Wir sollten nicht allzu selbstverständlich darum
bitten, dass der Heilige Geist bei uns einkehren
möge,
weil der Heilige Geist da, wo er einkehrt und
Wohnung nimmt, nicht nur seine "Gaben"
mitbringt,
sondern zugleich ein in hohem Maß
unbequemer, ja störender Gast ist ... .
Der gleiche Heilige Geist, den wir, mit Recht, inbrunstig
erbitten,
ist zugleich die unheimliche STÖRUNG
aller persönlichen und erst recht aller kirchlichen
Selbstsicherheit;
er ist der Angriff Gottes auf unsere
Unlebendigkeit und Selbstgenügsamkeit;
er hat keinen Respekt vor aller verfestigten Institution,
vor äußerer Ordnung, wenn sie zum Selbstzweck
geworden ist ... .
Die beiden "Elemente", die in der
Pfingstgeschichte als die Begleiterscheinungen und
Symbole des Heiligen Geistes erscheinen,
Sturmwind und Feuer, sind die unheimlichsten
unter allen Elementen, und sie lassen nichts, was sie
ergreifen, an seinem Ort und in seinem Zustand ... .
Wer an den Heiligen Geist als die schöpferische
Aktivität Gottes glaubt und in diesem Glauben um
das Kommen des Geistes bittet, der muss wissen,
dass er damit die göttliche STÖRUNG herbeiruft
und sich dafür offenhält,
dass Gott ihn stört in
seinem "Besitz", in seinen Gewohnheiten, auch
Denkgewohnheiten, wenn sie nicht mehr dafür
taugen, ein Gefäß der heilsamen Unruhe und der
aufregenden Wahrheit zu sein.
Wer also bittet "Komm Heiliger Geist", muss auch bereit sein zu bitten:
"Komme und s t ö r e . m i c h, wo ich gestört werden muss."

Bischof Wilhelm Stählin