Stangenfieber 1. Teil - Heisse Männer sind auch Menschen!
Erfarung mit (erotischen) Kontaktanzeigen aus meiner „Ich bin auf einmal wieder Single Zeit 2005“
Im Frühjahr 2005 erwischte mich voll das Leben. Meine Ehe zerbrach. Ich zog meine Konsequenzen, suchte mir blitzschnell eine kleine Wohnung. Verließ, zusammen mit meinem vierpfotigen Freund, mein altes Leben.
Nach kurzer Phase des Selbstmitleides, Verlust meines neuen Arbeitsplatzes und Existenzkampf, genoss ich meine Freiheit.
Eine Freundin brachte mich auf die Idee, auf Annoncen im Stadtanzeiger oder der Tageszeitung zu achten. Ich las aufmerksam Kontaktanzeigen herkömmlicher und erotischer Art. Wollte keinen Mann für`s Leben, sondern mein Vergnügen.
Unvorstellbar, wie viel Annoncen in den Zeitungen zu finden waren. Ich suchte nach Anzeigen mit Angabe der Handy- oder Telefonnummer, da ich niemanden anschreiben wollte.
Anfangs war es für mich reiner Spaß und ich hegte keine Hoffnung, zum Erfolg zu kommen. Nicht mit meinem Aussehen und Alter. Ende vierzig und übergewichtig, wer interessiert sich dafür?
Doch bald wurde ich eines Besseren belehrt…
Meine Treffpunkte waren öffentliche Orte oder Plätze und grundsätzlich wurde ich von meinem vierbeinigen Bodygard (meinem geliebten Schäferhund Bronco) begleitet.
Keiner dieser folgenden Darsteller ist frei erfunden und spielt im heutigen Leben eine Hauptrolle.
Eines Morgens traf ich mich mit einem hübschen Türken, der mit einer roten Rose bewaffnet auf einem großen Platz auf mich wartete. Er schaute skeptisch auf meinen Hund, lachte mich spitzbübisch an, zeigte seine Zahnlücken und lud mich zum Frühstück in ein Lokal ein. Er entpuppte sich als charmanter Plauderer, der ungeniert seine sexuellen Vorlieben offenbarte und von seinem besten Stück erzählte. Haargenau in Längen- und Breitengraden.
Es war ein lustiges Frühstück, in einer rauchigen Kneipe, umweht von seiner Knoblauchfahne. Bald drängte er zu zahlen, um noch einen Großeinkauf zu tätigen und sich dann von mir, in meiner Wohnung, verwöhnen zu lassen. Er war verwundert, als ich diesen Vorschlag ablehnte und lieber mit meinem Hund an den Rhein fuhr. Böse war er jedoch nicht und verabschiedete sich genauso charmant, wie er mich begrüßte.
Am nächsten Abend hatte ich ein Blind-Date in meinem Lieblingssteakhaus, was für ein Luxus für mich und egal wer dort auf mich wartete, ich würde das köstliche Essen genießen.
Ich schaute mich ein paar Mal um, dachte, aha – versetzt! Irrtum, da stand er auf und ich unter Schock.
Oh Mann, Kerle können noch besser lügen als wir. Laut Anzeige war er 56 und groß, gut aussehend, die Realität sah anders aus. Er hatte versehentlich die Zahlen verdreht, fast einen Kopf kleiner als ich und hatte schrecklich abstehende Ohren. Irgendwie tat er mir leid und hungrig war ich auch, so blieb ich und gönnte ihm für zwei Stunden den Anblick meiner gut gefüllten Bluse. Überraschend wurde es ein sehr netter Abend, wir unterhielten uns angeregt über Schäferhunde, er hatte eine Hündin, und über seinen Beruf Fahrlehrer. Er erzählte lustige Anekdoten und die Zeit verging im Fluge. Er fragte mich zum Ende hin, wie ein kleiner Junge, ob ich nicht doch seine Geliebte werden möchte, trotz Größen- und Altersunterschied, was ihn persönlich nicht störte. Nein, ich wollte nicht und hatte es ihm schon vor dem Essen klargemacht, da ich es auch nicht mag verarscht zu werden. Er fand meine Entscheidung sehr schade, zahlte nonchalant die Rechnung und brachte mich zu meinem Wagen.
