Ich sitze hier als gereifter Mann, ich gehe mal davon aus, dass es so ist, und denke darüber nach was wichtiger im Leben sein sollte. Die Vergangenheit und was sich daraus hätte ergeben können oder die Gegenwart und demzufolge, welche Zukunft sich aufgrund derer entwickelt.
Nun hat man sich auf die Fahne seines Lebensmottos geschrieben, dass nur das Heute zählt und die resultierende Zukunft. Nur manchmal sind Worte eben nur Worte.
Gefühle sind irrational, ohne Vernunft und Logik und trotzdem bestimmen sie unser Leben
Es gab in meinem Leben zwei Frauen, denen ich meine ganzen Gefühle und Emotionen gab. In die ich mich fallen lasse konnte, ohne schwach zu wirken. Denen ich mich öffnen konnte, ohne dass dann die dabei gezeigten Schwächen ausgenutzt wurdenMan kann mit 57 Jahren nicht immer seine ganze Entwicklung dadurch entschuldigen, dass man eine schwere Kindheit mit einer Übermutter, spricht mehr als beherrschend, hatte, für die im Grunde nur eins zählte, nämlich sie selbst. Aber sie prägt einem in gewisser Weise doch ganz entschieden. Sicherlich, jeder ist für sich und sein Leben selbst verantwortlich. Die Möglichkeit zu denken, und dadurch die Fähigkeit zu besitzen, zwischen mehreren Alternativen zu wählen, unterscheidet uns von den Tieren.
Die erste Frau, die Mutter meiner Kinder, verlor ich nach einer fast 27 Jahren dauernden Beziehung, davon knapp 25 Jahre als Ehepaar, im Alter von 42 Jahre durch eine plötzlich auftretende tödliche Krankheit. Es dauerte lange bis der Verlustschmerz sich legte und ich wieder an eine neue Beziehung denke konnte. Doch ich machte einen Fehler, ich versuchte eine Beziehung zu einer Frau aufzubauen, welche fast den gleichen Charakter und das gleiche Wesen meiner ersten Frau hatte. Im Nachhinein betrachte konnte diese Beziehung nicht gut gehen, weil natürlich Vergleiche gemacht wurden und diese dann stets in allen Punkten negativ ausfielen.
Normalerweise bin ich ein Mensch für den das Wort „Beziehung" noch eine Bedeutung hat. Ich will damit sagen, dass, wenn ich in einer Beziehung lebe, keiner auch nur den Hauch einer Chance hat, in diese Beziehung einzudringen. Aber ich hatte mich im Grunde innerlich schon gelöst und von daher, hatte doch jemand die Möglichkeit mein Herz zu erobern. Zum Glück muss ich sagen.
Ich lerne über das Internet die zweite große Liebe meines Lebens kennen. Auch ihr gab ich alle meine Gefühle. Ohne wenn und aber. Sie war das genaue Gegenteil meiner ersten Frau. Dies war auch, was mich an ihr so faszinierte. Sie konnte zärtlich und einfühlsam, dominant und beherrschend sein. Sie konnte motivieren und zeigte mir, was das Leben noch alles zu bieten hatte, außer der kleinen beschränkten Welt, welche ich sonst mein eigen nannte. Sie hatte viele Facetten und war doch immer nur das eine, nämlich die Frau meines Lebens. Wenn ich ehrlich zu mir selbst bin, hadere ich mit dem Schicksal, dass wir uns nicht schon früher kennengelernt haben und dadurch vielleicht mein Leben in anderen Bahnen verlaufen wäre.
Ich bereue keine Sekunde meiner ersten Ehe. Dafür war ich einfach, auf Grund der damaligen Lebenseinstellung, die überwiegende Zeit zu glücklich. Im Nachhinein gibt es nur einen Schönheitsfehler an dieser Zeit, ich lebte zu sehr in meiner Familie. Versuchte es allen und jedem recht zu machen, Fehler aus meiner Kindheit nicht zu wiederholen und vergaß dabei, dass man auch mal an sich selbst denken sollte. Das Ergebnis ist mein heutige körperliche Verfassung.
Diese neue Beziehung verlief anfangs auch genauso, wie ich mir ein Leben zu Zweit vorstelle. Zwar mit Höhen und Tiefen, aber überaus glücklich. Bis wir beide auf die wahnwitzige Idee kamen, uns selbstständig zu machen, sprich eine eigene Firma zu gründen. Nun muss ich folgendes voraus schicken. Sie hatte viel und ich außer meiner Liebe zu Ihr nichts, was ich hätte verlieren können. Ich will nichts beschönigen, ich hatte mich überschätzt, aber nicht weil ich fachlich keine Ahnung von der Materie hatte, ich arbeite schon seit über 20 Jahre in diesem
Gewerbe, nein, weil ich nicht in der Lage war, die Härte zu zeigen, welche in diesem Metier notwendig war, um zu bestehen. Wie schon früher, wollte ich es jedem und allen recht machen. Ich dachte zuerst an Außenstehende, z.B. an die Firmenangestellten, und nicht an die Familie. Zudem musste ich feststellen, dass ich Menschen vertraute, welche ich Freunde nannte, die aber das Wort noch nicht einmal wert waren. Denn, um vermeintliche Fehler meinerseits ihnen gegenüber auf billige Art zu rächen, haben sie sich an dem Vermögen meines Lebens bereichert.
