Fast zeitgleich, mit nur 4 Monaten Differenz wurden wir auf die Reise geschickt, du und ich. Hunderte von Kilometern entfernt, nicht ahnend, dass es den jeweils anderen gibt.
Starteten unseren langen eigenen Weg in das Abenteuer, das man Leben nennt. Machten jeder für sich eigene Erfahrungen, gute und schlechte, kamen vom Weg ab, fanden ihn wieder.
Trafen Menschen, die uns eine Zeit lang begleiteten, trennten uns von ihnen, als wir feststellten, dass ihr Weg nicht der unsere war. Andere, die wir als dauerhafte Begleiter uns erträumt hätten, die wir liebten, wurden uns genommen, wir hatten keinen Einfluss darauf. Mussten lernen, ohne sie zurecht zu kommen. Fanden jeder für sich einen Weg, damit umzugehen, den Verlust anzunehmen und weiter zu gehen.
Du hattest Sehnsucht danach, deine Gefühle und Gedanken in Farben auf Papier zu bringen, hast begonnen, zu malen. Du lerntest, mit Farben und Formen zu erzählen, was du empfindest. In wunderbaren Bildern beschreibst du deine Gedanken, deine Trauer, deine Freude. Ehrlich und intensiv.Eine Fähigkeit, die mir nicht gegeben ist.
Meine Sehnsucht galt dem geschriebenen Wort, ich versuchte, das, was mich bewegt, mit Worten zu beschreiben, ebenso ehrlich und ebenso intensiv. Und genau, wie auch du nicht mit allem zufrieden bist, was du gestaltet hast, gelang auch mir nicht alles, vieles wurde, kaum dass es geschrieben war, verworfen.
Sechs Jahrzehnte dauerte es, bis unsere Wege sich kreuzten. Müßig, darüber nachzudenken, dass es nicht viele Jahre vorher geschah.Es sollte wohl genau zu diesem Zeitpunkt passieren.
War es Zufall, dass wir beide demselben Menschen begegneten, dadurch uns kennen lernten und eine wunderbare Freundschaft entstand?
Feststellten, dass wir, wenn auch auf unterschiedliche Weise, doch beide kreativ unsere Gefühle äußern müssen?
Erlebtes verarbeiten, etwas schaffen wollen, was uns gefällt und vielleicht auch anderen? Dir gefiel, was ich geschrieben hatte und ich war fasziniert von deinen Bildern.
Jetzt steht das Weihnachtsfest vor der Tür und du hast einen geheimen Traum von mir erahnt und wahr gemacht. Du hast dir die Gedichte, die dir am besten gefielen, heraus gesucht und in Bilder umgesetzt.
In wunderschöne Bilder.
Du hast Worte und Farben zu einer Einheit zusammengeführt, den Worten durch deine Bilder eine Bedeutung gegeben.
Auf diese Weise ist ein einzigartiger Bildband entstanden, sehr persönlich, nur für dich und mich, eine Synthese, die unserer Freundschaft entspricht.
Für mich war gestern Weihnachten.
Ich danke dir.
© Text Sibylle E.,
© Foto: Aquarell v. Marianne SEB
