Sie ist fort.

Die Tür hatte sie leise ins Schloss gezogen. Er hörte noch den Klang ihrer Absätze, lauschte bis sie ins Unhörbare verschwunden waren.
Einfach so.
Dabei hatte sie ihm noch einen Kuss auf die Wange gehaucht, fast wie immer.
Nein, dieser letzte kleine gehauchte Kuss fühlte sich schon an wie: Das war`s.
Jetzt war ihm das klar. Vorhin noch nicht.
Wie konnte sie ihn so einfach hier sitzen lassen? Gestern noch hatten sie gemeinsam Möbel ausgesucht und gekauft. Und sie hatten viel gelacht.
In der Küche wollte er einen kleinen Essplatz und sie suchte einen Wandklapptisch dafür aus.
Sie sagte:“ Ich stell mir das richtig schön vor, wenn ich an diesem Tisch von dir mit Cappuccino verwöhnt werde. Und du wirst auch nicht den Keks dazu vergessen?“
„Den bekommst du“, erwiderte er lachend „und einen Hocker, damit du deine Füße hoch legen kannst, stell ich dir auch hin.“
Gestern noch!
Und jetzt ist sie fort.
Er stand nicht auf, um ihr nach zu sehen. Er kannte den Anblick von wohl tausendmal nachschauen; sie würde noch mal hoch, zu den Fenstern blicken, und winkend ihr Auto aufschließen.
Noch ehe die Tür geschlossen war, würde das Motorgeräusch zu hören sein.
Nein, diesmal schaute er ihr nicht nach.
Bleischwer blieb er sitzen.
Wer soll denn heute Essen kochen? Er verspürte Hunger, ging aber nicht zum Kühlschrank.
Er nahm die Fernbedienung seines Fernsehers und suchte ein Programm, das ihn unterhalten konnte.
Zwischen Werbesendungen gab es noch Nachrichten, Dokumentationen, Musik, Fußball und andere Bilder, die ihn nicht interessierten.
Er ging nun doch zum Kühlschrank.
Bier.
Er freute sich und beschloss sich doch allein ein Essen zu machen. Andere würden schließlich auch nicht verhungern, wenn sie verlassen werden.
Beim Essen fiel ihm ein, wie viel sie ihm abgenommen hatte und was er ab sofort allein erledigen müsste: Wäsche sortieren, waschen, bügeln und in den Schrank legen. Einkaufen, Telefonrechnung bezahlen, Küche sauber halten.
Bad putzen!
Während er sein Spaghettifertiggericht langsam auf den Löffel rollte, dachte er an sie.
Sicher ist die Trennung vorhersehbar gewesen. Doch nie hatte er sich vorstellen können, dass der Abschied von ihr ausgehen würde.
Er war umgänglich und unkompliziert. Er würde sich, wenn man ihn fragte, wie folgt selbst beschreiben: nett, sauber, freundlich und mit geregeltem Einkommen.
Das waren doch ganz ordentliche Eigenschaften.
Wieso wollte sie nicht, dass sie zusammen blieben?
Flausen hatte er auch keine mehr im Kopf, er war gerade Zweiunddreißig geworden.
Er stellte den schmutzigen Teller in die Spüle, den Topf und das Abtropfsieb daneben.
Dann wischte er den Herd und den Tisch ab und murmelte missmutig:
„Mensch Mutti!“