Sonntag. Pauls Büro ist voller Nebel. Vernebelt sind die Konturen seines Schreibtischs, und auch Fräulein Krause in ihrem hübschen Mini sieht irgendwie nur schemenhaft aus. Paul sieht vor allem ihre Oberweite und ihr Becken. Das reicht ja auch bei Fräulein Krause.

Nein, eine Gehaltserhöhung kriegt sie nicht, hat Paule soeben gesagt. Aber dass sie sich was dazu verdienen könne. Sie müsse nur öfter mal um seinen Schreibtisch herum zu ihm kommen und sich zu ihm setzen. Das sei ihm schon was wert...

Pauls Büro mitsamt Nebel und Fräulein Krause verziehen sich. Paul wacht auf. Die Sonne blinzelt durch die Vorhänge und Paul spürt seine Hormone durch alle Glieder. Durch alle, aber durch eines ganz besonders.

Jetzt könnte ich, denkt Paul. Jetzt möchte ich. Jetzt müsste ich sogar.

Paul dreht sich und sieht Teile von Eva. Evas Nachthemd dient nur noch als Halskrause. Sie schläft so unruhig.

In dieser Nacht hat Eva noch unruhiger geschlafen als sonst. Eva hatte einen schönen, harmonischen Liebesfilm mit Brad Pitt gesehen und war dann schlafen gegangen. Ein paar Streicheleinheiten, ja, ein richtig entspannender Ritt mit abschließendem Orgasmus hätten ihr gut getan gehabt, aber dieser ätzende Kerl namens Paul neben ihr hatte schon geschlafen und dabei auch noch entsetzlich geschnarcht.

Eva hatte Mühe gehabt, einzuschlafen. Aus zwei Gründen. Den einen hatte sie selbst beseitigt, aber Paul dazu zu bringen, mit dem Schnarchen aufzuhören, war so gut wie unmöglich. Da halfen eigentlich nur noch Übermüdung oder eine Nacht auf der Couch.

Paul starrt also auf Evas blanken Rücken. Ein Sonnenstrahl betont das charmante Fettpölsterchen über Evas rechtem Beckenknochen. Das macht Paule noch mehr an.

Sie müsste wach sein, denkt Paule. Solange sie nicht wach ist, wäre es eine glatte Vergewaltigung. Sows mache ich ums Verrecken nicht. Aber Eva schläft immer so lange. Wie soll er sie wach kriegen?

Paul räuspert sich umständlich. Der Schleimpfropfen im Hals löst sich noch nicht richtig. Paul sollte ihn richtig abhusten, und das tut er nun auch.

Eva wacht auf. Sie kommt langsam zu sich und registriert, dass Paul wach ist. Eva kennt das schon. Männer und ihre Morgenlatten...

Bin ich sein Mülleimer? Bin ich sein Mittel zum Zweck? Der Kerl denkt doch nur noch an dieses Krause, womöglich auch noch, wenn er in mir ist. Außerdem hat er mich gestern Abend schmoren lassen. Wozu brauche ich einen Mann, wenn er nie da ist?

Nä, denkt Eva. Der nicht. Jetzt nicht. So nicht. Eva schläft wieder ein. Sie schläft wirklich.

Frühstück.

„Gibst du mir mal bitte die Butter rüber?“

„Die steht doch näher bei dir als bei mir.“

„Stimmt nicht. Du hast nur keine Lust, sie mir rüber zu geben.“

Paul schnippst mit den Fingern. „Soll ich was zum Messen holen? Nun gib sie schon.“

„Auf die Art sowieso nicht. Bin ich deine Dienerin? Wozu isst du überhaupt Butter? Du wolltest doch abnehmen.“

Paul springt auf. „Vom Abnehmen musst ausgerechnet du reden. Guck dir doch mal deinen Rettungsring an. Da vergeht einem ja alles.“

Paul geht Richtung Klo.

Jetzt denkt er wieder an die Krause, damit er sich besser entspannen kann, denkt Eva. Eine beschissene Ehe ist das, denkt sie.