„Herzlichen Glückwunsch! Sie bekommen ein Kind!“

Ich starre den Arzt vor mir ungläubig an.

„Wie? Ein Kind…..“

„Wie? Na so, wie sie ihr erstes Kind auch bekommen haben. Komplikationslos will ich hoffen, sie sind ja nicht mehr so jung!“

Gut, dass mich der Doc darauf hinweist, das hätte ich sonst völlig übersehen. Übersehen hatte ich auch die Anzeichen. Spannen in der Brust, Übelkeit am Morgen, Hunger auf Eis und Gurken im Wechsel. Nach 33 Jahren wird Frau ja wohl vergessen haben dürfen, wie schwanger sein sich anfühlt.

Die Gedanken jagen durch meinen Kopf, ich komme allein zu keinem Ergebnis. Am Abend fülle ich ein Glas mit Rotwein, stelle es vor meinen Mann, nehme mir selber Mineralwasser und setze mich ihm gegenüber.

„Ich bin schwanger!“

„…mit welchem Gedanken?“

„Nicht schwanger von Gefühlen oder Gedanken, wir bekommen ein Kind!“

„Hättest du damit nicht warten können, bis ich in den Vorruhestand gehe? Nun bekomme ich wieder die schönste Zeit nicht voll mit,“ klagt er.

„Noch warten? Ja, wir könnten im Altenheim eine Wohnung mit Kinderzimmer ordern,“ brumme ich und sehe ihn muffig an.

„Nun guck doch nicht so böse! Wo ist das Problem? Platz, Geld und Zeit sind doch jetzt eher vorhanden als vor 33 Jahren,“ wundert sich der werdende Vater.

„Ich bin zu alt! Ich bin eine Oma!“

„Da sind die Natur und ich wohl anderer Meinung, “ strahlt mein Schatz und legt sein Ohr an meinen runden Bauch. Sogleich beginnt er mit der Kommunikation

„Naaaa, spielst du gern Fußball? Soll Papi dir einen Sandkasten bauen?“

Der hat den absoluten Knall!

Wenn nur die Wehen nicht so schlimm wären! Mein immenser Bauch stört in jeder Lage und aus meinen Brüsten tropft schon Milch. Ich bin in Schweiß gebadet und höre die Stimme des Arztes

„Alle sechs sind gesund und munter!“

Mit einem Schrei wache ich auf. Der Schweiß läuft an mir herab, mein Bauch tut weh und ich liege auf dem Golfball, den Junior gesucht hat. Als ich ihn aus dem Bett werfe, sind die Wehen weg, mein Bauch schmerzt immer noch. Im Halbschlaf taste ich nach meinem Busen. Gottlob! Dort ist alles trocken! Mein Bauch besteht auch nur aus der gewohnten Wohlstandsrolle. Keine Schwangerschaft, nur ein Traum.

Das kommt davon, wenn man zu viele Pflaumen nascht und spät am Abend Joghurt isst. Die hochträchtige und überdurchschnittlich liebebedürftige Dackeldame meiner Nachbarn werde ich auch nicht mehr stundenlang bemuttern, denn irgendwie überträgt sich wohl dieses Gefühl des Mutterwerdens.

Mein Mann findet das sehr spaßig aber ärgert sich, weil ich so früh wach wurde. Er wüsste zu gern, ob ich nun sechs Buben oder sechs Dackelwelpen bekam.