Probleme mit meinem Alter hatte ich in meiner Kindheit, da war ich einfach viel zu jung und durfte allein deshalb nicht tun, was ich wollte. Nun bin ich in einem Alter, da sollte ich tun, was ich muss, da darf ich tun, was ich möchte.
Im letzten Jahr „durften“ wir drei Wohnungen auflösen, deren Besitzer verstorben waren. Es ist unglaublich, was da alles gesammelt wird, im Laufe eines Lebens. Steht die verstorbene Person dir nahe, wirst du viel Herzblut verlieren, wenn du einige Dinge nicht unterbringen kannst und sie in den Müll werfen musst. Vielleicht siehst du deine Mutter/Vater noch genau mit diesem Sofakissen gemütlich darauf schlummern. Leider passt es nicht zu deiner Einrichtung, ist überhaupt nicht dein Geschmack, ist aber ein Teil von Mama/Papa. Das ist so, als packe man etwas in eine Zeitung ein, die man noch nicht gelesen hat…es geht seeeeeehr langsam….zumindest bei mir.
Da der Garten nicht mehr ruft und selber langsam in Winterschlaf fällt, kann ich mich der Wohnung widmen. Viel zu groß, was sich besonders bei Reinigungsarbeiten zeigt. Die Schränke…viel zu voll.
Damals MUSSTE ich unbedingt dieses Service haben, doch will ich heute noch 35 Leute zum Mittagessen einladen? Im Leben nicht! Kaffeegedecke für ca 40 Personen brauche ich auch nicht, völliger Blödsinn, die Schränke damit zu füllen…für wen? Unsere Tochter liebt es nicht „Alt-Englisch“.
Die Kleiderschränke….man KANN das, was auf sieben Meter verteilt ist, gar nicht alles tragen, zumal diese kleinen Männlein namens Kalorien viele von den Sachen falsch gewaschen haben und sie um drei Größen geschrumpft sind. Ich bin aber viel zu starrsinnig, um mich in Größe 38 zu hungern. Wozu brauche ich eine Wespentaille? Ich könnte doch trotzdem nicht fliegen!
Die Kleiderkammer der Caritas freut sich bestimmt…doch hier in unserer Gegend ein Dirndl und ein Trachtenmantel? Die Leute, die sich bei der Caritas einkleiden, fahren nicht jeden Frühling und jeden Herbst in die Berge…wir auch nicht mehr, wir haben Gärten und fühlen uns dort viel wohler. Unsere Knochen mögen die Liegestühle inzwischen mehr als die schmalen, steinigen Wege zu den Gipfeln. Kaum getragene Wanderschuhe…Meindl..schrecklich teuer aber nützlich gegen das Umknicken..im Garten zwecklos…..sollen die in den Container?
Vor zwei Jahren war ich im Orchideenwahn. 37 Stück quetschten sich auf den Fensterbänken, sahen toll aus, bis dieser Pilz kam und mit ihm die Viecher, die den Bestand enorm schrumpfen ließen. Neue will ich nicht, habe nur im Winter Zeit für die Pflege…doch warum stehen die Übertöpfe noch im Schrank? Passen die zu den ca 400 CD`s mit Musik, die man doch nicht mehr hört, weil es MP3 Player gibt, man per Laptop Musik hören kann? Ohne all die Geräte, die den Rest des Schrankes füllen? Es wären sogar einige Schränke überflüssig, wenn man nur das behält, was man wirklich noch nutzt.
Alte Fotos in etlichen Schachteln und Alben..reicht nicht das Album mit den Fotos der Familie? Statt des gemalten Stammbaumes im riesigen Rahmen an der Wand? Überhaupt die ganzen Bilder…Schmutzfänger sind sie mir heute, früher waren sie Dekoration, die ich nicht mehr brauche. Ich mag auch Tapete pur, wenn sie nicht steril weiß ist.
Manchmal macht auch der Körper Inventur. Er sorgt dafür, dass nervende Blinddärme und Mandeln rausfliegen, trennt sich von manchem Backenzahn und bei den Männern vom Haupthaar. Manchmal wirft er auch den Verstand fort, das ist jedoch nicht auf ein Geschlecht festgelegt. Mein Organspendeausweis erlaubt, wenn mein Körper auch mein Leben fortgeworfen hat, die brauchbaren Teile zu entnehmen und zur weiteren Nutzung auszuteilen. Ich brauche sie ja nicht mehr. So wie die Dinge, die mir einmal lieb und teuer waren…nun nutzloser Ballast, den ich abwerfen will.
Laut Aussage einiger weitgereister Freunde sind die echten Buschmänner, die alles was sie besitzen allein tragen können, die glücklichsten Menschen der Welt. Ich fühle mich nicht unglücklich, doch Lasten tragend. Ich will meinem Kind nicht das antun, was ich durchgemacht habe. Meine Mutter starb 1989 und ich habe immer noch ihre Lieblingsjacke im Schrank hängen. Ich kann sie nie tragen, meine Mutter war viel kleiner als ich, die Ärmel sind viel zu kurz. Kann ich nach all den Jahren endlich einmal loslassen, mich befreien? Vielleicht sogar noch Freude schenken mit dem, was mir keine mehr macht?
Advent…Zeit der Erleuchtung, Zeit des Schenkens, Zeit der Freude…
Eine Aufstellung der Dinge gibt es gern auf Anfrage..;-)
