Wer sich womöglich gelangweilt fühlt, muss weder lesen, noch kommentieren! Auch mag man mir entgegen halten, das von mir Gewünschte doch selbst zu praktizieren! Mit Recht! Es liegt mir fern, mich über andere Menschen erheben zu wollen!
Hier im Platinnetz, dem Internet-Forum für Junggebliebene, wie es sich selbst einladend bezeichnet, kommunizieren Menschen, die einander in der Hauptsache nicht kennen und sich nie persönlich begegnen werden. Sie tun das mehr oder weniger freundlich und humorvoll, leidenschaftlich und heftig, oberflächlich oder tiefsinnig-geistreich - und leider auch aggressiv und verletzend.
Praktiziert wird dieser Austausch - häufig auch Schlagabtausch - über Fragen und Antworten, themenbezogen in Neigungs-Gruppen, durch private Nachrichten - am intensivsten jedoch über Kommentare und Beiträge zu Artikeln, die eine nicht geringe Anzahl von Autorinnen und Autoren hier veröffentlichen - verschieden in Form und Art, Inhalt und Aussage, Sprache und Stil.
So ist im Grunde für jeden etwas dabei: Heiterers und Besinnliches, Psychologisches und Religiöses, Banales und Albernes, sehr Persönliches und Trauriges.
Fast alles, was Menschen so umtreibt und bewegt, beschäftigt und interessiert, das sie mit anderen teilen, diskutieren wollen, lässt sich hier finden. Aktuelles Tagesgeschehen, auch Medienberichte aus Wirtschaft und Politik werden gerne zum Anlass genommen, um entsprechende Fragen zu stellen und die Ansichten anderer dazu zu erfahren.
Darf man/frau, (Mann, Frau) - ich - im Platinnetz auch Unfreundliches, oder ausgesprochen Böses schreiben und Kritik üben, wo sie angebracht erscheint?
Die Antwort lautet ja und nein! Denn es gibt eine Handvoll von Autoren, die sich scheinbar alles erlauben dürfen, Artikel jeglicher Art veröffentlichen können, ohne Rücksicht auf die Qualität von Inhalt und Sprachform. Diese Autoren sind sich auch nicht zu schade, mehr oder wenig offen oder subtil, Artikel von schreibenden Kollegen und Kolleginnen zu persiflieren und diese so der allgemeinen Verspottung Preis zu geben. Sie können sicher sein, dass ihre Fangemeinde bestehend aus weiblichen und männlichen Seilschaften, sogleich herbei eilt, um ihnen zu applaudieren und die gemeinsame Hetzjagd auf einen als unliebsam stigmatisierten Autoren einzuleiten. Das Feuer ist eröffnet, und es wird aus allen Rohren geschossen, was immer das Opfer als Angriffsfläche von sich Preis gegeben hat.
Die Freude ist riesengroß, der Spaß gewaltig, die Gruppe der einander im Verspotten Übertrumpfenden wirft sich die Verbalattacken wie Schneebälle zu.
Und der so Attackierte? Versucht er zu kontern, hagelt es Vorwürfe, prangert man seine angeblichen Verbalausfälle auf heftigste an! Schweigt er, wirft man ihm Feigheit,
Sturheit, Arroganz vor. Eilen ihm andere zu Hilfe, was durchaus vorkommt, werden sie schnell zum Schweigen gebracht und vergrault, indem sie nun ebenfalls angegriffen, diffamiert oder lächerlich gemacht werden. Die Vernünftigen ziehen sich sehr schnell aus derart unerfreulich entgleisten Debatten zurück. Die Zurückbleibenden liefern sich verbale Attacken bis zum Müdewerden.
Was steckt dahinter? Welchem Zweck wird damit gedient? Warum passieren Auseinandersetzungen dieser unschönen Art seit langem und in stetigem Auf und Ab immer mal wieder?
Sehr schön auf den Punkt gebracht und zusammen gefasst hat das heute das Mitglied C. Findus Rainman in seinem Beitrag zur (geschlossenen) Frage des Users Frank Schreiber: "Was ist ein Dubbeli, was ist ein Trollo?"
In vielem, was C. F. Rainman in seinem Beitrag ausführt, stimme ich mit ihm überein, deckt sich das dort Beschriebene mit meinen eigenen Beobachtungen, auch wenn ich nicht wagen würde, so wie C.F. Rainman, eine psychologisch basierte Analyse über Charakter und Beweggründe von Menschen aufzustellen, die ich nicht kenne. Wie sich diese so genannten Trolle jedoch in Internet-Communities à la Platinnetz gebärden, lässt durchaus die von C.F. Rainman fest gestellten Rückschlüsse zu.
Mir ist vollkommen unverständlich, und ich kann es in keiner Weise nachvollziehen, welchen Spaß es macht, welche irrsinnige Freude es bereitet, zusammen in einer Fan-Gemeinde, mit dem Rückhalt einer Seilschaft, über einen als unliebsam Verurteilten her zu ziehen, sich über ihn lustig zu machen, ihn am Boden sehen zu wollen, um dann noch gemeinsam nach zu treten?! Mir ist bewußt, dass ich ein wenig übertreibe und überzeichne, aber das dient der Anschaulichkeit mit dem Ziel, die Sache nicht als banal oder Witz abzutun!
