Wie schnell doch die Zeit vergeht! Sind es wirklich schon zweieinhalb Jahre her, seit ich den Weg ins Leben zurück fand?

Nach einer langjährigen Lebenspause - die hier zu erklären würde den Rahmen sprengen - blicke ich jetzt auf den Zeitpunkt zurück, wo ich erkannte, dass ich nicht lebte sondern nur existierte. Plötzlich wurde mir klar, dass ich viele, viele Jahre meines Lebens so einfach, unwiderruflich vertan hatte!

Nach dieser Erkenntnis beschloss ich, mein Leben zu ändern, aber wie? Als erstes schloss ich mich einer Kontaktbörse an - nicht Platinnetz - in der Hoffnung, dass es mir meine Rückkehr ins Leben erleichtern würde... und durch die Anonymität des Internets gelang mir dies auch.

Es dauerte auch nicht lange, da lernte ich einen wunderbaren - doch leider gebundenen - Mann kennen. Wir gingen einen Schriftverkehr miteinander ein und sehr bald verband uns ein tiefes und inniges Gefühl füreinander. Zwei Monate später fand das erste Treffen statt, ein Treffen, das ich nie vergessen werde und es entstand eine schöne aber auch komplizierte Beziehung.

Gebundener Mann, fragt Ihr jetzt? Manche von Euch mögen jetzt sagen, dass das ein Fehler war und so ganz unrecht habt Ihr nicht. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich nie eine Beziehung mit einem gebundenen Mann in Betracht gezogen. Doch aus mir unerklärlichen Gründen machte ich dieses Mal eine Ausnahme und obwohl der Abnabelungsprozess ein Jahr später sehr schmerzhaft war, weil ich erkannte, dass ich nicht länger zweite Geige spielen konnte und wollte, habe ich keine Minute mit diesem Mann bereut.

Dank diesem Mann fand ich Schritt für Schritt ins Leben zurück.

Heute verbindet uns immer noch eine innige und tiefe, aber platonische Freundschaft mit gelegentlichen Treffs. Und immer noch sind wir in der Lage einander zu sagen "Ich hab Dich lieb", ohne dass wir uns deswegen schämen müssten.

Ich schrieb damals meine Gefühle und Empfindungen nur für mich, hielt sie fest. Beim "Kramen" fiel mir diese Geschichte heute in die Hände und diese möchte ich jetzt mit Euch teilen:

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DANKE, DASS ES DICH GIBT!!!

Wie schnell sich doch das Leben verändern kann! Oft ohne dass man etwas dafür tut und oft, weil man sich einfach dafür öffnet.

Bis vor gar nicht langer Zeit glaubte ich, dass der schöne und aufregende Teil meines Lebens vorbei sei und ich versuchte mich damit abzufinden - in dem Glauben - dass ich nun zum "alten Eisen" gehöre. Nicht gerade ein aufbauender Gedanke.

Aufgrund von unbedeutenden Ereignissen in meinem Leben erwachte plötzlich etwas in mir, das ich schon längst vergessen glaubte. Doch waren sie so unbedeutend? Wäre ich sonst da wo ich heute bin?

Ich erkannte plötzlich, dass ich die Einsamkeit der letzten Jahre, die Abgeschiedenheit und die Resignation zu glauben, das Leben würde nichts mehr Schönes für mich beinhalten, mir selbst auferlegt hatte. Warum nur? Was für eine Verschwendung!

Das Leben und die Liebe ist etwas sehr Kostbares, das man behüten und achten sollte, nicht ignorieren und daran vorbeigehen wie ich es jahrelang tat! Ich erkannte plötzlich, dass das Leben auch im reifen Alter noch viel zu bieten hat, man muss sich nur dafür öffnen.

Wie aus einem langen Schlaf erwachte ich ganz langsam, öffnete zögernd meine Augen und musste mit Erstaunen feststellen, dass es eine Welt gab, deren Existenz ich verdrängt und vergessen hatte. Es war ein beglückendes und verwirrendes Gefühl zugleich, aber jetzt war endlich meine Neugier geweckt und ich wollte meine Augen nicht länger davor verschliessen.

Anfangs kam ich mir vor wie ein Kleinkind, welches die ersten Schritte wagt... einer nach dem anderen... Aus einem mir unerklärlichen Grund erschien diese Welt mir ganz anders, als ich sie in Erinnerung hatte, es war aufregend und beängstigend zugleich.

