Jeder, der sich einmal entschlossen hat, den spirituellen Weg zu beschreiten, bemerkte meist rasch, daß er sich in seinem Familienumfeld und bisherigen Bekanntenkreis so ziemlich allein auf weiter Flur befand. Die spirituelle Weltanschauung stieß auf Unverständnis, Ablehnung und Widerstand. Wer dann noch versuchte, seine Schäfchen zu missionieren, war innerhalb kürzester Zeiz ein Außenseiter. Wer mochte sich schließlich schon gerne mit seinen eigenen Schattenseiten, mit seinen Vorurteilen und Denkmustern auseinandersetzen? Jeder, der diesen Weg jedoch trotz der anfänglichen Hindernisse und Widerstände weiterhin beschritt, traf mit einemmal auf Menschen, die seine Sicht- und Denkweise teilten. Der Beweis dafür, daß das Gesetz der Anziehung seine Gültigkeit hatte. Es wurden immer mehr Gleichgesinnte, interessante Bücher und Vorträge bestätigten, daß man doch nicht so einsam unterwegs war und die Richtung schon zu stimmen schien. Der spirituelle Weg bringt es jedoch auch mit sich, daß man-ebenfalls gemäß dem Gesetz der Anziehung-all seinen unausgesprochenen Mustern, Ängsten, Zweifeln und Vorurteilen begegnet.
Im Gegensatz zum Glauben der Masse, war einem nun bewußt, daß man s e l b s t verantwortlich ist für alles, was von außen auf einen zukommt, daß man nur s e l b s t ausgesandt hatte, was nun zurückkehrt. Auf einmal erschien es mühevoll und mit Anstrengung verbunden, gegen den Strom zu schwimmen.
Es war so bequem, die Verantwortung abzugeben, andere zu beschuldigen und sich seinem Jammer zu überlassen.
Manchmal begegneten einem Anfeindungen von außen, Menschen wandten sich ab, man fiel in die Kategorie "weltfremder Spinner".
Nun erforderte es Mut, Vertrauen und Selbstdisziplin, weiterhin gegen die Strömung zu schwimmen, sich nicht mit der Masse von der Quelle immer weiter wegtreiben zu lassen. Zeitgleich begann aber nun auch ein enormer Selbstreifungs- und Evolutionsprozeß. Die vermeintlichen Hindernisse und Erschwernisse auf dem Weg wandelten sich in die berühmten Steine, aus denen wir etwas Schönes bauen können - nämlich ein neues Selbstbild, Brücken zu bisher verborgenen Talenten und Fähigkeiten und einem Weltbild, das Antworten auf all unsere Fragen geben kann.
Je weiter die Strecke ist, die wir auf unserem Weg zur Quelle bereits zurückgelegt haben, desto näher kommen wir unserem wahren Selbst, desto mehr verschwinden unsere Gewohnheiten und Muster, die wir uns zurechtgelegt haben, um in der Masse bestehen zu können und akzeptiert zu werden. Je weiter wir gegen den Strom schwimmen, desto geringer wird die Masse derer, die sich mit der Strömung treiben lassen. Je näher wir der Quelle kommen, desto einfacher wird der Weg. Wir haben alles zurückgelassen, was uns noch von unserem Vorhaben abbringen könnte. Wir empfinden keinen Widerstand mehr dabei, gegen den Strom zu schwimmen.Es erscheint uns so einfach wie den Fischen, weil wir nicht nur glauben, daß es möglich ist, sondern weil wir es am eigenen Leib erfahren haben.
Wir haben erkannt, daß jedes scheinbare Hindernis, an dem wir uns reiben durften und dürfen, in Wahrheit ein Geschenk ist, das einen Teil unseres inneren Schatzes an die Oberfläche befördert und in uns das göttliche Wesen zum Vorschein bringt, das wir sind.
Wer gegen den Strom schwimmt, nähert sich der Quelle. Wer sich umschaut, erkennt, daß es immer mehr Menschen werden, die beginnen, gegen den Strom zu schwimmen. Und eines Tages kehrt sich die Strömungsrichtung des gesamten Flusses um, und er fließt nach Hause, zurück zur Quelle allen Seins.
(Landshuter Wochenblatt von Barbara Tayler