Eine angehende Psychaterin brachte es gestern auf den Punkt: Frauen belohnen sich mit Dingen, die sie selber beliebig oft sehen und nutzen können, auch wenn sich ihr Körper verändert, wenn sie also schöner und schlanker werden. Und für andere Frauen müssen diese Errungenschaften sichtbar sein, denn jede Frau steht in Konkurrenz zu anderen Frauen, wenn es um die Gunst der Männer geht.
Männer dagegen müssen sich mit anderen Männern messen und sich selber was beweisen können, um sich belohnen zu dürfen. Ein lohnender Beweis wäre, wenn es einem Mann gelänge, viele Frauen für sich zu begeistern.
Was belohnt uns nun?
Uns wohl fühlen und glücklich sein wollen wir. Durch Geld und Werte? Die sind im Grunde nur Hilfsmittel auf dem Weg dorthin.
Es sind Hormone, die uns glücklich machen. Der Körper schüttet sie aus, wenn wir finden, dass wir klasse waren, dass wir etwas geleistet oder angeschafft haben. Ja, auch Anschaffen will belohnt sein, denn wenn wir etwas kaufen, was wir haben möchten, müssen wir dafür etwas getan haben.
Im Grunde bringt uns also ein Endorphin das, was wir möchten. Dopamin ist neben Serotonin, Oxytocin und Nor-Adrenalin eines der Hormone, die wir brauchen. Manche nehmen auch Drogen dafür. Ich nicht.
Für jeden stellt sich täglich die Frage: Wie komme ich möglichst leicht an meinen glücklich machenden Hormonspiegel?
Bringt den bei Frauen vielleicht ausschließlich der Blick auf ihre Schuhe und Handtaschen, und bei Männer nur, wenn sie Frauen herum gekriegt und andere Männer besiegt haben?
Das ist wohl auf Dauer zu wenig.
Ich beispielsweise habe Anfang letzten Jahres nicht nur mittels der morgendlichen Blicke in den Spiegel, sondern auch emotional kapiert, dass ich alt und zunehmend körperlich unattraktiver werde. Ich werde also kaum noch Gelegenheit haben, jüngere Männer im sportlichen Wettkampf zu besiegen und Frauen flach zu legen. Also gehe ich einen anderen Weg: ich profitiere von meinen Erfahrungen.
Ich denke, dass auch Frauen mit zunehmendem Alter immer häufiger von ihren Kenntnissen zehren, die sich im Laufe von Jahrzehnten angesammelt haben.
Während sich einige Mitglieder der älteren Semester lächelnd zurück lehnen und ausschließlich an vergangene Zeiten denken, wenden andere ihre Kenntnisse in der Praxis an und stellen Dinge auf die Beine, von denen Jüngere (schon aus Zeitgründen) nur träumen können. So habe ich mir im Letzten Jahr ein Wohnmobil ausgebaut, will heißen, einen Transporter zum Sonder-KFZ umfunktioniert. Dieses Jahr nun bin ich umgezogen und habe bauliche Veränderungen an der neuen Wohnung vorgenommen, die den Wohnwert erheblich erhöhen und Geld sparen helfen.
Ich hab's mal ein paar Jahre im Internet mit Gedichten und Geschichten versucht. Der Versuch war nicht so sehr von Erfolg gekrönt und ist den Bemühungen jüngerer Männer zum Opfer gefallen, mich wenigstens virtuell zu besiegen.
Was tun ältere Frauen? Kümmern die sich vermehrt um Enkel und Urenkel, bringen ihren Schwiegertöchtern das Kochen bei und ihren fußballguckenden Gatten das Bier?
Oder träumen sie – wie auch viele Männer - ausschließlich passiv von vergangenen Zeiten?