Wir wollen Spaß, wir wollen uns unterhalten, wir sind hier, um uns zu amüsieren! Wer uns zu ernst nimmt, ist selber Schuld! Humor ist, wenn man trotzdem lacht!
Das bekommt man zur Antwort, wenn man nachfragt, protestiert und kritisiert! Ja, sind wir denn hier im Kindergarten? Ist dies nicht eine Community für Leute 40+?
Ist tatsächlich die Schadenfreude die größte, wie eine angebliche "Volksweisheit" behauptet? Bringen wir nicht Kindern und jungen Menschen bei, sich einfühlsam und rücksichtsvoll zu verhalten, hilfsbereit und achtsam miteinander umzugehen, nach dem Motto: "Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem anderen zu!"
Dass Menschen offensichtlich einen Prügelknaben, einen Sündenbock - wenn auch nur zeitweise - brauchen, ist von alters her bekannt und wird schon in der Bibel bezeugt.
Nicht umsonst sind diese beide Begriffe fest in unserem Sprachgebrauch verankert und jeder weiß, was damit gemeint ist!
Offensichtlich wird es als entlastend und befreiend erlebt, wenn man jemanden all das anlasten und aufhalsen kann, was einen bei einem selbst stört, ärgert, schmerzt, was man als mangel- und fehlerhaft einstuft. Man packt es einem auserkorenen Opfer, dem Sündenbock auf den mehr oder minder breiten Buckel und jagt ihn mitsamt aller "Sünden" zum Teufel, vertreibt ihn aus der Gemeinschaft, die sich nun wieder besser und gut fühlt! Und wenn er sich nicht vertreiben lassen will, muss er mit Denunziationen bei den verantwortlichen Entscheidungsträgern rechnen!
Wer bietet sich nun selbst als Opfer an oder wird als solches auserkoren? Na, wie fast überall, ein Neuer, einer, der in eine bereits vorhandene, etablierte Gemeinschaft eindringt und dann auch noch vorwitzig wagt, auf sich aufmerksam zu machen, sich mit Artikeln hervor tut, eine eigene Meinung vertritt, unbequeme Thesen verkündet!
Was will der hier? argwöhnen die Alteingesessenen. Will uns doch nicht etwa Konkurrenz machen oder gar den Rang ablaufen! Na, das werden wir ihm aber schnell austreiben!
Er schreibt Artikel? Man verhöhnt ihn mitsamt seinen Erfahrungen, Erkenntnissen, Thesen! Er verfasst Gedichte? Man zerreisst sie, haut ihm Versmaß, Silbenzahl, nicht perfekte Reime um die Ohren! Er zeigt Gefühl, gibt sich romantisch? Man bezeichnet sie als unecht, kitschig, pathetisch! Er möchte doch nicht etwa Anerkennung und Lob?
Na, da hat er sich aber schön ins eigene Fleisch geschnitten!
Werden dieselben Kriterien, die gleichen strengen Maßstäbe an die alteingesessenen Autoren angelegt? Mitnichten! Die können schreiben, was sie wollen, unabhängig von Güte und Qualität! Sie dürfen gewiss sein, dass ihre Fangemeinde treu zu ihnen steht und alles bejubelt, sich stets köstlich amüsiert, was immer auch ihrer Feder entspringt, und mag es auch noch so banal, holperig und seicht sein!
Und der schreibende Neuling? Wagt er vorwitzig Kritik und kontert Angriffe, dann geht's ihm aber schlecht! Erkennt man gezwungenermaßen, dass er und das was er schreibt, so dumm nicht ist, wie vielleicht insgeheim erhofft, wird aufgetrumpft und zu beeindrucken gesucht, indem ihm eigene - echte oder angebliche - Qualifikationen und Verdienste aller Art von Usern vorgehalten werden. Zeigt er sich davon wenig beeindruckt oder hält gar dagegen, wird ihm subtil oder unmissverständlich gedroht, dass man dafür sorgen kann, ihn aus der illustren Gemeinschaft hinaus zu katapultieren. Mittel und Wege sind den Insidern bekannt und geläufig! Nun hält der Neuling still, weil er bleiben will, oder aber zeigt sich unvernünftigerweise weiterhin uneinsichtig und renitent, dann hat er aller Voraussicht nach den Freiflugschein bereits in der Tasche!
Denn wie bereits eingangs erwähnt, erlaubt ist was den Mächtigen gefällig ist. Und hier wie anderswo gibt es immer Personen, die gleicher sind als andere.
Wie und ob sie sich das verdient oder "erkauft" haben, entzieht sich meiner Kenntnis. Vermutlich spielen da, wie in anderen Medien auch, die "Einschaltquoten" eine gewichtige Rolle!
Gleichheit, Gerechtigkeit, Meinungsfreiheit, Anstand und Respekt - wunderbare hehre Errungenschaften und Werte! Sie wirksam werden zu lassen gelingt längst nicht immer und überall! Hier könnte es durchaus gelingen und für andere als positives Beispiel und Vorbild seine Wirkung entfalten.
Damit schließe ich mich dem ähnlich lautenden Appell von C.Findus Rainman in seinem Schlußsatz in dem bereits oben erwähnten Kommentar an, mit dem auch ich meinen Artikel schließen möchte.
Text: G. "Picasso"
Bild: Gerard ter Borch: "Die Briefschreiberin" (Schwester Gesine)