Aber das Schicksal meinte wohl, das alles würde noch nicht ausreichen, um mir zu zeigen, wie mein Leben tatsächlich auszusehen hat. KREBS!! Diese Wort allein macht einem schon Angst, wenn man es nur hört. Aber diese Krankheit auch in der nächsten Umgebung zu erleben, ist weitaus schlimmer. Nun muss ich sagen, dass die Krankheit selbst nichts neues für mich ist. Meine Mutter starb an Krebs, ebenso mein Vater. Im ersteren Fall habe ich das Siechtum aufgrund dieser Krankheit mitbekommen. Im zweiten Fall, habe ich es erst im Nachhinein erfahren.
Kurzum meine Liebe erkrankte an dieser Krankheit. Ich sage bewusst nur Brustkrebs, weil es die einzige Krebsart ist, die nach dem heutige Stand der Medizin in den meisten Fällen heilbar ist. Nur muss man auch die Möglichkeit haben, die entsprechenden Medikamente und Behandlungsmethoden zu bekommen, die notwendig sind, um diese Krankheit zu besiegen, noch dazu wenn man an einer äußerst aggressiven Form dieser Krankheit leidet. Aber in unserem heutigen Gesundheitswesen ist das noch lange nicht gewährleistet und ohne finanzielle eigene Mittel kaum zu erreichen. Aber das ist ein anderes Thema.
Was aber tun , wenn man sicher sein will, dass man noch einige Jahre auf dieser schönen Erde verweilen darf, aber die finanziellen Mittel, welche notwendig sind, um das einzige Medikament zu bekommen, das wirklich helfen kann, weil sie durch Leichtsinn oder falsche Freunde, nicht mehr vorhanden sind. Was tun, wenn man an einer übermächtigen Existenzangst leidet.
Und hier fängt das an, was ich mit diesem Aufsatz eigentlich sagen will. Sie tat das für sie einzig Mögliche. Sie ergriff die Chance, in einem anderen Land ohne finanzielle Sorgen, einer sicherlich besseren Zukunft zu leben und dort die Möglichkeit zu haben, der Krankheit durch entsprechende Medikamente wirksam entgegentreten zu können. Ich ließ sie gehen, ohne zu kämpfen. Wie so oft in meinem Leben bin ich einer Konfrontation aus dem Wege gegangen. Ich liebe sie immer noch, mehr als mein eigenes Leben. Selbst die Liebe zu meinen eigenen Kindern, habe ich hinten an gestellt. Aber hätte ich nicht alles in die Wege setzen müssen, um sie von diesem Vorhaben abzubringen? Das einzige was ich sagen kann ist, dass ich ihre Entscheidung zwar akzeptiere, aber verstehen tue ich sie auch heute noch nicht.
Nun sind drei Jahre seit diesen Ereignisse vergangen. Ich bin nach wie vor der Meinung, dass zumindestens am Anfang unserer Trennung ihre Liebe zu mir noch vorhanden war, aber ihre fast paranoide Existenzangst sie diesen Schritt gehen ließ. Sie gab mir das Gefühl, des Gebrauchtwerdens und dass ich noch immer in ihrem Herzen bin. Wenn sie mal für ein paar Wochen zurück kam, fühlte ich, dass sie auch wegen mir kam und sich freute mich zu sehen. Aber Zeit und Entfernung zeigen ihre Wirkung. Schon bei ihrem letzten Besuch hier merkte ich, dass sie nur notgedrungen, die paar Wochen hier verbingen musste. Und in den letzten Monaten sind auch diesen Zeichen, dass ich noch einen Stellenwert in ihrem Leben habe nicht mehr vorhanden. Und das für mich Schlimmste, im Moment ist absolute Funkstille. Sie will wieder zu sich selbst finden. Nur warum redet sie nicht mit mir darüber? Das einzige was sie mir sagte, sie hat keine richtiges Zuhause, weder dort noch hier.
Soll ich sie frei geben, damit sie nicht gebunden ist. Ist sie vielleicht auch aus einem Schuldgefühl mir gegenüber heraus nicht in der Lage, in ihrer neuen Welt sich ein Zuhause aufzubauen? Ich weiß es wirklich nicht!! Ich habe Angst sie ganz zu verlieren! Soll ich ein zweites Mal den Schmerz über den Verlust eines geliebten Menschen spüren?

Ich sitze hier an einem Sonntagmorgen als gereifter Mann und benehme mich wie ein liebeskranker Teeny, weil ich mir überlege, was wichtiger ist. In der Vergangenheit zu leben oder an die Zukunft zu denken.