Dank meiner neu erwachten Neugier wagte ich mich immer weiter vor und mit dieser Neugier erwachte meine Lebenslust. Alles war so neu, so aufregend und ich wollte mehr davon.

Vergessen waren die einsamen Jahre, die Angst vor dem Leben und allmählich entdeckte ich, was ich über die Jahre am meisten unterdrückt hatte, die Sexualität einer Frau, MEINE Sexualität. Sie erwachte zuerst ganz zart, wie der Frühling, zögernd und verletzlich, um dann plötzlich mit voller Wucht zu erblühen. Ich hatte wieder Empfindungen, die ich schon längst vergessen glaubte, ebenfalls aufregend und beängstigend und ich erkannte zum ersten Mal seit langer Zeit, dass ich eine Frau war, eine Frau mit Empfindungen und Bedürfnissen, die ich mir viel zulange verwehrt hatte.

Dann lernte ich einen Mann kennen. Ich erinnere mich noch ganz genau, dass mein Herz einen kleinen Hüpfer machte als ich diesen Mann das erste Mal entdeckte. Was hatte dieser Mann an sich, das mich so beunruhigte? Es war aber gleichzeitig ein berauschendes Gefühl und zum ersten Mal seit langer Zeit erfuhr ich wieder, wie es war einen Mann spüren und erforschen zu wollen. Vorbei war die Angst vor Nähe, vor Enttäuschungen und der Glaube ich sei nicht länger begehrenswert. Durch diesen Mann erlebte ich aufs Neue, was es heißt mein eigenes Herzklopfen zu spüren. Durch die Gedanken an ihn bekam ich feuchte Hände, mein Atem ging schneller und Fantasien wurden in mir freigesetzt, die mir die Hitze in die Wangen und zwischen meine Schenkel trieb!

Anfangs war ich fassungslos und konnte meine Empfindungen kaum glauben. Ich fühlte mich plötzlich wie ein junges Mädchen, welche gerade die Liebe entdeckte und das in meinem Alter! Woher kamen diese Empfindungen, diese Träume und Wünsche die plötzlich in mir freigesetzt wurden? Ich weiss nur, dass ich diesen Mann begehrte wie noch nie einen anderen Mann zuvor.

Instinktiv schien er zu wissen, was in mir vorging und Dank seiner fürsorglichen und verständnisvollen Art erblühte ich allmählich in meiner Sexualität zu einem sinnlichen und liebevollen Weib und erfuhr das erste Mal seit langer Zeit, was es heisst zu lieben und geliebt zu werden mit Leib und mit Seele.

Dank diesem Mann erlebte ich die wundervolle Wollust die zwischen einem Mann und einer Frau entstehen kann auf eine Art, die ich vorher nie gekannt habe. Die Hingabe, das Begehren für einander, die Atemlosigkeit wenn man nur an den Anderen denkt. Jeden Tag wartet man auf diesen Menschen und hofft auf seine Nähe, es erfasst Dich wie ein Rausch wogegen man hilflos bist.

Ohne diesen Menschen fühlt man sich einsam und verloren, jedoch nur ein kleines "Hallo" und plötzlich ist die Welt wieder in Ordnung. Ich habe vergessen wie mein Leben vor ihm war, jetzt zählt für mich nur noch, dass es ihn gibt.

Was ist es dass ich fühle? Schmetterlinge in meinem Bauch? Dieses Herzklopfen wenn ich an ihn denke, ist es Liebe? Ich spüre wie das Blut in meinen Ohren rauscht vor Verlangen nach ihm. Gleichzeitig spüre ich seine Liebe, sein Begehren für mich und ich freue mich jeden Tag aufs neue, dass es ihn gibt. Vorbei sind die anerzogenen Barrieren, was ich darf und nicht darf. Ich bin bereit Neues zu erforschen und zu erleben! Ich lebe endlich wieder!

Ich danke unserem Schöpfer dass ich erfahren darf, wie es ist wenn man im reifen Alter liebt. Das Leben ist schön, das Leben ist lebenswert, solange man sich öffnet und es begrüsst mit allem was es zu bieten hat.

Ich danke diesem Mann, dass er mich liebt!!!
Ich danke Gott, dass es ihn gibt!!!

geschrieben von Katharina P.