Wie im ersten Teil erwähnt, verbrachte ich vor ca. dreieinhalb Jahren einige Monate als Single auf Kontaktsuche. Ich lernte die skurrilsten Typen und ihre Vorlieben kennen.

Vorweg, keine dieser teilte ich jemals.

Es begann mit einer SMS-Anzeige, über die ich einen Fischhändler kennen lernte, mit dem ich öfters telefonierte und der eine aufregende Stimme hatte. Er beschrieb sich als groß und gut gebaut, ein Typ wie Sean Connery und sein Instrumentarium mit 25 cm. Upps, ganz schön heftig, dachte ich mir. Er erzählte, dass er auf Grund seiner enormen Ausmaße lange keine Beziehung, geschweige denn Sex hatte, da keine Frau passend gebaut wäre.

Er schrieb mir nächtelang die wildesten Textnachrichten, in denen „der Wolf das Rotkäppchen verschlang“. Wir verabredeten uns mehrmals, zu einem Treffen kam es nie. Kurz vorher sagte er aus fadenscheinigen Gründen ab und meldete sich dann nachts per SMS, deren Inhalte recht zweideutig waren. Ich hatte auf solch Spielchen keine Lust und machte ihm dies deutlich klar, es dauerte eine Zeit bis er verstand…

Der nächste Experte war ein mittelmäßig aussehender Lebemann, der mit seinem besten Freund alte Möbel restaurierte, und den ich wegen seiner Körpergröße und dieser Arbeit Holzwurm taufte. Wir trafen uns das erste Mal in der Holzwerkstatt. Ich bestaunte die schönen Möbel, und Bronco kaute auf irgendwelchen Holzstücken. Ich unterhielt mich mit beiden „Holzwürmern“ angeregt. Es war eine lustige Runde, zu der sich noch die Mutter des Freundes gesellte. Da wir uns gut verstanden, verabredeten wir uns am nächsten Tag zum Essen bei einem Griechen. Dort erzählte er mir jede Menge Schoten aus seiner 25 Jahre zurück liegenden Disko-Zeit und der darauf folgenden unglücklichen Ehe, die seit einiger Zeit geschieden war. Er schwärmte von seiner Nachbarin, mit der er ab und zu die Kissen teilte und erwähnte beiläufig, dass er nicht auf dicke Frauen stand. Prima, dachte ich erleichtert, da hab ich ja „fies“ Glück gehabt und ließ mich auf belangloses Geplänkel ein. Wir verbrachten einen netten Abend bei getrennten Kassen, und verabredeten uns einige Tage später auf einen Plausch und einen Kaffee.

Er meldete sich telefonisch und ich lud ihn in meine Wohnung ein. Da er sich für dicke Frauen nicht interessierte und mein Hund immer zur Stelle war, kein Problem. Er erschien pünktlich mit einer Flasche Billigwein, Discounterblumen, bewunderte meine kleine Welt, den alten Kirschbausekretär. Er redete, redete und redete wie ein Wasserfall. Bei einer Tasse Kaffee rückte er näher. Tätschelte meinen Oberschenkel, erzählte mir von seinen Lieblings-Pornos mit wilden „Wasserspielen“ und wie geil er es fände Frauen beim „Piseln“ zu beobachten.

Ich rückte dezent zur Seite, sagte klipp und klar, dass diese sexuelle Vorliebe nicht zu meinem Repertoire gehöre und erinnerte ihn daran, dass er nicht auf Dicke stände. Da musterte er mich, sein Blick ruhte auf meinem wohlgeformten Busen und er meinte enthusiastisch: „Du bist doch nicht dick, und um das wirklich zu beurteilen, muss ich Dich erst nackt sehen!“ Flasche Wein und Hosen blieben zu und die Tür schloss sich bald darauf, hinter ihm. Pfui Spinne, nicht mein Ding, lieber Holzwurm!

Lange Zeit danach rief er immer wieder an, bis zu dem Morgen, als eine männliche Stimme den Anruf entgegennahm ;-)

Einer fehlt noch in der Sammlung der skurrilen Kandidaten.
Ihn lernte ich über eine herkömmliche Kontaktanzeige einer Tageszeitung kennen und traf mich mit ihm auf dem Parkplatz einer Fast Food Kette. Ein beliebter Treffpunkt von mir, der mir später das große Glück brachte…
Zurück zu Pumuckel, der sich in der Zeitung als blond, groß, breitschultrig und gut aussehend darstellte. Pruuuuust, das Einzige was stimmte, war sein Alter, Ende dreißig. Ihn störte es nicht, dass ich gute fünfzehn Jahre älter war als er. Mich hätte es beim Poppen ebenfalls nicht gestört, wenn er der Hammer gewesen wäre, grins. Pumuckel war alles andere als „aussehend“, und grottenhässlich. Rothaarig, abstehende Ohren, schiefe Zähne mit Belag und Zahnstein. Da krisch isch heut noch Plack ;-) Baaahhhhhh!

Da ich ein höflicher Mensch bin und niemanden vor den Kopf stoße, keiner hat sich selbst gebastelt, nahm ich die Einladung auf einen Kaffee an. Er erzählte mir, dass er sich eine Eigentumswohnung mit seiner Mutter teilte, Kinder verabscheue und eine Frau mit eigener Wohnung und Badewanne suche. Ich fragte ihn, was er gegen Kinder hätte und er meinte, er könne sein hart verdientes Geld besser ausgeben. Ich dachte mir im Stillen, dass er sicher für einen Schönheitschirurgen spare, und das kann teuer werden…

Dann wollte ich von ihm wissen, warum die potentielle Freundin eine eigene Wohnung haben müsse. Er antwortete entrüstet, er könne nicht in Anwesenheit seiner Mutter Badespielchen oder Sex betreiben, und deshalb ginge es nur in der Wohnung seiner Auserwählten. Diese dürfe ruhig älter sein, müsse die Pille nehmen oder am Besten sterilisiert sein und eine Vorliebe für Strapse und Stilettos hegen. Sie sollte keine Probleme mit seiner Bi-Sexualität haben und selber zeigefreudig sein. Ich sagte, rein zum eigenen Vergnügen, Strapse wären kein Problem, doch mit meinem lädierten Fuß sind hohe Hacken leider unmöglich.

Da sah er mich mit großen wasserblauen Augen an, seine Hautfarbe wechselte von sonnenbankverbranntkrebsrot zu purpurfarben, seine vielen Sommersprossen sahen aus wie, ich sag mal besser nix…. und er sagte stotternd: „Ich meinte nicht bei Dir, sondern bei mir!“
Hä? Der Euro fiel bei mir in Centstücken, dann hatte ich verstanden und brach in lautes Lachen aus.

Wir verabschiedeten uns dann recht schnell und ich wünschte ihm viel Glück bei der Suche nach Mrs. Right, vielleicht fand er auch einen Mister oder verbrachte seine mutterlose Zeit in einem Swinger-Club.

Ich hoffe ihr habt beim Lesen soviel Spaß wie ich in der Erinnerung beim Schreiben.


Bildquelle: Fotograf berwis, Pixelio
Text @ Doris Sponheimer