Ich nahm ihn mit, bis zu seinem Auto, den er außerhalb der Stadt hatte stehen lassen. Auf dieser kurzen Fahrt erzählte er mir von seinem Stangenfieber, seiner Frau mit der er seit zwanzig Jahren nur auf dem Papier lebte, seiner Ex-Geliebten, die leider ausgewandert war und wie sehr er es hasste, sich selbst zu befriedigen. Puuuhhhhh, die Fahrt dauerte nicht all zu lange und ich verabschiedete mich kurz und schmerzlos, doch er schrieb über eine Woche SMS, mit der Bitte, alles noch einmal zu überdenken. NEEEIIIIIIN!
Das lustigste und gleichzeitig traurigste Treffen fand jedoch auf dem Parkplatz eines Discounter`s statt. Aus der Annonce und dem Telefonat wusste ich, dass er ein Farbiger war und wenig Deutsch sprach. Fand ich spannend, meine Englischkenntnisse aufzufrischen und Vorurteile gegen Ausländer waren noch nie mein Ding. Ich war viel zu früh am vereinbarten Treffpunkt, ließ Bronco bei geöffneter Heckklappe im Auto, nutzte die Zeit für einen Einkauf und als ich fertig war, sah ich ihn schon von weitem.
Ein rabenschwarzer Leuchtturm, mit elfenbeinfarbenen Zähnen, der direkt an meinem Auto stand und mit Bronco flirtete. Hilfe! Keine Möglichkeit zu entkommen, denn beide hatten mich schon entdeckt und strahlten um die Wette. Na gut, selbst Schuld, mein Vater hätte gesagt: Die Suppe die man sich einbrockt, muss man auch selbst auslöffeln!
Wir waren die Sensation auf diesem Parkplatz, eine aufgestylte, dicke Endvierzigerin und ein schwarzer Riese. Kurze Begrüßung und erst mal weg von hier. Er schwang sich auf den Beifahrersitz und füllte mein halbes Auto. Er war nicht nur sehr groß, so ca. 2 Meter, sondern auch sehr breit. Wir unterhielten uns in einem Kauderwelsch aus Deutsch und Englisch und er war wirklich ein Netter, sehr höflich und gebildet. Wir fuhren zu einem bekannten Ausflugsziel und gingen dort mit Bronco spazieren. Ich erfuhr, dass er aus Ghana stammte, Folteropfer und als politischer Flüchtling über Amnesty International nach Deutschland kam. In seiner Heimat arbeitete er als Dozent an einer Uni und hier als Hausmeister und besuchte eine Sprachschule. Menschlich war er sehr nett, doch als Mann reizte er mich überhaupt nicht und ich versuchte ihm dies schonend beizubringen. Doch auf diesem Ohr war er taub, er betrachtete mich wie eine Milchkuh von allen Seiten, fand mich rundherum Klasse und beschloss, ich werde seine Frau. Ich sagte ihm, dass ich noch verheiratet wäre und kein Interesse an einer neuen Ehe hätte, doch er ließ sich nicht von diesem Gedanken abbringen. Er kauderwelschte in einem fort über Frau, Ehe und Kinder kriegen und ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. Immer wieder versuchte er mich zu küssen und mich von seinen Qualitäten als zukünftiger Mann zu überzeugen. Ich schaffte es auf nette Art ihm auszuweichen und brachte ihn nach Hause.
Er lebte in einem gepflegten Einfamilienhaus, in einer Amnesty Internantional WG. Dort lud er mich noch auf einen Tee ein, spielte mir Musikvideos aus seiner Heimat vor und freute sich königlich. Ich erfuhr, dass diese Anzeige seine erste war, er nicht mehr alleine bleiben wollte und ihn das Heimweh schier zerfraß. Sex gehörte für ihn zum Leben, doch seine Gefühle waren schon lange gestorben. Er zeigte mir die Narben der Folter auf seinem Körper, die seiner Seele sah ich in seinen Augen.
Ich bot ihm meine Freundschaft an, doch er wollte mehr von mir. Dies konnte ich ihm nicht geben und ich sagte es ihm offen. Doch er wollte wohl nicht verstehen, zum Abschied schenkte er mir seine warme Jacke, da er meinen alten Mantel hässlich fand und diesen in der nächsten Mülltonne entsorgte.
Er fieberte dem nächsten Wiedersehen entgegen, doch dieses fand nie statt. Wir wurden kein Paar und keine Freunde, seine Jacke halte ich noch heute in Ehren und wünsche ihm Liebe und Frieden für sein Leben.
