Noch nie stand die Liebe so im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit wie heute. Woran liegt das? An einer Übersättigung des Konsummarktes gerade im Bereich der Liebe? Befinden wir uns in einem Umbruch? Die Monogamie scheint auf dem Prüfstand zu stehen, genauso wie die Institution Ehe … doch wer genauer hinschaut, erlebt anderes …
Psychologen, Therapeuten, Wahrsager haben Hochkonjunktur, denn es scheint mehr Liebeskummer zu geben, als dass eine glückliche Liebe gelebt werden kann. Das Angebot der bereitwillig Liebenden ist so vielfältig, schon fast unüberschaubar, so dass sich schlussendlich doch nur wenige Paare für einen längeren Zeitraum glücklich finden. Man liebt heute, um Erfahrungen im sexuellen Bereich zu machen. Menschen verkaufen sich als die besten Partner, weil sie etwas besitzen, was andere nicht haben. Liebe ist Konkurrenz geworden. Es entwickelte sich im Laufe der Zeit ein Markt, wo um Liebe gefeilscht wird, als ginge es um Ware …
Es geht um das WIR BEIDE gegen den Rest der Welt … Alles andere rückt dabei in den Hintergrund. Das allumfassende Thema, was uns heute vorrangig beschäftigt nennt sich LIEBE …
Liebe ist eine Fiktion. Doch wird sie in der Zwischenzeit publiziert wie nie zuvor. Aber das scheint wenig zu nutzen. Schaut man sich die unzähligen Liebeskummerbeiträge in den jeweiligen Foren an, erkennt man zwei Gruppierungen: Diejenigen, deren Kummer so groß ist, es einer breiten Öffentlichkeit zu unterbreiten und diejenigen, die hierfür die klügsten Ratschläge geben, als wenn Liebeskummer für sie ein Fremdwort wäre. Und … trotzdem bleiben wir EINSAM …Nichts scheint wirklich zu helfen, woran liegt das?
An uns selbst …
Was wollen wir? Weiß das ein jeder wirklich? Ist der Mensch überhaupt fähig zu lieben? Dazu müsste man erst einmal wissen, was Liebe überhaupt ist. Wie viel Zeit nimmt sich der Mensch für sich selbst, um für sich zu entscheiden, was er wirklich will? Das Angebot bezüglich der Möglichkeiten die Liebe zu leben, ist ja sehr vielfältig.
Ich nehme mal ein Beispiel:
Zwei Menschen kommen zueinander. Sie treffen nicht zufällig aufeinander. Aber dazu komme ich später. Beide haben sehr unterschiedliche Vorstellungen von dieser Begegnung und damit Beziehung. Nur sagen sie es nicht ehrlich. Vielleicht, weil sie selbst nicht wissen, was sie sich wirklich wünschen. Also lassen sie es laufen … und schon stellt sich heraus, dass sich da zwei ganz unterschiedlich in der Auffassung von Beziehung denkende Menschen gegenüber stehen. Der eine möchte von Grund seines Herzens her eine tiefgründig der Zweisamkeit ausgelegte Beziehung, passt sich aber seinem Partner an, weil dieser mehr die Distanz liebt. Man ist ja nicht dumm, man weiß ja um das viel zitierte und hoch gelobte ausgewogene Verhältnis zwischen Nähe und Distanz.
Trotzdem stört es einen selbst, dass der andere alles andere als daran interessiert ist, die Wochenenden mit einem selbst zu teilen. Schon rotiert es in einem selbst. Der Partner liebt mich nicht, er hat noch einen anderen Partner, ich werde nur benutzt … etc. … Die erste Auseinandersetzung lässt nicht lange auf sich warten …
Was geschieht da eigentlich? Wir wissen über alles Bescheid „in Sachen“ Liebe, denn wir sind ja klug, aber wir verhalten uns unserem gedanklich erwobenen Wissen gegenüber ganz anders … Warum nur? Warum treffen wir immer wieder auf die Falschen? Die Menschen, die uns unglücklich und nicht glücklich machen?
Was sich in uns bewegt, tragen wir unbewusst nach außen. Wir treffen freiwillig auf Menschen, die uns spiegeln. Wir treffen NICHT auf die Falschen, sondern diese Menschen, auf die wir treffen, spiegeln unser Inneres wieder. In meinem Beispiel ist der Wunsch nach einer tiefen und der Zweisamkeit ausgerichteten Beziehung der Wunsch eines der Partner. Er trifft auf ein Gegenüber, welches ihm die Distanz spiegelt … Dies bedeutet: Der Wunsch nach inniger Nähe ist noch eine Vision des einen Partners, wobei er aber gleichzeitig die Distanz nach außen hin reflektiert, weil er in dieser Phase begründet nicht in der Lage ist, Nähe wirklich zu zulassen. Deshalb und nur deshalb trat das entsprechende Gegenüber in sein Leben. Das Gegenüber spiegelt diese Distanz, die er selbst lebt.
Wir wünschen uns zwar Nähe, aber wir können sie selbst noch gar nicht aushalten, obwohl wir sie uns inniglich wünschen … Wir sind also in diesem Moment noch gar nicht in der Lage ehrliche, tiefe Liebe zu geben, weil wir uns etwas anderes wünschen, als das was wir reflektieren …
Sind wir nicht glücklich in einer Beziehung, so müssen wir uns selbst hinterfragen, ob wir eigentlich wissen, was wir uns wünschen. Was ist unser Idealbild von einer Beziehung? Um diese Vision umzusetzen, müssen wir sie als Ziel definieren, denn wer etwas erreichen will, hat Ziele. Wer etwas verhindern will, sucht Gründe …
Liebe ist nicht zu rationalisieren. Es bedarf seiner Zeit, den inneren Zugang zu sich selbst und seinem Herzen zu finden. Die Liebe, die daraus erwächst, findet ihr Spiegelbild in dem gewünschten Liebespartner …
So einfach ist das … lächel
Sarah
