Wer schon einmal gestalkt wurde, wird mir sicher Recht geben, dass man dies nicht mehr „nur“ als Krankheit bezeichnen kann, obwohl es wohl keinen anderen Ausdruck für das Handeln solcher Menschen gibt. Auch der Wahn ist krank.

 

Wer davon betroffen ist, wird sich erst einmal damit beruhigen, dass der Mensch, der einen selbst verfolgt, sei es über SMS oder Mail bishin zur Belästigung über das Telefon oder Handy, sich schon wieder beruhigen wird, wenn man konsequent alles ignoriert, was der Stalker unternimmt. Was aber ist, wenn so ein Stalken über einen längeren Zeitraum hinweg betrieben wird? Ich meine damit, wenn dieser Wahn über mehrere Monate hinweg andauert und sich immer weiter steigert, so dass man auf Schritt und Tritt verfolgt wird?

 

Ich kann mir gut vorstellen, dass anfänglich jedes Opfer, was über einen Schlusspunkt, den es klar setzte, hinaus immer wieder SMS und Mails bekommt, noch nicht den Tatbestand eines Stalken erkennt. Vielleicht denkt es sich, dass es noch nicht klar und deutlich genug das ultimative Aus definiert hat. Das Opfer empfindet vielleicht anfänglich selbst schuld an dem Verhalten des Täters, weil der Täter ja offensichtlich nicht loslassen kann. Es denkt darüber nach, woran es liegt, dass dieser Mensch nicht loslassen kann und kommt ihm nochmals ein Stückweit entgegen. Diese Handlung ist völlig falsch. Aber so etwas weiß ein Opfer erst im Nachhinein. Denn nicht jeder verschmähte Lover ist auch gleich ein Stalker.

 

Oft ist es die Idealisierung des Opfers, was den Täter zum Stalker werden lässt. Er kann nicht mit Zurückweisung umgehen, idealisiert jedes Wort des Opfers und hält sein eigenes Handeln für völlig richtig. Der/die Angebetete weiß ja nur nicht um die Liebe, die der Täter zu geben hat. Je mehr sich das Opfer versucht zu lösen, umso mehr sieht der Stalker darin seine Aufgabe, das Opfer zur Rückkehr zu bewegen und wenn es eben sein muss, dann mit entsprechendem Terror.

 

Das Opfer kann sich nur davor schützen, indem es alles ignoriert, was eine Kontaktaufnahme zulässt. Doch was geht in so einem Opfer vor? Sicherlich hängt es von der Schwere der Belästigung ab, inwieweit das Opfer in seinem persönlichen Freiraum eingeschränkt wird. Zudem wird sich jedes Opfer dauerhaft im Rahmen seiner Möglichkeiten schützen, indem es sich eine neue Telefonnummer zulegt, oder eine Fangschaltung einrichten lässt, indem es sich einen Wohnungstüröffner besorgt, den man auf lautlos stellen kann, etc. … Vor allem ist es wichtig, nicht mit dieser Verfolgung seitens des Täters alleine zu bleiben, sondern offen darüber mit den Menschen des Vertrauens zu sprechen. Je mehr Menschen mitbekommen, welchen Psychoterror das Opfer zu erleiden hat, umso besser kann sich das Opfer vor Gericht beweisen, denn das Stalken ist eine Straftat. Die Beweislast liegt beim Opfer. Kommt es zu einer gerichtlichen Verfolgung wird das Opfer uU finanziell in Vorkasse treten müssen, wenn beim Täter nichts zu holen ist. Doch ist der wichtigste Schritt eines dauerhaften Psychoterrors die Einschaltung eines Rechtsanwaltes. Man findet hier viele Informationen im Net.

 

Doch worum geht es mir eigentlich in meinem Artikel? Wenn eine Partnerschaft, Beziehung, Affäre für einen der beiden Partner zu Ende geht, dann sollte er dies unmissverständlich klar stellen. Zwischen verschmähten Ex und Stalkern gibt es die Grauzone.

 

Häufig aber versuchen gerade diese sich schon als Ex-Partner Gesehene durch Stillschweigen oder des sogenannten Sich-Nicht-Meldens einer Aussprache zu entziehen. Der/die Eine oder Andere mag vielleicht auch den verschmähten Partner gerne noch etwas hinhalten, für den Fall der Fälle, um nochmals auf ihn zurück greifen zu können. Ein solches Verhalten ist sicherlich nicht fair, vor allem aber kann ein solches Verhalten dazu führen, dass sich auch der/die verschmähte Ex zu einem wahren Stalker entwickelt. Liebe und Hass liegen eng beieinander.

 

Man erspart nicht nur sich selbst, sondern auch den Menschen gegenüber, die man einmal sympathisch fand oder liebte, viel Leid und Kummer, wenn man auch in der Trennungsphase mit Rücksicht auf die Gefühle des/der Ex umgehen kann. Nicht immer ist so etwas von Erfolg gekrönt, aber Fairness zahlt sich in den allermeisten Fällen aus.

 

Stalken ist für die Opfer eine ganz schlimme Erfahrung, weil die Angst vor dem Ungewissen schleichend wächst. Man sieht sich erst einmal gar nicht als Opfer, weil man auf die heilende Zeit hofft. Aus dem Auge, aus dem Sinn. Doch selbst wenn der Stalker von einem selbst irgendwann los lässt, wird er sich ein neues Opfer suchen. Übergreifende Gewalt ist eine nicht seltene Folge eines echten Stalkens, wenn der Stalker fühlt, dass er Macht über sein Opfer verliert. Dieser Wahn ist auf keinen Fall zu unterschätzen, und leider suchen viele Opfer zu spät die Hilfe von den richtigen Stellen.

 

Ein ehrliches Miteinander in Partnerschaften wäre hilfreich, sowie ein sehendes Auge wie offenes Ohr für Opfer, damit stalken nicht zur Volkskrankheit wird …

 

Sarah