Es gibt noch zwei weitere Teile, die bald folgen…
Bildquelle: Fotograf berwis, Pixelio
Text @ Doris Sponheimer
Nach kurzer Phase des Selbstmitleides, Verlust meines neuen Arbeitsplatzes und Existenzkampf, genoss ich meine Freiheit.
Eine Freundin brachte mich auf die Idee, auf Annoncen im Stadtanzeiger oder der Tageszeitung zu achten. Ich las aufmerksam Kontaktanzeigen herkömmlicher und erotischer Art. Wollte keinen Mann für`s Leben, sondern mein Vergnügen.
Unvorstellbar, wie viel Annoncen in den Zeitungen zu finden waren. Ich suchte nach Anzeigen mit Angabe der Handy- oder Telefonnummer, da ich niemanden anschreiben wollte.
Anfangs war es für mich reiner Spaß und ich hegte keine Hoffnung, zum Erfolg zu kommen. Nicht mit meinem Aussehen und Alter. Ende vierzig und übergewichtig, wer interessiert sich dafür?
Doch bald wurde ich eines Besseren belehrt…
Meine Treffpunkte waren öffentliche Orte oder Plätze und grundsätzlich wurde ich von meinem vierbeinigen Bodygard (meinem geliebten Schäferhund Bronco) begleitet.
Keiner dieser folgenden Darsteller ist frei erfunden und spielt im heutigen Leben eine Hauptrolle.
Eines Morgens traf ich mich mit einem hübschen Türken, der mit einer roten Rose bewaffnet auf einem großen Platz auf mich wartete. Er schaute skeptisch auf meinen Hund, lachte mich spitzbübisch an, zeigte seine Zahnlücken und lud mich zum Frühstück in ein Lokal ein. Er entpuppte sich als charmanter Plauderer, der ungeniert seine sexuellen Vorlieben offenbarte und von seinem besten Stück erzählte. Haargenau in Längen- und Breitengraden.
Es war ein lustiges Frühstück, in einer rauchigen Kneipe, umweht von seiner Knoblauchfahne. Bald drängte er zu zahlen, um noch einen Großeinkauf zu tätigen und sich dann von mir, in meiner Wohnung, verwöhnen zu lassen. Er war verwundert, als ich diesen Vorschlag ablehnte und lieber mit meinem Hund an den Rhein fuhr. Böse war er jedoch nicht und verabschiedete sich genauso charmant, wie er mich begrüßte.
Am nächsten Abend hatte ich ein Blind-Date in meinem Lieblingssteakhaus, was für ein Luxus für mich und egal wer dort auf mich wartete, ich würde das köstliche Essen genießen.
Ich schaute mich ein paar Mal um, dachte, aha – versetzt! Irrtum, da stand er auf und ich unter Schock.
Oh Mann, Kerle können noch besser lügen als wir. Laut Anzeige war er 56 und groß, gut aussehend, die Realität sah anders aus. Er hatte versehentlich die Zahlen verdreht, fast einen Kopf kleiner als ich und hatte schrecklich abstehende Ohren. Irgendwie tat er mir leid und hungrig war ich auch, so blieb ich und gönnte ihm für zwei Stunden den Anblick meiner gut gefüllten Bluse. Überraschend wurde es ein sehr netter Abend, wir unterhielten uns angeregt über Schäferhunde, er hatte eine Hündin, und über seinen Beruf Fahrlehrer. Er erzählte lustige Anekdoten und die Zeit verging im Fluge. Er fragte mich zum Ende hin, wie ein kleiner Junge, ob ich nicht doch seine Geliebte werden möchte, trotz Größen- und Altersunterschied, was ihn persönlich nicht störte. Nein, ich wollte nicht und hatte es ihm schon vor dem Essen klargemacht, da ich es auch nicht mag verarscht zu werden. Er fand meine Entscheidung sehr schade, zahlte nonchalant die Rechnung und brachte mich zu meinem Wagen.
Ich nahm ihn mit, bis zu seinem Auto, den er außerhalb der Stadt hatte stehen lassen. Auf dieser kurzen Fahrt erzählte er mir von seinem Stangenfieber, seiner Frau mit der er seit zwanzig Jahren nur auf dem Papier lebte, seiner Ex-Geliebten, die leider ausgewandert war und wie sehr er es hasste, sich selbst zu befriedigen. Puuuhhhhh, die Fahrt dauerte nicht all zu lange und ich verabschiedete mich kurz und schmerzlos, doch er schrieb über eine Woche SMS, mit der Bitte, alles noch einmal zu überdenken. NEEEIIIIIIN!
