In jungen Jahren ist es vor allem die Sexualität, die insbesondere Männer bedrängt, umtreibt und nach Befriedigung und Erfüllung strebt. Das ist schon von der Natur so vorgesehen, um Nachkommenschaft und die Erhaltung der Art zu gewährleisten.

Doch wir Menschen unterliegen ja anders als die Tierwelt nicht nur unseren Trieben und betreiben Sexualität nicht vorrangig oder nur, um uns fortzupflanzen!

Es ist in der modernen Welt ja eher das Gegenteil der Fall! Nachkommenschaft wird verhütet, um ungestört die Sexualität genießen zu können Und das ist auch gut so!

In früheren Zeiten waren es ja insbesondere die Frauen, die aus Angst vor ungewollten Schwangerschaften die Sexualität weit weniger genießen konnten als Männer.

Heute ist das aufgrund moderner Verhütungsmethoden kein Thema mehr.

Und doch spielen noch immer die doppelte Moral in Bezug auf das, was Männern erlaubt ist, Frauen jedoch noch längst nicht in gleichem Maße gestattet wird, eine nicht unwesentliche Rolle, wie lustvoll oder auch nicht, Sexualität ausgelebt werden kann.

Erziehung, religiöse Vorstellungen und kirchliche Institutionen wirken maßgeblich in das Sexualleben junger Heranwachsender mit hinein und spuken bei aller Aufgeklärtheit und moderner Lebenshaltung noch immer in den Köpfen vieler Menschen herum.

Die moralischen Vorgaben der drei großen Weltreligionen sind eher lustfeindlich, da dort das sexuelle Zusammensein lediglich auf die Ehe beschränkt, und gleichgeschlechtliche Liebe als etwas Unnatürliches und Sündiges herab gewürdigt wird und verboten ist.

Sexualität, sowie das körperliche Zusammensein mit einem anderen Menschen, wird von den meisten - aller lustfeindlichen Moralvorstellungen zum Trotz - als etwas Schönes, Wunderbares und Erstrebenswertes angesehen.

Wer das einmal als berauschend, euphorisierend erlebt hat, wird es nie mehr missen wollen und danach streben, es immer wieder zu erleben!

Doch das sexuelle Beisammensein hat nicht immer etwas mit Liebe zu tun!
Wie oft hat man das in seiner Jugend verwechselt!

Verliebt zu sein, den anderen mit Haut und Haaren zu begehren, gar nicht genug von ihm  bekommen zu können und sich selbst ebenso begehrt zu fühlen, löst unvergleichliche Gefühle des Hochgestimmtseins, der Verbundenheit, der Vollkommenheit und des Glücks aus.

Man möchte die ganze Welt umarmen, sieht alles durch die rosa-rote Brille, fühlt sich als besserer Mensch und ist oft ganz außer sich vor lauter Glück!

Einen anderen Menschen körperlich anziehend zu finden, ihn zu begehren, umarmen, küssen, streicheln und ganz tief in ihn eintauchen zu wollen, löst zuvor nie gekannte unvergleichlich schöne Gefühle in einem aus, die ganz leicht mit Liebe verwechselt werden können!

Wer hat das nicht schon einmal - oder sogar häufig - erlebt und verwechselt?!

Man genießt den anderen, das enge vertraute Zusammensein, liebt seine Haut, sein Haar, seinen Duft, seine Berührungen, Umarmungen, die in gleicher Weise erwidert werden.

Selbst in der Öffentlichkeit kann man nicht von einander lassen. Möchte einander an den Händen halten, sich küssen, verstohlen an den heimlichen Stellern berühren!
Man hat es bei sich selbst erlebt und sieht es auch bei anderen und freut sich, wenn einem ein offensichtlich verliebtes Paar begegnet.

Aber ist das wirklich Liebe?

Meiner Erfahrung nach nicht! Denn zur Liebe gehört noch viel mehr, auch wenn man im ersten Rausch der seligen Verliebtheit zunächst hofft, glaubt, meint, dass es Liebe ist, was man fühlt!

Doch ist der erste - vor allem sexuell begründete - Rausch verflogen, die rosa-rote Brille abgesetzt, muss man oftmals erkennen, dass der andere eben anders ist und Verhaltensweisen und Eigenschaften besitzt, die einem nicht gefallen, ja, die einen sogar stören und unangenehm sind.

Man beginnt ihn genauer und ohne die Augen der anfänglichen Verliebtheit zu betrachten. Und oft muss man feststellen, dass man nicht wirklich zusammen passt, sehr verschieden von einander ist und man beginnt sich zu fragen, wo man nur seine Augen hatte?! Dieser Mensch hat trotz seiner körperlichen Vorzüge, seiner sexuellen Reize sonst so gar nichts, was zu einem passt oder gefällt!

Was tun, wenn der andere nach wie vor verliebt, von einem begeistert ist?
Wie ihm schonend mitteilen, dass man selbst nicht mehr so fühlt, ohne ihn zu verletzen?

Wie eine Beziehung beenden, die man selbst nicht länger führen möchte, der andere aber sehr wohl?

Entsprechende Gespräche gestalten sich meist schwierig und äußerst unangenehm.
Am Besten finde ich es immer, sich rar zu machen und nach und nach zurück zu ziehen. Das wird zwar auch als kränkend erlebt, aber doch in den meisten Fällen richtig verstanden.

Soll man nun zukünftig vorsichtiger sein in der Wahl seiner Sexualpartner?
Mehr prüfen, länger warten, um heraus zu finden, ob man auch sonst so gut zu einander passt? Oder sich weiter dem Rausch der sexuellen Liebeslust hingeben und dabei stets hoffen, dass es diesmal Liebe ist?

Denn Liebe ist etwas wirklich anderes als das lediglich körperliche Begehren, die sexuelle Anziehung.

Zur Liebe gehören für mich ein Gleichklang der Seelen, geistige Übereinstimmung, Achtung vor dem Wesen des anderen, mehr das Glück des anderen im Auge zu haben als das eigene Wohlergehen. Die Freude an ähnlichen Empfindungen, Gefühlen beim Teilen gemeinsamer Interessen und Ansichten. Der Wunsch, mit dem anderen Kinder haben zu wollen und gemeinsam alt zu werden.

Wie schön und wunderbar, wenn beides zusammen kommt:
Das gegenseitige körperliche Begehren, die vollkommene Übereinstimmung in der Sexualität und diese seelisch-geistige Verbundenheit, die einen in nie geahnte Höhen schweben lässt!

Dann, ja dann, fühlt man sich wirklich vollkommen, befriedigt, glücklich, am Ziel, eins mit dem Universum.

Ein Wunder, ein Glück, wer das erleben darf und festhalten kann!

Aber bis dahin ist es wohl auch nicht verwerflich, sich mit dem kleineren Glück zufrieden zu geben und es zu genießen, wo immer es einem begegnet!
Heute cool, doch treffend mit "Lebensabschnittspartnern" bezeichnet.

Es gibt ein hübsches Chanson gesungen von Adamo:
"Ein kleines Glück wird einmal groß, wenn du nur warten kannst,
dann fällt es auch in deinen Schoß! Ist Liebe da, nur eine Spur...."

 

Text: G. "Picasso"

Bild: "Die nackte Maja" von Francisco de Goya y Lucientes (1797)                            Museo del Prado Madrid