Völlig gelassen sahen wir der Silvesterparty entgegen.
Die fand schließlich nicht in unseren vier Wänden statt, man sollte sich salopp kleiden und einfach nur gute Laune mitbringen. Klar, haben wir doch eh immer! Schnell noch auf dem Hinweg ein befreundetes Ehepaar abgeholt und los ging es.
Alles ganz wunderbar, das Buffet super und so reichlich, dass die Kinder auf die Idee kamen, jeder müsse gegen sie beim Tanzen antreten…solch ein Gruppenhampeln per Wii.
Gott, war ich froh, dass ich fotografieren musste! Das war schlimmer als Gymnastik mit Jane Fonda!
Der anwesende Hund war überaus freundlich. Jeder Neuankömmling wurde wedelnd begrüßt und genau nach eventuellen Hundeleckerchen abgeschnüffelt. Meine Handtasche liebte er auf Anhieb! Um mir deutlich zu machen, dass er vor lauter Hunger zu schwach war, sich allein auf den Beinen zu halten, legte er seinen Kopf auf meine Knie und pustete ihnen die Temperatur einer gut geheizten Sauna ein. Kein Problem, war es doch recht usselig und kühl draußen.
Nachdem wirklich kein einziges Krümelchen mehr in der Tüte mit den Kaustreifen war, wedelte sich Pico, der Schäferhund, munter durch die zwei Dutzend Gäste.
Gegen 23 Uhr ließ vor der Tür ein voreiliger Mensch den ersten Böller los. Aus dem gerade noch fröhlich wedelnden Schutzhund wurde ein unter der Bank kauernder Schluchzhund, der wie Espenlaub zitterte. Die Ohren hatte der arme Kerl so angelegt, dass ich befürchtete, sie würden unweigerlich in seinem Nacken festwachsen und falls das auch mit seinem Schwanz passierte, würden die nächsten Gassirunden uns vor Probleme stellen, die wir so nicht kannten.
Erst gegen 23.40 traute sich Pico wieder unter der Bank hervor. Oh je, gerade packten die ersten Gäste die Knaller aus, um sie griffbereit zu haben. Mein Vorhaben, mit Langzeitbelichtung ordentliche Bilder von den Raketen zu bekommen, fiel buchstäblich ins Wasser, genauer gesagt in Nieselregen, der fein versprüht jeden Schirm nutzlos machte, weil die feinen Tropfen von allen Seiten kamen. Sowas mögen Kameras überhaupt nicht…ich auch nicht!
Wer kam eigentlich auf die Idee, den Hund ins Auto zu bringen? Es stand neben dem Haus, wo garantiert keiner Knallkörper abbrennen würde, aber das arme Tier so ganz allein? Mit einen Bund Trostsalzstangen stieg ich um 23.55 zu Pico ins Auto. Noch war es ruhig und er freute sich unbändig über die Salzstangen, konnte gar nicht warten, bis ich die Salzkörner ab geknibbelt hatte.
Obwohl ich niemanden sehen konnte, hörte ich die Gäste der Party vorm Haus. Na, da waren die Knaller wohl noch schlimmer. Wie übertönt man Krach? Richtig! Durch anderen Krach, manche sagen dazu Musik. Schlüssel rein, Radio an, CD rein und mit den ersten Böllern dröhnte es aus den Lautsprechern „Hells Bells…..!“
Das verstand Pico falsch und bellte. Woher soll das Tier auch Englisch können? Da ich laut mitsang, fühlte er sich animiert, erst noch zu bellen und dann eher in den Jaulton einzustimmen, den ich nach sechs Stunden zwischen Rauchern noch von mir geben konnte. Begeistert von unserem Duett kletterte er mir auf den Schoß, schleckte mir zwischen Jaulern und kleinen Kläffern Gesicht, Hals und Ohren ab, wobei ihm unfreiwillig einige Zungenküsse bis zum Zäpfchen gelangen, da ich ja immer noch versuchte, lauter als die Böller zu sein.
Nach zwanzig Minuten war ich heiser, die Knaller alle verballert und der Hund glücklich und durstig nach all den Salzstangen. Ich suchte nach einem Tempotuch um mein Gesicht in einen wenigstens halbwegs zivilisierten Zustand zu bringen. Pico glaubte wohl, ich hätte doch noch Leckerchen versteckt. Sogleich kletterte er wieder vom Beifahrersitz zu mir rüber und der Teufel weiß, wie er das schaffte! Er wedelte auf die Hupe, die im Rhythmus von SOS erklang. Wenn ich mal hupen muss, breche ich mir fast den Daumen, Pico trampelte mit seinen zarten 34 Kilos auf meinen Oberschenkeln herum und morste mit dem Hintern Hupzeichen Tüt,Tüt,Tüüüüüt…TZ!
Das funktioniert gut, doch wie soll ich diese Methode während der Fahrt anwenden? Außerdem ist das in Deutschland bestimmt verboten!
Plötzlich war das Auto umlagert von netten Menschen, die unsere Seelen retten wollten. Ein Scherzkeks wollte uns sogar eine Gitarre rein reichen, um unser Konzert auch musikalisch zu untermalen. Waren wir doch nicht so unbeobachtet, wie wir glaubten?
Kurz darauf, alle waren wieder im Haus, fiel einem bestimmten Herrn auf
„Schatzi, du bist ja dieses Jahr noch gar nicht richtig geküsst worden!“
TZ! Der Mann hatte ja keine Ahnung!
Wie ihr lesen konntet…nix passiert, allet im jrünen Bereich!
