Ich muss unbedingt vorher noch zum Friseur und zur Fußpflege. Wann soll ich das bloß noch einrichten? Am besten versuche ich heute, auf dem Weg nach Hause, noch im Studio einen Termin zu bekommen. Das hat erst eröffnet und ich war noch nie dort.

 

Kurz nach 18 Uhr komme ich endlich aus dem Büro...

 

„Sie haben Glück“, sagt die nette Dame am Empfang des Nagelstudios. „Wenn sie wollen, können wir es jetzt machen“. „Ja, sehr gerne“ erwidere ich und lasse mich zu einem Stuhl führen. Merkwürdiges Gebilde: Massagesessel, schwarz, Leder, mit Wanne für das Fußbad und davor ein Hocker für die Fußpflegerin (oder sagt man hier Nagel-Stilistin?).

 

Die junge Frau ist Asiatin, mittelgroß und ebenso zart wie kräftig gebaut. Ihre schwarzen Haare trägt sie modisch kurz, sie ist ungeschminkt und sie lächelt mich mit ihren schönen Augen an, während sie mein Füße in das warme Sprudelbad eintauchen lässt. „Möchten Sie Massage?“ fragt sie. „Gerne“ antworte ich. Sie drückt auf den Knopf der Fernbedienung und schon fängt dieser Stuhl an, meinen Rücken zu bearbeiten. Das ist zunächst nicht so angenehm, weil ungewohnt mechanisch. Ich schließe die Augen.

 

Schnell merke ich, dass etwas Gegendruck von mir, den Sessel zu Höchstformen auflaufen lässt. Ich presse mich mal mehr und mal weniger stark gegen ihn. An manchen Stellen tut es richtig weh, an anderen ist es sehr angenehm. Ich stelle mir einfach vor, dass 5 kleine Asiatinnen gleichzeitig mit ihren nackten Füssen auf mir herumtreten und mich so richtig entspannen. Und eine weitere nimmt meinen rechten Fuß vorsichtig aus dem Sprudelbad und fängt mit der Pflege an.  

 

Ich bin inzwischen so entspannt, dass ich Mühe habe mich auf dem Sessel zu halten. Ich rutsche immer wieder ein Stück tiefer. Jetzt ist der andere Fuß dran. Es kitzelt.. Wir lachen beide – die junge Frau und ich sehen uns an -  unsere Blicke treffen sich und irgendetwas ist anders.. Sie ist mir in diesem Moment vertraut. Ich bemerke ein kleines Tatoo auf ihrer linken Schulter. Es ist für mich nur halb zu erkennen. Es könnte ein Drache sein oder ähnliches. Oder doch eine chinesische Rose? Ich traue mich nicht sie zu fragen..

 

Meine Anspannung ist vollkommen weg. Ich genieße die Art, wie sie mit zarter Hand meine Füße bearbeitet. Fast schon liebevoll... Meine Gedanken schweifen ab... Ich stelle mir vor, wie sie gleich meine Füße und Unterschenkel bis zum Knie massieren wird. Kräftig und zart zugleich... aber immer angenehm.. Mein Rücken ist jetzt von dem Massagesessel auch schon völlig durchgeknetet und wird langsam heiß. Ob das alles noch so gut ist?

 

Die Hitze strahlt vom Rücken in mein Becken aus und ich habe das Gefühl, der Sessel umarmt mich, umhüllt mich. Das Vibrieren und Rotieren verursacht ein Kribbeln bis in die Tiefe. Es kommen mir Textpassagen aus „ Emmanuelle im Garten der Lüste“ wieder in den Sinn. Meine Fantasie sieht die gleichen Bilder, die ich vor Jahren beim Lesen vor Augen hatte.. Nur einmal in so einem Lustgarten sein zu können.. Nur einmal  Emmanuelle sein.. Einmal so gevögelt werden.. Hatte sie nicht auch eine asiatische Gespielin? Ich bemerke, dass ich bei diesen Gedanken ganz feucht werde.

 

„Welche Farbe möchten Sie?“ Ich bin verwirrt... Es dauert einen Moment, bis ich eine Antwort geben kann.

 

Peinlich – ob sie etwas bemerkt hat?

 

P.S.  Das Buch habe ich noch irgendwo im Schrank. Es kommt in den Urlaubskoffer!