Das lustigste und gleichzeitig traurigste Treffen fand jedoch auf dem Parkplatz eines Discounter`s statt. Aus der Annonce und dem Telefonat wusste ich, dass er ein Farbiger war und wenig Deutsch sprach. Fand ich spannend, meine Englischkenntnisse aufzufrischen und Vorurteile gegen Ausländer waren noch nie mein Ding. Ich war viel zu früh am vereinbarten Treffpunkt, ließ Bronco bei geöffneter Heckklappe im Auto, nutzte die Zeit für einen Einkauf und als ich fertig war, sah ich ihn schon von weitem.
Ein rabenschwarzer Leuchtturm, mit elfenbeinfarbenen Zähnen, der direkt an meinem Auto stand und mit Bronco flirtete. Hilfe! Keine Möglichkeit zu entkommen, denn beide hatten mich schon entdeckt und strahlten um die Wette. Na gut, selbst Schuld, mein Vater hätte gesagt: Die Suppe die man sich einbrockt, muss man auch selbst auslöffeln!
Wir waren die Sensation auf diesem Parkplatz, eine aufgestylte, dicke Endvierzigerin und ein schwarzer Riese. Kurze Begrüßung und erst mal weg von hier. Er schwang sich auf den Beifahrersitz und füllte mein halbes Auto. Er war nicht nur sehr groß, so ca. 2 Meter, sondern auch sehr breit. Wir unterhielten uns in einem Kauderwelsch aus Deutsch und Englisch und er war wirklich ein Netter, sehr höflich und gebildet. Wir fuhren zu einem bekannten Ausflugsziel und gingen dort mit Bronco spazieren. Ich erfuhr, dass er aus Ghana stammte, Folteropfer und als politischer Flüchtling über Amnesty International nach Deutschland kam. In seiner Heimat arbeitete er als Dozent an einer Uni und hier als Hausmeister und besuchte eine Sprachschule. Menschlich war er sehr nett, doch als Mann reizte er mich überhaupt nicht und ich versuchte ihm dies schonend beizubringen. Doch auf diesem Ohr war er taub, er betrachtete mich wie eine Milchkuh von allen Seiten, fand mich rundherum Klasse und beschloss, ich werde seine Frau. Ich sagte ihm, dass ich noch verheiratet wäre und kein Interesse an einer neuen Ehe hätte, doch er ließ sich nicht von diesem Gedanken abbringen. Er kauderwelschte in einem fort über Frau, Ehe und Kinder kriegen und ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. Immer wieder versuchte er mich zu küssen und mich von seinen Qualitäten als zukünftiger Mann zu überzeugen. Ich schaffte es auf nette Art ihm auszuweichen und brachte ihn nach Hause.
Er lebte in einem gepflegten Einfamilienhaus, in einer Amnesty Internantional WG. Dort lud er mich noch auf einen Tee ein, spielte mir Musikvideos aus seiner Heimat vor und freute sich königlich. Ich erfuhr, dass diese Anzeige seine erste war, er nicht mehr alleine bleiben wollte und ihn das Heimweh schier zerfraß. Sex gehörte für ihn zum Leben, doch seine Gefühle waren schon lange gestorben. Er zeigte mir die Narben der Folter auf seinem Körper, die seiner Seele sah ich in seinen Augen.
Ich bot ihm meine Freundschaft an, doch er wollte mehr von mir. Dies konnte ich ihm nicht geben und ich sagte es ihm offen. Doch er wollte wohl nicht verstehen, zum Abschied schenkte er mir seine warme Jacke, da er meinen alten Mantel hässlich fand und diesen in der nächsten Mülltonne entsorgte.
Er fieberte dem nächsten Wiedersehen entgegen, doch dieses fand nie statt. Wir wurden kein Paar und keine Freunde, seine Jacke halte ich noch heute in Ehren und wünsche ihm Liebe und Frieden für sein Leben.
Es gibt noch zwei weitere Teile, die bald folgen…
Bildquelle: Fotograf berwis, Pixelio
Text @ Doris Sponheimer
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