ja, ich auch“. Kein Café, kein Gasthaus weit und breit, wo man ein Frühstück bekommen konnte. In der Ferne sahen wir das große gelbe M der amerikanischen Botschaft. „Mum, da ist ein McDoof“, da können wir frühstücken. Mir war alles egal, ich bin kein Freund von McDoof, aber ich brauchte was zum essen. Ich hab vorher noch nie Hamburger zum Frühstück gegessen, anschließend ne Kirschtasche und dazu Kaffee, aber man macht eben alles einmal zum ersten Mal.
Gestärkt schwangen wir uns auf die Räder und fuhren los. Bei dem Tempo das wir vorlegen kommen wir an der Küste an und der Urlaub ist vorbei, sagte ich zu meiner Tochter. „Ich kann aber nicht schneller, mir tun die Handgelenke weh und ich kann nicht mehr, machen wir Pause?
Nun gut, machen wir Pause. Da vorne ist eine Ortschaft. Wir haben jetzt die Hälfte der Strecke, bis mittags schaffen wir das nicht, wenn wir alle 5 Minuten Pause machen. Wir suchten uns eine Bank, tranken Wasser, ruhten aus und fuhren weiter, 5 km, ich kann nicht mehr. Ich hatte die Küste gedanklich schon ad acta gelegt. Also, wieder Pause. Und dann weiter, endlich, es war schon Nachmittag, da kamen wir in Maijel an. Ich kennen die Länge der Gesamtstrecke nicht, aber mehr wie 25 km sind es nicht von Venloe nach Meijel. Wir suchten einen Campingplatz, fanden auch einen netten, mit Badesee und ich machte meiner Tochter den Vorschlag, dort zu bleiben und von da aus die Gegend mit Rad oder Bus zu erkunden. Dieser Vorschlag fand ihre absolute Zustimmung. Ich meldete uns an der Info an, sagte, wir möchten 3 Wochen bleiben, bekamen unseren Platz zugewiesen, stellten das Zelt auf. Gingen duschen und uns umziehen, denn ich hatte meiner Tochter versprochen, an ihrem Geburtstag gut essen zu gehen.
Wir fanden in Meijel ein nettes Lokal, nettes Ambiente, ganz das was meiner Tochter vorschwebte. Sie hat einen exklusiven Geschmack, was das betrifft und nicht immer ganz preiswert.
Damit hatte dann die Radtour ein Ende, trotzdem wurde der Urlaub noch schön, wir erkundeten die Gegend per Rad, fuhren auch mit dem Bus bis Maastricht. Entdeckten das Groote Peel (http://www.eghn.org/grootepeel).
Und ob ihrs glaubt oder nicht, auf dem Rückweg nach Venlo fuhren wir die Strecke in 2 Stunden und das ohne Rast.
Text: Nika Nachtwind
