So findet man bei "Deutschen" zwar mütterlicherseits bei fast der Hälfte ein "germanisches Gen" (was immer das auch sein mag), väterlicherseits aber nur bei 6 Prozent. Keltische und osteuropäische Herkunft überwiegt seit jeher in unserem Lande.

 

Wie kommt Thilo Sarrazin nun aber zu seiner Aussage:

Die kulturelle Eigenart der Völker ist keine Legende, sondern bestimmt die Wirklichkeit Europas.“ … „Alle Juden teilen ein bestimmtes Gen. Basken haben bestimmte Gene, die sie von anderen unterscheiden.“

 

Vermutlich hat Sarrazin im Internet etwas über den 'Cohen Modal Haplotyp“ gelesen und das Gelesene absolut nicht verstanden. Ähnlich wie bei seinen Behauptungen zur Vererbbarkeit von Intelligenz.

 

Es gibt bestimmte genetische Merkmale, die auf eine bestimmte Herkunft hinweisen können.


Man fasst die Träger derselben oder ähnlicher genetischer Merkmale in sogenannte Haplogruppen zusammen. Die Zugehörigkeit zu bestimmten Haplogruppen kann auf eine spezielle Herkunft hinweisen, die in bestimmten Gruppierungen überdurchschnittlich häufig vorkommt (= "genetische Verwandte").

 

Beispiel: Der "Cohen Modal-Haplotyp". Er kommt vermehrt in der jüdischen Untergruppe der Cohanim vor. Dieser Haplotyp weist auf eine ganz spezielle jüdische Herkunft innerhalb der väterlichen Linie hin. Da dieses Gen aber auf dem Y-Chromosom angesiedelt ist, kann es bei Frauen nicht vorkommen und tritt daher nur bei einigen männlichen Juden auf. Nur etwa fünf Prozent der männlichen Juden in aller Welt haben überhaupt solche Cohen-Vorfahren.

 

Ein Zusammenhang zwischen dem 'Cohen Modal Haplotyp' und religiösen oder kulturellen Eigenschaften seiner Träger wird von keinem Genetikwissenschaftler behauptet. 

Auf diesen Unsinn kommt nur einer, der zwar Zahlen lesen kann, aber nicht deren Sinn versteht. 

 

Herr Sarrazin: Von wegen also Alle Juden teilen ein bestimmtes Gen“!

 

 

Sind 50-80 Prozent der Intelligenz vererbt?

 

Eindeutig Nein Herr Sarrazin!

 

Die Intelligenzforschung ist seit der Erfindung der „Intelligenz-Tests“ vor 105 Jahren durchwoben von widersprüchlichen Ergebnissen, gefälschten Forschungsdaten und sich fast alle 5 Jahre immer wieder auftuenden „völlig neuen Erkenntnissen“.

 

Kein Wunder: Intelligenz als solches gibt es gar nicht. Es ist vielmehr ein Sammelbegriff  für die geistige Leistungsfähigkeit des Menschen, also seiner Fähigkeiten der Wahrnehmung, des Lernen, des Erinnern und des Denken in Zusammenhang mit der menschlichen Erkenntnis- und Informationsverarbeitung. Da versteht dann nahezu jeder Intelligenzforscher etwas anders darunter. Einigkeit besteht nur darin, dass die Ausprägung und Art der Intelligenz eines Menschen offensichtlich sowohl durch vererbte  Faktoren wie durch die Einflüsse der Umwelt (Familie, Erziehung usw.) beeinflusst wird. So reichen die spekulativen Annahmen über die Anteile der genbedingten Faktoren von  Null bis 99 Prozent – was ziemlich beliebig erscheint, angesichts der Tatsache, dass Intelligenz kein empirisch ermittelbarer Sachverhalt ist und nur aus von Forscher zu Forscher variierenden Indikatoren erschlossen werden kann.

 

Auch hier hat Sarrazin Zahlen gelesen – und sie nicht verstanden!

Das zumindest sagt die Intelligenzforscherin und Psychologin Elsbeth Stern, auf deren Forschungen sich Sarrazin bezieht: „Eltern und Kinder zeigen nur eine mittelhohe Übereinstimmung im Intelligenzquotienten. Unterdurchschnittlich intelligente Eltern können überdurchschnittlich intelligente Kinder haben und umgekehrt.“

 

Herr Sarrazin: Von wegen also „Unsere Bildungspopulation wird von Generation zu Generation dümmer.“

 

Schade eigentlich, dass sich Sarrazin bei den Entscheidern in unserer Gesellschaft mit den in seinen Texten immer wieder eingeflochtenen abwegigen Rassenthesen und menschenverachtenden Beschimpfungen ins Abseits stellt.

 

Denn das Kernproblem, das er ansprechen will – die ausgebliebene Integration bestimmter Migrantengruppierungen –, ist ja unverkennbar!

 

Doch mit Beschimpfungen und falschen bis hin zu abstrusen Folgerungen aus Statistiken und anderen Zahlenwerken fördern man nicht die Annäherung von Migranten an die gesellschaftlichen Werte der Mehrheitsbevölkerung und die Übernahme von Verantwortung von Zugewanderten für ihre neue Heimat – man unterstützt damit sogar noch deren ohnehin oft vorhandene Reaktanz und Abwehr gegen Integration.

Und man gewinnt vor allem keine kompetenten Mitstreiter für die Lösung der wichtigen Aufgaben, die hier anstehen.

 

Was man ersichtlich damit gewinnt, ist lediglich eine aufgestachelte Bevölkerungsmehrheit, die in der Regel den Inhalt des Sarrazin-Buches kaum kennt, aber u. a. aufgrund von allgemeiner Unzufriedenheit rasch auf den "Die-haben-Schuld-Karren" aufspringt und sich schön so verhält, wie Sarrazin das gerne hat. 

 

Original-Zitat Sarrazin:

 

"Wenn Kühe auf die richtige Weide sollen, müssen Sie nur die richtigen Gatter öffnen, und die Rindviecher glauben, sie hätten den Weg dank eigener Entscheidungskraft gefunden."